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Sepp Maier © dpa
28.02.2014

Sepp Maier feiert heute seinen 70. Geburtstag

München. Unsterblich ist Torwart-Ikone Sepp Maier nur in den Fußball-Geschichtsbüchern. «Es trifft jeden einmal, die Latte wird immer kürzer mit 70, dann 80: Dann musst du dein Grab ausgesucht haben», kommentiert der Weltmeister von 1974 kurz vor seinem 70. Geburtstag an diesem Freitag. Aber egal. «Solange man gesund ist und eine Gaudi hat, merkt man das Alter nicht», urteilt er.

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Und Maier fühlt sich fit - auch fast sechs Jahre nach dem endgültigen Abschied vom FC Bayern. Jahrzehnte hatte er für den Münchner Branchenführer zunächst als Weltklassekeeper und später als Torwart-Trainer gearbeitet, ehe er im Mai 2008 zusammen mit seinem langjährigen Schützling Oliver Kahn Goodbye sagte. Vier Jahre zuvor hatte ihn der damalige Teamchef Jürgen Klinsmann schon aus dem Trainerstab der deutschen Nationalmannschaft geschmissen - ein bedrückendes Erlebnis für den vierfachen Meister und Pokalsieger.

Maier, eigentlich eine Frohnatur, reagierte verletzt und gekränkt auf Klinsmanns Nachricht, «ich war schließlich fast 20 Jahre dabei». Sein Intimus Kahn verlor bei der Heim-WM 2006 in Deutschland schließlich auch noch seinen Stammplatz an den Rivalen Jens Lehmann. Klinsmann habe «gedacht, dass er mit seiner Entscheidung 2006 Weltmeister würde. Aber das war genau das Verkehrte: Er hätte Oliver Kahn und mich als Torwarttrainer nicht absetzen dürfen, dann wären wir Weltmeister geworden», behauptet Maier im «Kicker» forsch.

Seit seinem Austritt aus der Bayern-Familie bestimmt die Freizeit sein Leben. Das Fußballstadion ist längst nicht mehr Maiers Heimat, Spiele seines langjährigen Vereins oder der Nationalelf schaut er sich selten live an. Unterwegs ist Maier dennoch hin und wieder, nimmt Einladungen an und Werbetermine wahr. «Ich will gar keinen Ruhestand haben. Denn dann wird man alt, noch älter vom Geist her, meine ich», sagte der Kulttorwart einmal. «Wenn man nichts mehr plant in seinem Leben, kann man sich gleich eingraben lassen.»

Mit Ausnahmeprofis wie Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Paul Breitner prägte er in den 70-er Jahren eine ganze Generation beim FC Bayern - es war die mit drei Europapokalsiegen bei den Landesmeistern bis heute erfolgreichste Mannschaft. Krönungen waren der WM-Triumph 1974 im eigenen Land und der EM-Titelgewinn 1972, «das waren schon die Highlights in meinem Leben». Beckenbauer hatte ihn lange nach seiner Karriere 1987 auch zum Deutschen Fußball-Bund geholt, 1990 wurden die Weggefährten in Italien auch als Trainer gemeinsam Weltmeister.

Ansonsten zog Maier schon in einer Zeit, in der der Fußball noch deutlich mehr Sport als Show war, auch die Aufmerksamkeit abseits des Platzes auf sich: Die «Katze von Anzing» wusste die Menschen als Entertainer zu begeistern, der Stadien unterhalten konnte und Furore als Entenjäger auf dem Platz machte. Um lockere Sprüche war der gelernte Maschinenschlosser nie verlegen, harsch fiel nicht nur seine öffentliche Kritik am deutschen Trainerteam kurz vor der Heim-WM aus. «Klinsmann ist ein linker Schleimer», befand er 2006. Ein Diplomat im zunehmend durchgestylten Fußballgeschäft war Maier nie.

Eigentlich hätte er auch als Profi noch länger spielen wollen als nur bis 35. Seine Laufbahn aber fand im Juli 1979 ein jähes Ende. Bei einem Autounfall wurde Maier schwer verletzt. «Das waren bittere Momente - aber ansonsten bin ich ein Glückskind», sagt er.