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30.11.2015

Strengreligiöse Eltern sollen Tochter getötet haben - Urteil erwartet

Darmstadt. Eine 19-jährige Muslimin hatte sexuelle Kontakte zu ihrem Freund, ohne mit ihm verlobt gewesen zu sein - und wurde danach umgebracht. In dem Mordprozess gegen ihre strengreligiösen Eltern will das Landgericht Darmstadt am Dienstag das Urteil verkünden.

Erwartet wird, dass die Kammer auch etwas zu den Wertvorstellung der Eltern sagt. Die Anklage fordert für beide eine lebenslange Haft mit besonderer Schwere der Schuld. Weder der Verteidiger der 41 Jahre alten Mutter noch der des 52 Jahre alten Vaters sahen Mordmerkmale.

 Laut Anklage sollen die Eltern die Tochter im Januar gemeinschaftlich ermordet haben, um die «Familienehre zu retten beziehungsweise wiederherzustellen». Der 52-Jährige habe der Schlafenden in Darmstadt «minutenlang ihren Hals zugedrückt», die Mutter sei einverstanden und dabei gewesen. Der Vater gestand die Tat. Die Mutter ließ erklären, sie sei davon überrascht worden. Ihr Mann habe sie dann dazu gezwungen, die Leiche wegzuschaffen.

 In ihren Plädoyers gingen beide Anwälte am vergangenen Donnerstag detailliert auf das Weltbild der aus Pakistan stammenden Eltern ein. Der Verteidiger des Vaters sagte, der 52-Jährige sei kein «normal sozialisierter Mensch» - auch wenn er schon wie seine Frau mehr als 20 Jahren in Deutschland sei. Er habe die Normen seiner Heimat konserviert, in der Sex vor der Ehe ein schweres Vergehen sei. Diese Herkunft müsse beim Urteil berücksichtigt werden.

 Der Anwalt der Mutter meinte, seine Mandantin sei in ihrer Gemeinde wie «einbetoniert». Die Frau habe «mit einer normalen Welt nichts zu tun». Beide Angeklagte seien «Musterbeispiele nicht gelungener Integration».