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Die beiden Inhaberinnen des Tattoo-Studios "KAYET": Filiz Kaya und Ayse Gülden Yetkin.
Die beiden Inhaberinnen des Tattoo-Studios "KAYET": Filiz Kaya und Ayse Gülden Yetkin. © Sadwoski
Filiz Kaya und Ayse Gülden Yetkin gründeten 2008 das Tattoo-Studio "KAYET" in Pforzheim.
Filiz Kaya und Ayse Gülden Yetkin gründeten 2008 das Tattoo-Studio "KAYET" in Pforzheim. © Sadwoski
19.01.2015

Tattoo-Studio "KAYET": Wo der Kunde zum Kunstwerk wird

Pforzheim. „Bei uns hat noch niemand geweint“, versichert Ayse Gülden Yetkin, eine der beiden Mitbesitzerinnen des Tattoo-Studios „KAYET“ in Pforzheim an der Westlichen Karl-Friedrich-Straße 55. „Wir sind die Künstler, ihr seid das Kunstwerk, phantasievoll, originell und einzigartig“ – so lautet seit 2008 die Philosophie der Inhaberinnen Filiz Kaya (28) und Ayse Gülden Yetkin (29).

Filiz Kaya, gebürtige Berlinerin, hat dort bereits in jungen Jahren mit Graffiti und Bemalungen von „Eastpack“-Ranzen für Freunde erste kreative Erfahrungen gesammelt. Mit 16 hat sie Tattoo-Vorlagen für Freunde gezeichnet. Doch als diese dann auf der Haut zu sehen waren, war Filiz Kaya nicht ganz begeistert von der Umsetzung. Also entschied sie sich, selbst Tätowiererin zu werden und ihre Zeichnungen nach ihrer eigenen Vorstellung auf der Haut zu verewigen. Ein sehr enger Familienfreund, der seit 1993 bereits ein Tattoo-Studio hatte, bot Filiz Kaya an, in seinem Studio Erfahrungen in der Körperkunst zu sammeln. Dies dauerte drei Jahre. Dann entschied sie sich für ihren eigenen Weg und zog vor neun Jahren nach Pforzheim. Hier lernte sie die Pforzheimerin Ayse Gülden Yetkin kennen. „Wir hatten beide das selbe Ziel: die Selbständigkeit, cooler Job, coole Kunden und nonstop Spaß an der Arbeit", so Filiz Kaya. „KAYET“ wurde dann 2008 ins Leben gerufen.

Ayse Gülden hat bereits in jungen Jahren ihre Leidenschaft für den Schmuck entdeckt, weshalb sie beim Pforzheimer Schmuckunternehmen Gathmann eine Ausbildung zur Kauffrau im Groß- und Außenhandel absolvierte. Ayse Gülden hat die Bodymodifikations-Kunst von einem erfahrenen Piercer, der zu der Zeit noch Medizinstudent war, gelernt. Seit 2009 sticht sie Piercings und setzt Microdermals. „Wir benutzen ausschließlich steriles Einwegmaterial“, sagte Ayse Gülden. „Die Gesundheit des Kunden hat höchste Priorität.“

Egal ob beim Piercing oder beim Tattoo, die Körperkunst kenne kein „Ich bin zu alt“.Bei „KAYET“ treffe man 18- bis Über-70-jährige Kunden aus den unterschiedlichen Kreisen. Gerade die Älteren würden gerne noch einmal ihren Körper aufpeppen wollen. Bei „KAYET“ gebe es immer wieder neue Aktionen rund um das Thema Tattoo und Piercing. Bei der großen Piercingschmuck-Auswahl in über 20 Vitrinen sei für jeden Geschmack etwas dabei.

Tattoos sind nicht für jeden wie eine Massage. „Ja, sie tun etwas weh“, sagt Filiz Kaya, doch am Ende jeder Sitzung komme der überglückliche Blick in den Spiegel und alle Schmerzen seien beim Anblick das Tattoos im Nu vergessen. Es bleibe sehr selten bei einem Tattoo: Wer eins hat, wolle noch mehr. Vor allem Schriftzüge, Rosen, Kompass und große Motive seien im Trend.

Früher wurden Tattoos am Rücken oder Bein gestochen, immer so unauffällig wie möglich. Doch seit zwei Jahren würden immer mehr auffällige Körperstellen von den Kunden gewählt. Ob nach Vorlage oder ganz individuell, alle Wünsche könnten realisiert werden. Der Kreativität seien keine Grenzen gesetzt. Der freundliche Kundenkontakt und eine ausführliche Fachberatung seien beiden Inhaberinnen sehr wichtig. „Die ehrliche Aufklärung unterscheidet in diesem Beruf Profis von Amateuren. Es soll endlich eine staatliche Ausbildung für Tätowierer und Piercer geben“, fordert Filiz Kaya. In Deutschland gibt es bislang keine staatlich anerkannte Ausbildung, weshalb das Geschäft darauf beruhe, das der Kunde den Körperkünstlern und deren individueller Erfahrung vertraue.

Da Ayse Gülden Yetkin und Filiz Kaya nicht der Gothic- oder der Rockerszene angehören, würden bei ihnen die unterschiedlichsten Kunden ein- und ausgehen. Und sie könnten ein ganz spezielles Angebot nutzen: Jeder Kunde könne beide Inhaberinnen rund um die Uhr kontaktieren. „Wir sind für unsere Kunden von Montag bis Sonntag erreichbar. Das ist kein Job, das ist unsere Leidenschaft“, sagen beide.