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Das vermeintlich "harmlose" Medikament Nasenspray macht schnell süchtig. 
Das vermeintlich "harmlose" Medikament Nasenspray macht schnell süchtig.  © dpa
12.05.2017

Süchtig nach Nasenspray: Bundesweit sind 120.000 Menschen betroffen

Einmal rechts, einmal links und schon ist die Nase wieder frei: von Nasenspray abhängig zu werden, geht schneller als man denkt. Bundesweit sind rund 120.000 Menschen betroffen.

Meist fängt es mit einer harmlosen Erkältung an. Nasensprays helfen schnell bei verstopfter Nase. Man kann endlich wieder frei atmen. Doch hier droht schon die Gefahr, süchtig zu werden, denn abschwellendes Nasenspray darf höchstens eine Woche angewendet werden. Laut der Website „gesundheit.de“ bestehe Suchtgefahr, wenn das Medikament über einen längeren Zeitraum benutzt werde. Denn die Nasenschleimhaut gewöhne sich an den Wirkstoff und das Spray müsse häufiger angewendet werden, um den gewünschten Effekt zu erhalten.

Im Netz kursieren zahlreiche Videos. Ein Abhängiger hat sich in seinem Blog zum Thema geäußert. „Ich heiße Eddy und bin Sprayoholiker“, heißt es seinem Text. „Eddys Laufblog“ berichtet offen und ehrlich über die Sucht. Auch die Pforzheimer „Apotheke am Ludwigsplatz“ hat hierzu einen Beitrag veröffentlicht.

Eddy erzählt, dass er mindestens zehnmal am Tag einen Sprühstoß von der „Droge“ bräuchte und dass ein Fläschchen nicht einmal eine Woche reichen würde. Selbst kalter Entzug sei manchmal keine Lösung, denn anders wie beim Rauchen zum Beispiel, handele es sich hier um eine Sucht mit physischen Entzugserscheinungen. Die Nasenschleimhäute schwellen wieder zu und die Nase ist verstopft – freies Atmen sei nicht mehr möglich. Weitere Folgen seien eine trockene Nase oder Nasenbluten. Oftmals würde dadurch der Schlaf gestört werden. Der HNO-Arzt Dr. Joachim Draws aus Celle bestätigt dies in einem Youtube Video. Es sei ein Teufelskreislauf.

Auch Eddy beschreibt, wie es ihn verrückt macht, wenn seine Nase „dicht macht“:
„Es dauert nicht lange, bis ich dann auch Kopfschmerzen bekomme. Und durch den Mund atmen hilft da überhaupt nicht. Einschlafen ohne vorher die Nase zu sprühen? Absolut undenkbar! Und falls ich nachts „mal raus muss“, wird natürlich nachgesprüht, um weiterschlafen zu können.Wer Nasenspray süchtig ist, der nimmt in Kauf, dass er seine Schleimhäute zerstört. Er macht weiter, obwohl man ihm gesagt hat, dass seine Nase irgendwann ganz fürchterlich zu stinken anfangen wird: …Na und? Da wird es dann schon irgendeine Lösung geben.“

Doch mittlerweile gäbe es Therapien zur Behandlung. Der Youtuber Draws sagt, dass der erste Schritt immer ein Gang zum Arzt sein sollte. Weiter beschreibt er die Behandlungsmöglichkeiten: Da wäre ein cortisonhaltiges Zweit-Nasenspray, dass die Entwöhnung erleichtern soll. Dabei sollen die Entzugserscheinungen gemildert werden. Eddy dokumentiert auf seinem Blog allerdings den Versuch, ohne weitere Medikamente sein Nasenspray abzusetzen. Es sei sehr schwierig, sehr hart – Nächte ohne Schlaf, Kopfschmerzen und Unausstechlich-Sein seien vorprogrammiert. 

Sind die Schleimhäute jedoch vom jahrelangen Nasenspray-Gebrauch schon so zerstört, dass sie sich selbst nicht mehr regenerieren können, helfe nur noch eine Operation. Laut Internet-Arzt Dr.Draws, werden hierbei die angeschwollenen Nasenschleimhäute verkleinert. 

Bevor es überhaupt zu einer Nasenspray Sucht kommt, präsentierte die Website „gesundheit.de“ einige präventive Maßnahmen:

  • Ein abschwellendes Nasenspray sollte nur sieben Tage angewendet werden. Sind die Erkältungssymptome immer noch da, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
  • Verwenden Sie Nasensprays für Kinder, diese sind niedriger dosiert.
  • Meerwasser-Nasensprays sind eine gute Alternative, denn sie können bedenkenlos über längere Zeit angewendet werden.
  • Manchmal hilft es bereits, aufzustehen und einige Schritte zu gehen, da die Nasenschleimhaut im Sitzen oder Liegen vermehrt anschwillt.
  • Spaziergänge an der frischen Luft tun ebenfalls gut, denn vor allem trockene Heizungsluft begünstigt das Verstopfen der Nase.