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Abgemagerte Kamele, angekettete Elefanten, gereizte Raubkatzen: Fotos aus dem Surabaya-Zoo in Indonesien schockieren die Öffentlichkeit. Die Tiere leiden wohl unter Missmanagement - und möglicherweise auch unter korrupten Angestellten.
Tiersterben im Zoo: 20 Kilo Plastik in Giraffenmagen © dpa
13.02.2014

Tiersterben im Zoo: 20 Kilo Plastik in Giraffenmagen

Surabaya. Ein indonesischer Zoo macht wegen schwerer Vorwürfe weltweit Schlagzeilen. Tierschützer kämpfen für die Schließung des Tierparks in der Stadt Surabaya auf Java. Es ist ihrer Ansicht nach einer der grausamsten Tierparks der Welt. Auf ihren Internetseiten sind Bilder von kranken, unterernährten und verwahrlosten Tieren in Surabaya zu sehen.

Indonesische und internationale Medien wie der Nachrichtensender BBC berichten etwa von einem Löwen, der sich vor wenigen Wochen in seinem Gehege in einem Kabel verfangen hatte und starb. Oder von einer Giraffe, die 2012 in dem Zoo verendete. In ihrem Magen waren demnach 20 Kilogramm Plastik. Eine Elefantenkuh starb den Berichten zufolge, nachdem sie zwei Jahre lang mit einem gebrochenen Bein gelebt hatte. Auch ein seltener Komodowaran und ein Tiger seien tot. In den vergangenen Jahren waren es Hunderte Tiere, schrieb die Tageszeitung «Jakarta Post» bereits 2010.

Die jüngsten Fälle haben der Einrichtung endgültig den Ruf eines «Todeszoos» eingebracht. Zorn regt sich in der Bevölkerung. «Um das Wohlergehen der Tiere ist es schlecht bestellt», sagt Rosek Nursahid, Leiter der Gruppe ProFauna Indonesia. «Die Gehege sind für verschiedene Arten zu klein und unsicher.» Die Bilder der Tierschützer zeigen Zootiere in erbärmlichem Zustand: An Ketten wund gescheuerte Elefanten, abgemagerte Kamele und Tiere in viel zu kleinen und nicht artgerechten Gehegen.

Die Fotos verbreiteten sich im Internet und in den Sozialen Medien Indonesiens. Mehrere Online-Petitionen, in Indonesien und im Ausland, fordern die Regierung in der Hauptstadt Jakarta auf, dringend etwas für den Schutz der Tiere zu tun. Nach Stadtangaben leben etwa 2800 Tiere in Indonesiens größtem Zoo.

Der 1916 von den niederländischen Kolonialherren gegründete Zoo wurde bis 2010 privat verwaltet. Schon damals gab es Berichte über Missmanagement und Tiersterben, die Regierung schritt ein und übernahm bis zum Sommer 2013 übergangsweise die Verwaltung. Dann wurde sie an die Stadtregierung übertragen. Doch das Sterben ging offenbar weiter.

Die Tierschützer vermuten Geldmangel, Verwaltungschaos, nachlässige Wärter und auch Korruption dahinter. «Zu lange hat sich das Missmanagement im Surabaya-Zoo fortgesetzt», sagt Nursahid.

Im Januar forderte die Bürgermeisterin Surabayas, Tri Rismaharini, Ermittlungen der Anti-Korruptionsbehörde wegen der angeblichen Verwicklung von Zoo-Mitarbeitern in den illegalen Handel von geschützten Tieren.

Der Chef der Übergangsverwaltung, Tony Sumampau, weist die Vorwürfe zurück: Alle Tier-Transfers seien legal gewesen. Er beschuldigt die Bürgermeisterin, nach einem Sündenbock zu suchen. Sie wolle die öffentliche Meinung auf ihre Seite bringen, meint er. Rismaharini wird in lokalen Medien als mögliche Kandidatin bei der Präsidentenwahl im Juli gehandelt.

Sonny Partono, der Direktor für Arten- und Waldschutz im Forstministerium, erklärt, der Zoo habe Tiere aus Platzgründen an andere Schutzzentren übergeben. «Es gab einen Überbestand, also mussten einige Tiere umquartiert werden», erklärt er. Tiere hätten sich in zu kleinen Gehegen gedrängt und deshalb bekämpft. Einige seien dabei gestorben.

Diese angeblichen Bemühungen um das Wohl der Tiere kommen einigen Beobachtern verdächtig vor. Sogar die Geschäftsführerin des Zoos, Liang Kaspe, glaubt, dass einige geschützte Arten gegen nicht-geschützte ausgetauscht wurden.

Surabayas Bürgermeisterin Rismaharini ist wegen der Schlagzeilen über den Zoo unter Druck geraten. Einige der veröffentlichten Horrorfotos stammten aus der Zeit, bevor die Stadt den Zoo übernommen habe, behauptet sie. Die Politikerin hat versprochen, dass die Versorgung der Tiere verbessert und sie mehr Platz bekommen sollen. «Die Stadt wird den Zoo professionell managen und die nötigen Schritte vornehmen, um ihn zu verbessern», sagte sie der Nachrichtenagentur Antara. Die Stadt habe 54 Milliarden Rupiah (etwa 3,3 Millionen Euro) ausgegeben, um den Zoo auf Vordermann zu bringen. Weitere 15 Milliarden Rupiah werde man in neue Gehege investieren.