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04.11.2009

So gesund war ich schon lange nicht mehr

Meine Güte, was bin ich für ein Prachtkerl. Gestern noch habe ich im Gesundheitsamt todesmutig den (zugegeben: etwas verhärteten und verkrampften) Oberarm hingehoben (und weggeschaut), und heute bin ich immer noch kerngesund. Ja, ich bin ein bisschen stolz, aber auch erleichtert: Die Schweinegrippe kann anrollen, denn ich bin geimpft! Und es war so einfach. Ein Pieks, ein Pflaster, fertig. Allen Impfskeptikern sei gesagt: Das bisschen Spritzen ist nicht der Rede wert.

Schön aber ist es, am Morgen danach aufzuwachen, nichts zu spüren und dann die Gewissheit zu haben, dass man nicht mehr nach jedem Händeschütteln zum Waschbecken rennen oder zum Desinfektionsspray greifen muss. Mir geht es trotz der Antischweinegrippen-Dosis in meinem Oberarmmuskel gut, sehr gut sogar.

Ich kann jetzt ganz souverän meine Kollegen belächeln, die gestern noch über meinen spontanen Impf-Entschluss gestaunt und dann in der ersten Büro-Euphorie geschworen haben, ebenfalls zum Arzt zu gehen, und heute schon wieder weiche Knie haben.

Da wäre zum Beispiel der arme Jerôme Nell, ein guter Kerl, Fußballer - aber ständig krank. Seine Nase läuft Marathon, sein Hals kratzt ständig so wie sein Dreitagebart aussieht, und die Bronchien röcheln so wie mein alter Golf II im Winter an der Ampel. Dem jungen Kollegen musste ich gestern meine Impf-Erfolgsstory gleich mehrmals erzählen, und als ich schon dachte, er hätte endlich den Mut gefunden, zum Arzt zu gehen, hat er mich auf morgen vertröstet.

Aber wer so oft krank ist, der ist auch zuweilen etwas labil. Da erscheint es nur logisch, dass Jerôme Nell heute schon wieder einen Rückzieher gemacht hat. Das Impfen sei ja so ..., und so ..., und überhaupt ... Kurzum: Er will sich lieber weiterhin erkälten. Soll er.

Ich werde den Abend heute wieder richtig genießen. Gestern hatte ich noch aus Respekt vor den Nebenwirkungen auf mein Viertele Rotwein zum Feierabend verzichtet. Heute werde ich auf das Wohl des Gesundheitsamts trinken und ganz entspannt an die kommenden Erkältungswellen denken. Eine Grippeimpfung kann das Leben ja so schön machen.