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© Dietz
27.12.2012

"Tatort: Im Namen des Vaters": Fade trotz Nina Kunzendorf

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mir vor der ersten Frankfurter „Tatort“-Folge mit Hauptkommissar Frank Steier (Joachim Król) und seiner Kollegin Conny Mey die Schauspielerin Nina Kunzendorf nicht geläufig war. Danach habe ich den Namen nicht mehr vergessen. Wann hatte eine „Tatort“-Kommissarin zuletzt so viel Sexappeal?

Und deswegen wollte ich sie am 2. Weihnachtsfeiertag wiedersehen, schließlich sollte das die vorletzte Folge mit der hoch gewachsenen, schlanken Dunkelhaarigen sein. Aber wie das eben so ist, wenn man viel erwartet ...

So richtig konnte mich der „Tatort: Im Namen des Vaters“ nicht fesseln. Und auch Nina Kunzendorf mimte eher gebremsten Schaum, denn die aufregende Kommissarin mit dem flotten Leben und den kessen Sprüchen, der jeder fasziniert hinterher blinzelt. Einziges Überbleibsel aus alten sexy Kunzendorfer „Tatort“-Tagen: Die Kommissarin läuft immer noch – allerdings wenig authentisch, sondern eher komisch - wie ein Flintenweib zur Zeit des Wilden Westens herum: ständig mit dem Colt an der Hüfte.

Das reißt die Folge aber auch nicht mehr aus dem Sumpf der Langeweile. Ob deshalb Król und Kunzendorf das Alkoholproblem ihrer Kommissare so intensiv pflegen müssen? Unterstützt durch eine Armada an Spirituosenfläschchen im Schreibtisch. Als ob ein echter Alki sein Stoffdepot so offensichtlich anlegen würde.

Ständig gesoffen wird auch im Täter- und Opfermilieu der einfachen Leute mit einfachen Jobs oder Hartz-IV-Bezug. Hier wechseln die Täter- und Opferrollen ständig, hier wird jeder von jedem ausgenützt und unterdrückt.

Sex will der einsame, leicht kontaktgestörte Mann haben. Den gibt es für ein paar Schnäpse in der Kneipe um die Ecke. Das weiß auch die Alkoholikerin, die von ihrem ebenfalls saufenden und gewalttätigen Partner enttäuscht ist und sich reihenweise andere Männer für die schnelle Nummer holt. Sie nimmt den Schnaps und will dann keinen Sex mehr geben. Die logische Folge: Der Kontaktgestörte ist sauer und erwürgt sie.

Dann ist da noch ein ebenfalls saufender Priester, der den Mörder kennt, weil er ihm total verkatert die Beichte abgenommen hat. Der Partner der Ermordeten entdeckt urplötzlich das Interesse an seiner Ex und ein bislang unbekanntes Ausmaß an Zielstrebigkeit und Energie. Er kidnappt den Priester mit einem Typ, dem kurz zuvor bei einem illegalen Hinterhof-Fight die Zähne ausgeschlagen und die Birne weich geklopft wurden.

Spätestens dann klingt das alles reichlich seltsam, passt das alles irgendwie nicht mehr zusammen. Das riecht nach Delirium. Die Spannung ist mäßig, der Blick ins kranke, deprimierende Trinkermilieu nur oberflächlich. Da wünscht man sich die Werbepausenblöcke der Privatsender her, um ohne schlechtes Gewissen den Ganz zum Kühlschrank antreten zu können. Vielleicht hätte ich mir diesen „Tatort“ ja schöntrinken können. Dann hätte ich wohl auch den nahenden „Tatort“-Abschied von Lichtblick und Superweib Kunzendorf eher verschmerzt.

Eines weiß ich aber jetzt schon ganz genau: Wenn die von der ARD tatsächlich wieder die überdrehte Andrea Sawatzki als Kunzendorf-Ersatz ins Frankfurter Ermittlerteam zurückholen, wie „Bild“ schon mal vermutet hat, dann sind diese „Tatort“-Folgen tatsächlich nur noch mit reichlich Alkohol zu ertragen. Und ausgerechnet ab Januar 2013 soll die Bierwerbung vor der "Tatort"-Serie wegfallen.

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