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Spanische Gurken offenbar nicht EHEC-Epedemie-Auslöser
Spanische Gurken offenbar nicht EHEC-Epedemie-Auslöser © dpa
31.05.2011

Spanische Gurken offenbar nicht EHEC-Epedemie-Auslöser

Ein neuer Schnelltest soll den lebensgefährlichen Darmkeim EHEC binnen weniger Stunden nachweisen. Wissenschaftler aus Münster haben das Verfahren entwickelt. Experten rechnen mit weiteren Todesfällen.

Die meisten Deutschen fühlen sich einer Umfrage zufolge aber nicht durch den Erreger bedroht. Spanien kündigte am Dienstag an, Entschädigungen für alle europäischen Landwirte zu verlangen, die wegen EHEC Verluste haben.

Bislang starben in Deutschland mindestens 15 Menschen, 13 davon sind Frauen. Gleichzeitig melden auch andere europäische Staaten immer mehr EHEC-Fälle. Auch Amerikaner sollen sich mit dem aggressiven Keim angesteckt haben. Niedersachsen und Hamburg meldeten, dass die Infektionszahlen nun etwas langsamer steigen.
Mit dem neuen Schnelltest können kleinste Mengen des Erregers binnen weniger Stunden auf die speziellen Eigenschaften des Ausbruchsstamms untersucht werden. Das Verfahren kann den Keim auch auf Gemüse nachweisen, sagte ein Sprecher des Universitätsklinikums Münster der Nachrichtenagentur dpa. Der Test könne in jedem molekularbiologischen Labor gemacht werden. Details wollten die Forscher am Nachmittag bei einer Pressekonferenz bekanntgeben.
Der Test wird nach Meinung des ärztlichen Direktors des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) in der Medizin «kurzfristig nicht so sehr viel helfen». Im Augenblick seien zumindest alle Patienten im UKE mit Krämpfen im Bauchbereich und blutigen Durchfällen ausnahmslos mit dem Darmkeim EHEC infiziert, sagte Jörg Debatin im ZDF-«Morgenmagazin». «Insofern brauchen wir diesbezüglich keinen Schnelltest.» Der Test könne aber langfristig bei künftigen Infektionswellen helfen.
Inzwischen gibt es bundesweit mehr als 1400 EHEC-Infektionen und Verdachtsfälle, vor allem in Norddeutschland. Allein die UKE-Ärzte behandeln laut Debatin 82 Patienten mit dem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) - einem besonders schweren Verlauf einer EHEC-Infektion, bei dem unter anderem die Nieren versagen können.
Spaniens Gemüse sei «sicher», sagte die spanische Agrarministerin Rosa Aguilar bei einem Treffen mit EU-Kollegen im ungarischen Debrecen. Ihr Land wolle auf EU-Ebene Entschädigungen für alle europäischen Landwirte verlangen, die wegen EHEC Verluste haben. Die Ursache der Infektionen solle man in Deutschland suchen, nicht in Spanien. Unterstellungen, nach denen die Krankheit durch Gurken aus Spanien übertragen werde, richteten bei den dortigen Produzenten einen Schaden von wöchentlich 200 Millionen Euro an.
Deutschland müsse so schnell wie möglich die Ursache der Infektionen klären, sagte die Ministerin. «Wir sind enttäuscht von der Art, wie Deutschland mit dieser Krise umgegangen ist.» Dass die Ursache nicht in Spanien liegen könne, werde auch dadurch deutlich, dass dort niemand an EHEC erkrankt sei. Es gebe lediglich zwei infizierte Spanier, diese hätten sich die Infektion aber bei einer Reise in Deutschland zugezogen, sagte Aguilar.
In Hamburg war der Erreger auf Gurken aus Südspanien gefunden worden. Allerdings ist unklar, wo das Gemüse kontaminiert wurde.
Rund zwei Drittel der Deutschen haben trotz des aggressiven Darmkeims keine erhöhte Angst um die eigene Gesundheit. Ein gutes Drittel (36 Prozent) macht sich aber Sorgen, wie eine repräsentative Umfrage des Kölner Meinungsforschungsinstituts YouGov ergab. Die Warnungen vor dem Erreger hält eine Mehrheit von 61 Prozent für angemessen. Die Hälfte der Befragten (50 Prozent) will wegen EHEC vorübergehend auf rohes Gemüse verzichten. Das Institut hatte 1075 Menschen im Alter von mindestens 18 Jahren in Deutschland befragt.
Die Versorgung der EHEC-Patienten sei in Deutschland nach wie vor gesichert, die Lage bleibe aber angespannt, sagte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) am Rande des Ärztetags in Kiel.
Am Montagnachmittag hatte ein Spitzentreffen von Bund, Ländern und Behörden in Berlin stattgefunden. Demnach rechnen die Experten mit weiteren Todesfällen. Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) betonte: «EHEC hat längst eine europäische Dimension.»
Nach Angaben der EU-Kommission gab es in Schweden bisher 30 nachgewiesene EHEC-Fälle, 13 davon sind HUS-Patienten. Auch in Dänemark, Großbritannien, Österreich und den Niederlanden seien Menschen an EHEC erkrankt, einige von ihnen schwer. Frankreich hat nach Medieninformationen 3 Verdachtsfälle.

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