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Nun geht es mit dem Rathaus-Neubau voran: Montagmorgen sperrten Arbeiter darum die Parkplätze vor dem Altenpflegeheim in Wilferdingen ab.  Foto: Seibel
Nun geht es mit dem Rathaus-Neubau voran: Montagmorgen sperrten Arbeiter darum die Parkplätze vor dem Altenpflegeheim in Wilferdingen ab. Foto: Seibel
05.09.2016

Startschuss für das neue Rathaus in Wilferdingen

Seit mehr als zwei Jahren wird zäh um den geplanten Rathaus-Neubau in Wilferdingen gerungen. Am Mnntag nun wurde der San-Biagio-Platani-Platz nach der umstrittenen Baumfällaktion im Februar abermals abgesperrt. Der Bau des umstrittenen Projekts läuft langsam aber sicher an – für einige Remchinger offenbar überraschend.

Seit den frühen Morgenstunden sind die Parkplätze vor dem Altenpflegeheim eingezäunt. Hinter den Absperrungen sind ein paar Arbeiter mit einem Bagger am Werk. Davor stehen immer wieder verdutzte Autofahrer, denen auf der Suche nach einem Parkplatz nur noch der Rückwärtsgang bleibt. Selbst Lorenz Praefcke, der sich als Vorstand im ortsansässigen Bürgerverein (BV) für Demokratie und Bürgerbeteiligung gegen das Projekt ausspricht, weiß nicht so recht, was vor sich geht.

Für den Bau der ebenfalls vorgesehenen Tiefgarage müssen die bereits bestehenden Leitungen umgelegt werden, die unter dem San-Biagio-Platani-Platz verlaufen. Bereits im April hatte der Gemeinderat die Maßnahme für rund 120.000 Euro an das Pforzheimer Unternehmen Pfirmann vergeben. Rund sechs Wochen wird die Maßnahme laut Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon dauern. „Wir versuchen, den Platz für die Arbeiten bereichsweise zu sperren“, so Ortsbaumeister Udo Schneider. Wenn Bedarf bestehe, könne jedoch auch die gesamte Fläche in Anspruch genommen werden.

„Das ist ein merkwürdiges Gefühl, zu sehen, was da momentan passiert“, sagt der Vorsitzende des Bürgervereins, Lothar Wolf, gestern Nachmittag im Interview mit der PZ (das ganze Interview folgt diese Woche). „Der Rathaus-Neubau ist eigentlich eine Sache, bei der die Bürger durchaus ein Wort hätten mitreden sollen, können oder dürfen. Leider ist uns der Weg verwehrt geblieben“, sagt Wolf zu den bisherigen Anläufen des Bürgervereins, das Projekt mit Hilfe eines Bürgerentscheids noch zu stoppen.

Ebenso wie Wolf sehen an diesem Montag einige Remchinger den Baubeginn kritisch. Eine Bewohnerin des Altenpflegeheims möchte den San-Biagio-Platani-Platz in seiner Ursprungsform erhalten wissen. Auf den Bänken hätte sie immer gerne gesessen, sagt die Frau vor der Kulturhalle. Nun muss sie gestützt auf ihren Rollator um den gesamten Platz laufen, um in das Altenpflegeheim zu kommen, da ihr die Bauzäune den direkten Weg versperren. Ein älterer Herr aus Nöttingen, der auf dem Weg zum Bahnhof ist, befürchtet ein Millionengrab.

Dabei gibt es auch Bürger, die sich auf den Baubeginn freuen. Dieter Dwarnicak aus Singen zum Beispiel. Oder Monika Kälber aus Wilferdingen: „Die bestehenden Rathäuser sind schon alt. Außerdem ist es gut, wenn die Verwaltung später komplett unter einem Dach ist.“ Die vorgesehene Fläche für die Gastronomie sei dagegen nicht nötig gewesen.

Dieses Argument gegen den Rathaus-Neubau hört man in der Gemeinde öfter. Auch von Edeltraud Möhle aus Singen. Das Projekt befürworte sie jedoch trotzdem.

Am Donnerstag stehen zwei weitere wichtige Ereignisse in dem zähen Kampf um den Rathaus-Neubau an. Zum einen entscheidet der Gemeinderat über die Vergabe der letzten Planungen des Millionenprojekts. Zum anderen entscheidet sich in dem Gremium, ob der Bürgerverein mit seinem mittlerweile dritten initiierten Bürgerbegehren erfolgreich ist. Im Interview mit der PZ glaubt Lothar Wolf nicht daran: „Es wird mehrheitlich abgelehnt.“ Bereits vergangene Woche hatte das Verwaltungsgericht Karlsruhe in erster Instanz das Bürgerbegehren als „voraussichtlich unzulässig“ eingestuft.