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15.10.2015

Sünden bekennen? Eltern prügeln in Kirche ihren Sohn zu Tode - Bruder überlebt

Eine Kirche in New Hartford, US-Bundesstaat New York: Dort sollen Eltern ihren eigenen Sohn zu Tode geprügelt haben. Er wurde 19 Jahre alt. Auch der 17-jährige Bruder wurde zusammengeschlagen.

Der Polizeichef des Ortes, Michael Inserra, berichtete am Mittwoch (Ortszeit) in einer Pressekonferenz: Lucas und sein Bruder Christopher wurden in der örtlichen „Word of Life Church“ mehrere Stunden geschlagen. Angeblich sollten sie ihre Sünden bekennen und um Vergebung bitten. Lucas starb, Christopher überlebte das Martyrium schwer verletzt. Insgesamt wurden einschließlich der Eltern (65 und 59 Jahre alt) sechs Verdächtige festgenommen und angeklagt, darunter auch eine Halbschwester der Opfer. Alle plädierten auf nicht schuldig. Die Polizei sagte, möglicherweise würden im Zuge der Ermittlungen noch mehr Personen angeklagt.

Nach Schilderungen der Ermittler haben sich die Mitglieder der Kirche mit den beiden jungen Männern nach einem Gottesdienst in der Nacht zu Montag zu einer «Beratungssitzung» zurückgezogen. Dort geschahen die Verbrechen. Genauer Hergang und Motiv liegen noch im Dunkeln. Die Polizei berichtete, Lucas und Christopher hätten schwerste Verletzungen und Brüche erlitten - im Bauch, am Rücken, im Unterleib und an den Oberschenkeln. Kenntnis von Waffen haben die Ermittler nicht. Im Spiel gewesen seien Fäuste und Fußtritte.

„Wir vermuten nicht, dass die Eltern ihren Sohn umbringen wollten“, sagte Bezirksstaatsanwalt Scott McNamara. „Aber wir vermuten, dass sie ihn ernsthaft verletzten wollten. Letztlich ist er daran gestorben.“

Lucas sei von Familienmitgliedern am Montagmittag um 12.30 Uhr (Ortszeit) ins Krankenhaus gebracht worden - dort wurde sein Tod festgestellt. Die Polizei begann mit einer Befragung der Eltern. Anschließend wurde die Kirche von mehreren Polizeieinheiten umstellt. Mehrere Mitglieder wurden Tag und Nacht verhört. Außerdem seien sieben Kinder im Alter zwischen zwei und 15 in polizeiliche Obhut genommen worden, darunter auch Kinder der Halbschwester der beiden Opfer.

Christopher, der 17-jährige Bruder,wurde erst nach stundenlanger Suche im zweiten Stock der Kirche gefunden, einer früheren Schule an einer belebten Durchgangsstraße. Seine Eltern hatten der Polizei nicht sagen wollen, wo sich ihr Sohn befindet.

Nachbarn der Familie berichteten dem Sender CBS, die jungen Männer hätten „nicht wie normale Teenager“ leben dürfen. Die beiden seien gezwungen gewesen, täglich zwei Stunden in der Bibel zu lesen. Laut „New York Times“ sind die Eltern schon seit Jahrzehnten Mitglieder der Kirche. „Sie war das Zentrum ihres Lebens“, sagte ein Polizist.

Ein Cousin der beiden Opfer sagte: „Das ergibt alles keinen Sinn.“ Der Vater sei gut zu seinen Söhnen gewesen. „Das war eine eng zusammengewachsene Familie.“ Am Freitag soll eine Anhörung der Eltern mehr Licht in diese Tat bringen.

Die „Word of Life Church“ ist eine der vielen christlichen Freikirchen, die es in den USA gibt. Sie wurde 1981 gegründet. Die „New York Times“ schrieb am Donnerstag, die Mitglieder der Kirche in New Hartford hätten sich verhalten wie in einer Sekte. Anwohner hätten von seltsamen Vorgängen und Geheimniskrämerei über die Jahre berichtet. Unter vorbeiradelnden Kindern sei eine Redensart gewesen: „Geh da bloß nicht rein! Du kommst nie wieder raus.“