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Fiktiver Chatverlauf beim Messenger "WhatsApp". Laut Experten wird Cybermobbing unterschätzt. Foto: Julian Stratenschult
Fiktiver Chatverlauf beim Messenger "WhatsApp". Laut Experten wird Cybermobbing unterschätzt. Foto: Julian Stratenschulte
06.02.2017

Umfrage: Cybermobbing wird unterschätzt

Berlin (dpa) - Internetmobbing wird laut einer Studie in Deutschland als Problem unterschätzt.Zwar glauben 91 Prozent der Befragten, dass das Mobbing im Netz ein Problem sei, bei den 18 bis 24-Jährigen liegt der Anteil sogar bei 97 Prozent, wie eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts Toluna im Auftrag des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft (BVDW) ergab. Gleichzeitig gaben 87 Prozent aller Befragten an, dass dieses Problem unterschätzt wird. Cybermobbing bildet in diesem Jahr das Schwerpunktthema des Safer Internet Day, der am Dienstag stattfindet.

«Es ist alarmierend, wenn ein Problem derart präsent ist», die Menschen aber gleichzeitig reklamierten, dass es nicht ernst genommen werde, sagte BVDW-Präsident Matthias Wahl am Montag. Für drei Viertel der Befragten (74 Prozent) sind die Eltern in erster Linie dafür verantwortlich, ihre Kinder über Sicherheit im Netz aufzuklären. Deutlich seltener werden Schule (9 Prozent), Internetanbieter (7 Prozent) und Bundeseinrichtungen (6 Prozent) genannt.

Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert dagegen ein stärkeres schulisches Engagement - und eine bessere strafrechtliche Verfolgung von Cybermobbing. «Die Schule ist neben den Familien und dem sozialen Umfeld einer der wichtigsten Orte der Mediensozialisation», erklärte der Verein. Hierfür müssten Bund und Länder eine bundesweit flächendeckende Förderstruktur von Medienkompetenzprogrammen aufbauen.

Das Internet und insbesondere Soziale Medien seien ein integraler Bestandteil des Alltagslebens junger Menschen. «Gerade aber Soziale Netzwerke sind inzwischen auch eine Plattform für Diskriminierung, für Mobbing, für antidemokratische Ideologien, für Fake News und "postfaktische" Auseinandersetzungen», sagte Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes. «Hier brauchen Kinder und Jugendliche Wegweiser.» Deshalb seien das Löschen von entsprechenden Inhalten und die Verfolgung strafrechtlich relevanten Fehlverhaltens auch im Netz unerlässlich.

Am Safer Internet Day, der seit 2008 jährlich in der zweiten Februarwoche stattfindet, soll das Bewusstsein für mehr Sicherheit im Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln geschärft werden. In Deutschland koordiniert die EU-Initiative klicksafe.de die Aktivitäten. Hierzulande steht das Thema Internetmobbing im Fokus. Den Safer Internet Day gibt es in mehr als 100 Ländern. Das weltweite Motto 2017 lautet «Be the change: Unite for a better internet».

Unterstützt wird der Safer Internet Day auch vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). «Eine digitale Identität hat heutzutage fast jeder Internetnutzer, doch die weitreichenden Folgen eines Identitätsdiebstahls sind nicht allen bewusst», warnte BSI-Präsident Arne Schönbohm. Personenbezogene Daten würden missbraucht, um Cyber-Mobbing zu betreiben. So könnten beispielsweise gefälschte Profile in sozialen Medien dazu genutzt werden, Personen bloßzustellen, zu beleidigen oder zu diskreditieren.