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Für reichlich Gesprächsstoff sorgte der Elfmeter von Kölns Anthony Modeste (rechts), den Augsburgs Torhüter Marwin Hitz hielt. Foto: dpa
Für reichlich Gesprächsstoff sorgte der Elfmeter von Kölns Anthony Modeste (rechts), den Augsburgs Torhüter Marwin Hitz hielt. Foto: dpa
Überraschender Rücktritt: Goran Erceg verlässt Wilferdingen. Foto: Hennrich
Überraschender Rücktritt: Goran Erceg verlässt Wilferdingen. Foto: Hennrich
08.12.2015

Umgepflügter Elfmeterpunkt, Punkrock als Sondertraining und ein vorzeitiger Abgang

Jüngst hatte Augsburgs Torhüter Marwin Hitz in der Fußball-Bundesliga für Aufsehen gesorgt. Nicht weil er sensationell gut gehalten hatte, sondern weil er den Rasen am Elfmeterpunkt auf kuriose Art präpariert hatte. Für seine Sportkolumne „Auf Ballhöhe“ hat Dominique Jahn die Top-Torhüter aus der Region dazu befragt. Manuel Salz hat sich bei Hitz etwas abgeschaut. Er will jetzt schon am Tag vor dem Spiel den Frasen umpflügen. Am Abend vor dem wichtigen Kreisliga-Spiel gegen Fatihspor Pforzheim hatten Vereinsboss und Cheftrainer vom 1. FC Bauschlott ein Punkrock-Konzert im „Exil“ gegeben. Geschadet hat es den FCB-Kickern nicht.

Völlig verrückte Torhüter-Aktion

Marwin Hitz – was für ein Hitzkopf! Seine Aktion im Bundesliga-Spiel beim 1. FC Köln sorgte am Wochenende für reichlich Gesprächsstoff. Bevor Kölns Anthony Modeste zum Strafstoß antrat, ramponierte der Augsburger Torhüter mit seinen Stollenschuhen den Elfmeterpunkt, Modeste rutschte aus, Hitz hielt und musste sich hinterher einiges anhören. „Rasen-Rowdy“ nannten ihn die Boulevard-Blätter. Der Kölner „Express“ schrieb: „In diesem Loch versinkt das Fair Play“.

Wie kommt ein Torhüter dazu, vor 50 000 Fans im Stadion und zahlreichen TV-Kameras ein Loch in den Rasen zu buddeln?

Wir haben bei unseren Top-Torhütern nachgefragt: „Ich habe das Spiel live im Fernsehen gesehen und mich gefragt: Was macht DER denn da?“, sagt Robin Kraski vom Oberligisten FC Nöttingen. „Im ersten Moment fand ich’s clever, im Nachhinein doch krass unsportlich.“ Kraski glaubt an eine „Spontanaktion“ des Augsburgers. „Er wollte sich wohl für den Elfmeterpfiff rächen, denn es war ja kein Foul.“ Auch Mathias Dörrich vom Landesligisten TuS Bilfingen hat die Szene gesehen: „Wie dreist ist das denn?“, war sein erster Gedanke. „Auf die Idee muss man erstmal kommen.“ Dazu, dass Hitz sich wohl unbeobachtet fühlte, sagt Dörrich: „Ich glaube, in dem Moment war er einfach nur im Tunnel. Er fühlte sich ungerecht behandelt. Dann sind bei ihm die Sicherungen durchgebrannt.“ Manuel Salz vom Oberligisten 1. CfR Pforzheim: „Ich habe keine Ahnung, wie man auf solch eine Idee kommen kann. Irgendwas ist ihm da in den Kopf gestiegen.“

Eine sportliche Strafe muss Hitz vom Deutschen Fußballbund (DFB) nicht befürchten. Der DFB ermittelt nicht. „Das ist auch gut so“, meint Dörrich, „man sollte da kein Fass aufmachen. Wenn es der Schiedsrichter gesehen hätte, hätte er jedoch Gelb zeigen müssen.“ „Es war eine dumme Aktion und er wird es nie mehr machen“, vermutet Robin Kraski. „Man darf das nicht überbewerten“, fügt Manuel Salz hinzu.

Bleibt die Frage: Welche Tricks wenden unsere Amateur-Torhüter bei Strafstößen an? „Bisher keine, aber jetzt weiß ich ja wie es geht“, schmunzelt „Matze“ Dörrich. Kraski: „Ich bin ja bekanntlich kein Elfmeterkiller. Das hat man in den Genen oder eben nicht. Ein paar Tricks könnte ich deshalb gut gebrauchen.“ Hat sich Manuel Salz bei Hitz nun etwas abgeguckt? „Ja schon“, sagt er lachend, „doch ich pflüge den Rasen einen Tag vorher schon um.“

Und die Rasen-Rechnung? Marwin Hitz jedenfalls hat sich mittlerweile für sein unsportliches Verhalten entschuldigt. Dennoch kommt er nicht um eine kleine Strafe umhin. Der Kölner Stadion-Chef Heinz Rütten hat dem Keeper eine Rasen-Rechnung zugeschickt. Über 122,92 Euro. Zusammengesetzt aus Quadratmeter Sportrasen, zwei Facharbeitsstunden und der fälligen Umsatzsteuer. „Es geht mir nicht um das Geld“, sagte Rütten dem „Express“. „Aber ein bisschen Strafe schadet nicht.“ Wenn Hitz den Betrag zahlt – das Geld käme einem guten Zweck zugute – dürfte dann auch bald Gras über die ganze Geschichte gewachsen sein.

Wilferdingen sucht Trainer

Die Verantwortlichen des FC Alemannia Wilferdingen fühlen sich vor den Kopf gestoßen: Goran Erceg, seit Rundenbeginn der Trainer des Kreisligisten, beendete sein Engagement nach der Partie am Sonntag nach dem 0:3 gegen Grunbach, obwohl ihm unter der Woche noch das Vertrauen ausgesprochen worden war. Erceg hatte es zuletzt trotz einer Verletztenmisere beim Kreisligisten geschafft, die Mannschaft zu stabilisieren. Dennoch zog er am Wochenende für sich die Reißleine: „Dafür gibt es mehrere Gründe. Einer davon ist, dass einige Spieler nicht mitziehen, das geht in unserer Situation aber nicht“, so Erceg, der vor allem die Trainingsbeteiligung bemängelt aber auch von Unstimmigkeiten innerhalb der Mannschaft spricht. „Die Verantwortlichen geben alles, doch es müssen eben alle mitziehen“, so der Coach weiter, der in Wilferdingen auch mit großen Personalproblemen zu kämpfen hatte. So stand beim 0:3 gegen Grunbach mit Pierre Gauß von der zweiten Mannschaft mittlerweile der vierte Torhüter in dieser Saison im Alemannen-Kasten.

Während Erceg, der vor der Runde für Marcellus Noukiatchom zum FCA kam, angeblich schon einen neuen Verein hat – laut www.enzkreis-fussball.de soll er Landesliga-Schlusslicht Post Südstadt Karlsruhe vor dem Abstieg retten – müssen sich die Wilferdinger nun auf die Suche nach einem Nachfolger machen.

Fast perfektes Wochenende

Wie war denn nun das gemeinsame Konzert von Alexander Spörr, Vereinsboss des 1. FC Bauschlott, und Cheftrainer Alexander Günther am Samstag im Brötzinger „Exil“? „Super“, „Spitze“, Weltklasse“, waren die Meinungen einiger Kicker nach dem Auftritt der „Baxtens“ mit Gitarrist Spörr und „Ferdich ab“ mit Frontmann „Joker“ Günther.

„Es hat jedenfalls keinem Spieler geschadet“, lacht Alexander Spörr und verweist darauf, dass seine Jungs gegen Fatihspor ein 2:0 vorlegten. „Am Ende ging ihnen aber wohl wegen des Vorabends ein wenig die Puste aus“, sucht Günther nach Gründen für den 2:2-Endstand. Ärgerlich. Denn nur mit einem Sieg wäre es für Günther ein „perfektes Wochenende“ gewesen.