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Silvio Berlusconi muss heute seine Strafe antreten: Er wird für den Dienst mit Demenzkranken und Alzheimer-Patienten vorbereitet.
Silvio Berlusconi muss heute seine Strafe antreten: Er wird für den Dienst mit Demenzkranken und Alzheimer-Patienten vorbereitet. © Archivbild: dpa
09.05.2014

Silvio Berlusconi zum Sozialdienst bei Alzheimer-Patienten

Italiens dienstältester Angeklagter und früherer Regierungschef Silvio Berlusconi beginnt an diesem Freitag den Sozialdienst zur Ableistung seiner Haftstrafe. Was viele nach den zahlreichen ergebnislosen Anklagen nicht mehr für möglich, tritt nun doch ein. Statt Bunga Bunga mit minderjährigen Schönheiten muss der 77-Jährige nun seine Strafe antreten und alte Menschen pflegen, die an Demenz oder Alzheimer leiden.

Berlusconi werde langsam in den nächsten Wochen in einen sensiblen Umgang mit Alzheimer-Kranken eingeführt, so hat die Direktion des Seniorenzentrums in Cesano Boscone bei Mailand erklärt. Sensibilität im Umgang mit Schwächeren war bislang allerdings nicht die Stärke von Berlusconi. In Cesano Boscone soll der rechtskräftig wegen Steuerbetrugs verurteilte Rechts-Politiker seine Strafe verbüßen.

In dem katholischen Sacra-Famiglia-Zentrum werde Berlusconi mit Leiden konfrontiert und mit Problemen, «die ihn bereichern könnten», meinte der Direktor Paolo Pigni. Nicht eingesetzt wird Berlusconi dabei für Büroarbeiten oder für Entertainment und Entspannungsübungen. Witze zu erzählen sei dort nicht gefragt, machte der Direktor dem als «Unterhalter» bekannten Berlusconi klar. Auch politische Aktivitäten sind im Zentrum untersagt; die absehbar zahlreichen Medien und seine Leibwache bleiben draußen.

Er muss für mindestens zehneinhalb Monate einmal pro Woche vier Stunden lang in der Einrichtung für ältere Menschen arbeiten. Der nächste Termin der Krankenbetreuung wird eine Woche später sein. Berlusconi entgeht so den strikteren Auflagen eines Hausarrests. Im übrigen habe sich Berlusconi mit den Absprachen zu dem Dienst voll einverstanden gezeigt, sagte Pigni.

Dabei hatte er zuvor aber auch die missbilligende Aufmerksamkeit der Justiz auf sich gezogen. Denn er nannte es lächerlich zu meinen, man könne ihn jetzt umerziehen. Sozialer Dienst für jemanden, der Italien als Regierungschef geführt und G8-Gipfel geleitet habe, «das ist eine lachhafte Sache, nicht für mich, sondern für das Land», sagte er.

Die Mailänder Justiz hatte Berlusconi den Sozialdienst statt des Arrests allerdings nur mit der Auflage erlaubt, dass er «die Regeln und Institutionen achtet». Sie reagierte auf die «missachtenden» Äußerungen, indem sie seinen Antrag auf mehr Bewegungsfreiheit vor den Europa-Wahlen ablehnte. Er muss sich auch während des Sozialdienstes so verhalten, dass dieser nicht rückgängig gemacht wird und er damit doch noch unter den strengeren Hausarrest käme.