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Crystal Meth © Symbolbild: dpa
14.02.2013

Tschechien kämpft gegen die gefährliche Droge Crystal

Prag (dpa) - Der Suchtexperte Roman Gabrhelik kennt die ersten verhängnisvollen Schritte: Junge Menschen entdecken das Nachtleben, hören elektronische Musik und tanzen in Diskotheken. Dann preist ein Bekannter die «Wunderdroge» Pervitin an. Der Konsument tanzt zwei Tage am Stück und bricht dann vor Erschöpfung zusammen.

Bildergalerie: Schmuggel mit Crystal wird zum Problem

«Die Abwärtsspirale nimmt ihren Lauf», berichtet der 34 Jahre alte Psychologe der Prager Universitätsklinik. In Deutschland heißt das gefährliche Pulver modisch Crystal. In Tschechien benutzt man den alten deutschen Markennamen Pervitin. Das Aufputschmittel ist bei den östlichen Nachbarn seit Jahrzehnten auf dem Vormarsch.

«Das hat seinen Ursprung in den 1970er Jahren», erklärt Gabrhelik. Harte Drogen aus dem Westen wie Kokain waren in der abgeschotteten Tschechoslowakei unzugänglich. Um sich einen Rausch zu verschaffen, brauten einige Außenseiter aus Medikamenten Pervitin. Im Zweiten Weltkrieg hatte die Wehrmacht den Stoff an Soldaten ausgegeben, allerdings in geringerer Dosierung.

In Tschechien rechnen die Behörden mit 31 000 Abhängigen, die sich das Rauschmittel sogar intravenös als Spritze setzen. Hinzu kommen diejenigen, die es rauchen oder schnupfen. Dabei ist Pervitin keine harmlose Einstiegsdroge. «Eine solche Drogenkarriere kann tödlich enden», warnt Suchtexperte Gabrhelik. Im Jahr 2011 starben 16 Tschechen an einer Überdosis, zehn Jahre zuvor waren es noch fünf.

Seit Jahren steigt auch in Deutschland die Nachfrage nach Crystal. Aus Sachsen werden bereits tausende Konsumenten gemeldet. Bundesweit stellte der Zoll im vorigen Jahr 23 Kilogramm Crystal sicher, davon 900 Gramm im Rahmen der deutsch-tschechischen Kontrollaktion «Speedway II». Zum Vergleich: Der Gesamtkonsum in Tschechien wird laut Behörden auf jährlich rund 4,6 Tonnen geschätzt.

Wenn die Abhängigen in die Prager Entzugsklinik kommen, sind sie im Schnitt 27 Jahre alt. «Es dauert lange, bis die Süchtigen erkennen, dass ihnen die Droge mehr nimmt als sie gibt», meint Gabrhelik. Viele leiden unter Abszessen und Venenproblemen, sind unterernährt, haben ein gestörtes Zeitempfinden und keine Arbeit.

Statt auf Repression setzt der Suchtexperte auf Aufklärung und Prävention. In Tschechien dürfen Apotheken die Rohstoffe für die Herstellung von Crystal - Erkältungsmittel - nur noch auf Rezept ausgeben. «Die Hauptquelle für die Grundsubstanz Pseudoephedrin sind derzeit Tabletten aus Polen», weiß Petr Koci von der nationalen Antidrogen-Zentrale der Polizei.

Deutsche Konsumenten decken sich mit Crystal oft gleich hinter der Grenze ein. «Das Problem ist, dass diverse Asienmärkte im Grenzgebiet eine Welt für sich sind», sagt Koci. Das erschwere die Ermittlungen. Der Kauf geringer Mengen bis 2 Gramm wird zudem nicht als Straftat, sondern nur als Ordnungswidrigkeit geahndet. Deutsche Gerichte ziehen die Grenze der «nicht geringen Menge» bei 5 Gramm.

Im Ausland sei ein falscher Eindruck entstanden, meint Koci. «Der Besitz von Drogen ist in Tschechien keineswegs legal», betont der Prager Polizist. Die Regierung von Ministerpräsident Petr Necas hat bereits angekündigt, den Grenzwert weiter zu senken.