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US-Präsident Barack Obama (links) und sein Herausforderer Mitt Romney haben bei ihrer TV-Debatte die US-Bürger im Privatbereich erreicht. In den Bars, so hat es PZ-Redakteur Thomas Frei in den USA erlebt, sei Sport im Fernsehen wichtiger gewesen.
US-Präsident Barack Obama (links) und sein Herausforderer Mitt Romney haben bei ihrer TV-Debatte die US-Bürger im Privatbereich erreicht. In den Bars, so hat es PZ-Redakteur Thomas Frei in den USA erlebt, sei Sport im Fernsehen wichtiger gewesen. © dpa
04.10.2012

TV-Debatte im US-Wahlkampf: Sport am Tresen, Politik im Schlafzimmer

Am Mittwochabend, Ortszeit 21 Uhr, sitzen viele Bewohner im Butler County mitten im US-Bundesstaat Pennsylvania interessiert vor den Fernsehgeräten, um die erste „First Presidential Debate“ zwischen Präsident Barack Oboma und seinem Herausforderer Mitt Romney zu verfolgen. Alle großen US-Fernsehsender übertragen sie. In der „Playmakers Sportsbar“ des „Butler Days Inn Conference Center“, das zuvor gut besucht war, haben sich die Reihen gelichtet. Doch es gibt noch immer eine ganze Reihe von Gästen, die sich lieber Football und Baseball auf einem der Sportsender widmen, als sich anzuhören, was ihnen ihre beiden Präsidenten-Kandidaten zu sagen haben.

„Ich bin froh, dass ich meinen Job habe,“ meint Bob, der mit seinem Truck von Michigan nach Texas unterwegs war. Rob pflichtet ihm bei, denn: „Ob es der andere besser machen wird, wer weiß es.“ Dabei ist herauszuhören, dass er wohl mit keinem Kandidaten zufrieden ist. Egal, am nächsten Morgen muss er seine Ladung über die Berge von Virginia nach Charlotte bringen. Er ordert ein weiteres Bier.

Auch Sue, die Bedienung, schielt immer mal wieder mit einem Auge auf die Sportübertragungen. Keiner der vielen Bildschirme zeigt die Debatte. In der großen Tageszeitung „USA Today“ hatte sie in der Mittwochsausgabe zwar schon „mit gewissem Interesse“ gelesen, wie ein Modedesigner den textilen Auftritt von Präsident und Herausforderer bewertet hatte. Da lag Obama nach Punkten vorn.

Überraschend dann für manche, dass Romney am Abend eine bei ihm eher ungewohnte modischere, in Rottönen quer gestreifte Krawatte trug. Aber beim Blick von hinten auf die beiden Kandidaten um das Amt des US-Präsidenten beeindruckte der perfekte Sitz des Anzugs von Obama.

Auf dem Weg zurück ins Zimmer durch die langen Gänge des „Butler Days Inn Conference Center“ ist es dann doch etwas überraschend, dass hinter den Türen nicht wie zuvor meist laute Country Music zu hören ist. Die Übernachtungsgäste interessieren sich doch zumeist für die jeweils gerade einmal zweiminütigen Statements der beiden Kandidaten. Ein Streitgespräch war ebenso wenig erwünscht wie irgendwelche Beifallsbekundungen aus den Reihen der Zuhörer. Beifall durfte es nur zur Begrüßung und am Schluss geben.

„Wir wollen uns ganz darauf konzentrieren, was der Präsident und der Herausforderer zu sagen haben“, hatte ABC-Moderator Jim Lehrer vorgegeben. Und alle haben sich daran gehalten. Nun heißt es: Auf eine Neues! Zur zweiten „Presidential Debate“ am 11. Oktober.