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Menschen feiern vor dem Parlamentsgebäude in Harare den Rücktritt von Robert Mugabe. Foto: Ben Curtis
Menschen feiern vor dem Parlamentsgebäude in Harare den Rücktritt von Robert Mugabe. Foto: Ben Curtis
21.11.2017

Simbabwes Präsident Robert Mugabe zurückgetreten

Harare (dpa) - Jubel und Freudentänze in den Straßen von Harare: Nach fast vier Jahrzehnten an der Macht hat Simbabwes Präsident Robert Mugabe mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt erklärt.Damit kam der 93-Jährige knapp eine Woche nach einem Militärputsch seiner Amtsenthebung durch das Parlament zuvor. Die Abgeordneten hatten sich bereits versammelt, um den Staatschef des Amtes zu entheben. Mugabes Rücktritt sei aus freien Stücken erfolgt und gelte mit sofortiger Wirkung, erklärte Parlamentspräsident Jacob Mudenda.

Die Nachfolge des 93-Jährigen solle bis spätestens Mittwoch geregelt werden, so Mudenda weiter. Oppositionsführer Morgan Tsvangirai forderte, schnellstmöglich freie und faire Wahlen abzuhalten, um aus Simbabwe wieder eine erfolgreiche Demokratie zu machen. Für 2018 waren ohnehin Wahlen geplant. Mugabe hatte bislang geplant, sich dann um eine weitere Amtszeit zu bewerben.

Generalstabschef Constantino Chiwenga forderte alle Simbabwer zu Zurückhaltung auf. Die Simbabwer müssten nun ihrem Ruf als friedliche und gesetzesliebende Nation gerecht werden, erklärte er. Die Stellungnahme stellte auch eine implizite Bestätigung von Mugabes Rücktritt durch die Putschisten dar.

Die Regierungspartei Zanu-PF und die Putschisten wollten den vor kurzem von Mugabe geschassten Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwa (75) zum Nachfolger küren. Der unter dem Spitznamen «Krokodil» bekannte Mnangagwa ist seit Jahrzehnten führendes Mitglied der politischen Elite. Er gilt als Hardliner und hat unter Mugabe unter anderem den Geheimdienst und das Justizministerium geführt.

In der Hauptstadt Harare strömten die Menschen nach der Rücktrittserklärung sofort auf die Straße: viele tanzten, jubelten, umarmten sich voller Freude. «Ich bin so froh», sagte Kenneth Chimbuya. «Heute ist ein Freudentag: wir haben 37 Jahre unter Mugabe verbracht», sagte der 43-Jährige. Viele schwenkten auch Simbabwes Flagge. «Ich habe mein ganzes Leben lang auf diesen Tag gewartet», sagte Gloria Teya. «Das ist ein Tag der Hoffnung und der Freude», sagte die 25-Jährige.

Der Anfang November geschasste Mnangagwa sagte vor Mugabes Rücktrittserklärung, er werde aus Angst um seine Sicherheit zunächst weiter im Ausland bleiben. Er forderte Mugabe zu einem freiwilligen Rücktritt auf, um ihm einen «demütigenden» Abgang zu ersparen. «Der Wille des Volkes wird sich definitiv gegen den einer Person durchsetzen», so Mnangagwa. Noch am Dienstagmorgen hatte Mugabe - der sein Ende offenbar noch immer nicht wahrhaben wollte - sein Kabinett einberufen. Es kamen aber nur wenige Minister.

Am Samstag hatten in Folge des Putsches Zehntausende Menschen in der Hauptstadt Harare friedlich gegen den vom Militär unter Hausarrest gestellten Mugabe demonstriert und einen politischen Neuanfang gefordert. Der Putsch der Generäle wurde nach Meinung von Experten ausgelöst durch die Entlassung Mnangagwas und die Bemühungen des Staatschefs, seine unbeliebte Frau Grace (52) als Nachfolgerin zu etablieren. Sie ist bekannt für ihr impulsives Verhalten, teure Kleider und extravagante Shopping-Reisen und wird oft spöttisch «Gucci Grace» genannt.

Amnesty International forderte nun einen demokratischen Neuanfang in Simbabwe. Unter Mugabes Herrschaft seien Zehntausende gefoltert worden, viele Oppositionelle seien auf mysteriöse Weise verschwunden oder getötet worden, erklärte der Generalsekretär von Amnesty International, Salil Shetty. «Präsident Mugabe hat Menschenrechtsverletzungen geduldet, kriminelles Handeln verteidigt und eine Kultur der Straffreiheit für groteske Verbrechen gefördert.»

Mugabe war in dem Land im südlichen Afrika seit der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1980 an der Macht, zunächst als Premierminister und seit 1987 als Präsident. Seine Regierungsführung wurde mit den Jahren zunehmend autoritär. Unter seiner Führung wurde aus der wohlhabenden Kornkammer der Region ein Armenhaus.