nach oben
Offizielle Zwischenbilanz: Sieben Tote bei Zugunglück
Offizielle Zwischenbilanz: Sieben Tote bei Zugunglück © dpa
12.07.2013

Tote und Verletzte nach Zugunglück in Frankreich

Paris (dpa) - Bei einem schweren Zugunglück sind in Frankreich mindestens sechs Menschen ums Leben gekommen. Nach Regierungsangaben mussten zudem 30 Reisende in Krankenhäuser gebracht werden. Acht von ihnen seien schwer verletzt, sagte Premierminister Jean-Marc Ayrault in der Nacht zum Samstag am Unfallort im Großraum von Paris. Nach Angaben von Frankreichs Bahnchef Guillaume Pepy waren rund 370 Menschen in dem Intercity-Zug in Richtung Limoges unterwegs. In der Nacht wurde nach möglichen weiteren Todesopfern gesucht.

Die Ursache des Unfalls war zunächst völlig unklar. Nach ersten Ermittlungen entgleisten mehrere Waggons des Zuges an einer Weiche rund 200 Meter vor dem Bahnhof von Brétigny-sur-Orge. Während der eine Zugteil weiterrollte, krachte der andere zum Teil auf den Bahnsteig. Mehrere Waggons schoben sich ineinander.

Verkehrsminister Frédéric Cuvillier erklärte, der Zug sei nicht zu schnell gewesen. Er sei 137 Stundenkilometer gefahren und damit 13 km/h langsamer als erlaubt.

Eisenbahner verhinderten offensichtlich eine noch größere Katastrophe. Es sei gelungen, den verunglückten Zug anzuhalten und einen Zusammenstoß mit einem entgegenkommenden Zug zu verhindern, sagte Bahnchef Pepy am späten Abend. Auf Einzelheiten wollte er jedoch nicht eingehen. Hunderte Rettungskräfte und mehrere Hubschrauber waren nach dem Unglück im Einsatz. Einige Reisende waren Stunden in Waggons eingeklemmt.

«Ich habe geschlafen, als der Zug plötzlich unruhig wurde», berichtete ein 17-jähriger Passagier aus dem ersten Zugteil. Bei ihm im Waggon sei niemand ernsthaft verletzt worden. Es sei ein Wunder, dass dieser nicht entgleist sei.

Zeugen des Unfalls seien von Bahnsteigen sofort zur Hilfe geeilt. Sie hätten unter anderem Scheiben eingeschlagen, um eine Evakuierung zu ermöglichen. Die zuständige Präfektur rief nach dem Unglück den Alarmplan Rot aus. Er sollte dafür sorgen, dass sich Rettungskräfte und Krankenhäuser so gut wie möglich auf viele Opfer einstellen. Im Umkreis des Bahnhofs standen noch am späten Abend Dutzende Krankenwagen bereit.

Auch Frankreichs Präsident François Hollande besuchte am Abend die Unglücksstelle und sprach mit Überlenden. Nach seinen Angaben werden sich gleich drei unabhängige Ermittlungsteams um die Aufklärung der Katastrophe bemühen. Neben der Staatsanwaltschaft kümmern sich demnach die Bahngesellschaft SNCF und die staatliche Behörde BEA.

Das Zugunglück gilt als das schwerste in Frankreich seit 25 Jahren. 1988 waren am Gare de Lyon in Paris 56 Menschen ums Leben gekommen. An einem Zug versagten damals die Bremsen. Daraufhin bohrte er sich in einen stehenden Triebwagen.