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Johannes Heesters war nicht unumstritten. © DPA
25.12.2011

Tod von Jopie Heesters: Gemischte Gefühle in Holland

Amsterdam. Die Niederländer haben die Nachricht vom Tod ihres Landsmanns Johannes Heesters mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Einerseits wurde der an Heiligabend im Alter von 108 Jahren in Starnberg gestorbene Schauspieler als großer Künstler gewürdigt. Doch zugleich spielte Heesters umstrittenes Verhalten während der Nazi-Zeit in niederländischen Kommentaren eine Rolle. «Heesters: verehrt und angespuckt», überschrieb die niederländische Nachrichtenagentur ANP einen Nachruf. Stellungnahmen der Regierung oder des Königshauses gab es zunächst nicht.

In Medienberichten wurde auf den Besuch des auch bei Nazi-Größen beliebten Operettenstars im Konzentrationslager Dachau im Jahr 1941 verwiesen. Der Künstler habe wohl «keine blasse Ahnung» gehabt, wie problematisch seine Auftritte in Deutschland in der Zeit des Zweiten Weltkriegs in seiner Heimat gesehen wurden, hieß es beim angesehenen Niederländischen Institut für Kriegsdokumentation (NIOD). «Auch nach seinem Tod kann man das nicht anders als dumm nennen», sagte NIOD-Sprecher David Barnouw.

Pieter Erkelens, der frühere Direktor des Theaters «De Flint» in Heesters Heimatstadt Amersfoort, sagte hingegen: «Es gibt nur wenige Niederländer, die international gesehen so viel Wertschätzung für ihr Werk erfahren haben.» Und: «Wir müssen als Niederländer stolz sein auf so ein Toptalent.» Wenn es um den Zweiten Weltkrieg gehe, seien Niederländer oft «päpstlicher als der Papst». Die Kompromisse, die Heesters damals eingegangen sei, «um weiterhin in Deutschland auftreten zu können, sind sehr begreiflich».

Erkelens hatte Heesters, der Jahrzehnte von niederländischen Bühnen boykottiert worden war, im Februar 2008 einen Auftritt in dessen Geburtsstadt ermöglicht. Damals verlas Simone Rethel, die Frau des umstrittenen Stars, eine Entschuldigung. Im Theater gab es Standing Ovations für Heesters, davor schimpften Demonstranten ihn einen «singenden Nazi». In Medienberichten wurde jetzt auch darauf verwiesen, dass Heesters im April dieses Jahres von einem Staatsbankett, das Bundespräsident Christian Wulff für Königin Beatrix gab, ausgeladen worden war.

Der Direktor des Theater-Instituts der Niederlande (TIN), Henk Scholten, würdigte Heesters als «einen der wichtigsten Operettensänger, den die Niederlande je gekannt haben». Leider sei jedoch sein Werk «für alle Zeiten überschattet durch seinen Erfolg in Nazi-Deutschland». Ob das gerecht sei, könne er schwer beurteilen, fügte der TIN-Direktor hinzu. Ihm sei Heesters bei einem Besuch vor allem als «netter alter Herr» erschienen.

Dagegen nannte der Kabarettist Theo Nijland den Verstorbenen eine «unmoralische Figur, die zum Teil in einer Märchenwelt lebte». Im Nachruf der niederländischen Nachrichtenagentur ANP hieß es weiter: «Einige Niederländer konnten Heesters wahrlich nicht ausstehen. Er arbeitete auch im Krieg weiter in Deutschland. Er hatte nur seine eigene Karriere im Sinn, und da bekam er zusätzlich Chancen, weil andere Tenöre Deutschland verließen.» Zugleich wurde an ein Interview erinnert, das Heesters 1986 der Amsterdamer Zeitung «Het Parool» gab. Darin sagte er: «Es ist ein schreckliches Gefühl, im eigenen Land angespuckt zu werden.» dpa

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