nach oben
Tiermediziner fordert Mindestpreis für Fleisch.
Tiermediziner fordert Mindestpreis für Fleisch © dpa
07.08.2014

Tiermediziner fordert Mindestpreis für Fleisch

Bramsche. Einen Mindestpreis für Fleisch hat der Tiermediziner Thomas Blaha aus Gründen des Tierschutzes gefordert. Die zusätzlichen Einnahmen könnten höhere Tierschutzstandards auf den Höfen finanzieren, sagt der Professor der Tierärztlichen Hochschule Hannover und Vorsitzende der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz. Initiativen auf freiwilliger Basis seien zu zaghaft, kritisiert der 67-Jährige im PZ-Interview.

Frage: Die Frage nach dem Tierschutz in den Ställen bewegt immer mehr Verbraucher. Bald geht die Initiative Tierwohl von Lebensmittelhandel und Bauernverband an den Start. Wird das was bringen?

Umfrage

Sollte es einen Mindestpreis für Fleisch geben?

Ja 70%
Nein 28%
Weiß nicht 2%
Stimmen gesamt 448

Antwort: Das ist schön, aber zu zaghaft und zu wenig. Ich sage: Der Staat hat im Jahr 2002 den Tierschutz zum Staatsziel erklärt. Das heißt, dass es ein öffentliches Schutzgut geworden ist, und das wiederum heißt, dass man hier nicht nur den Markt wirken lassen darf. Ein öffentliches Schutzgut erlaubt zu sagen: Wir machen einen Teileingriff, ähnlich wie wir es ja auch bei der Buchpreisbindung haben. Man sollte gesetzlich die Fleischpreise nach unten hin kappen, also einen Mindestpreis für Fleisch einführen. Dieser garantierte Einnahmen-Sockel würde dann an die Landwirte fließen, die damit besseren Tierschutz umsetzen könnten, etwa mehr Raum für die Tiere als jetzt. Dafür müsste jeder Mensch an der Fleischtheke nur 10 bis 20 Cent pro Kilogramm mehr ausgeben.

Frage: Schön und gut, aber wir haben einen freien Markt in Europa. Deutsches Fleisch würde teurer - die Verbraucher würden billigeres Fleisch aus den Nachbarländern kaufen.

Antwort: Wer verbietet denn dem deutschen Staat, auch importiertes Fleisch mit dieser Abgabe zu belegen? Wenn man den Tierschutz will, muss man dann eben nach Lösungen suchen, wie das umsetzbar ist.

Frage: Wenn die Bauern mehr Geld bekämen, würde das denn automatisch zu mehr Tierwohl führen?

Antwort: Nein, ein Automatismus ist das natürlich nicht. Wir fordern schon seit Jahren verpflichtende Schulungen für Landwirte und deren Mitarbeiter. Auch wenn 98 Prozent der Landwirte eine Ausbildung haben, rechtlich darf jeder einen Bauernhof und einen Stall betreiben, auch ohne Sachkundenachweis. Es muss auch eine Pflicht zur Weiterbildung geben.

Frage: Wenn Missstände in der Landwirtschaft aufgedeckt werden, gibt es sofort den Ruf nach mehr Kontrollen. Brauchen wir mehr Kontrollen?

Antwort: Nein, wir bräuchten eigentlich gezieltere Kontrollen. An den Schlachthöfen fallen genügend Informationen über den Zustand der angelieferten Tiere an. Dabei geht es um den Allgemeinzustand der Tiere, aber auch um auffallende Krankheiten. Diese Daten muss man aber auch nutzen. Wenn Tiere von bestimmten Höfen dabei immer wieder auffallen, sind das schon Indikatoren, dass da was schief läuft. Statt überall hinzurennen, geht man dann gezielt zu den Landwirten, die offenbar Probleme haben. Das ist ein 20 Jahre alter Vorschlag, der nur sehr zögerlich umgesetzt wird.

ZUR PERSON: Thomas Blaha, 67, hat in Leipzig Tiermedizin studiert und in der DDR in einer tierärztlichen Praxis gearbeitet, promoviert und sich habilitiert. Seit 1991 ist er Professor für Epidemiologie in Hannover. Von 1996 bis 2001 Professor für Epidemiologie in Minnesota.

Leserkommentare (0)