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Weltweite Demonstrationen der Muslime gegen ein Mohammed-Schmähvideo dauern an. Dabei sterben immer mehr unschuldige Menschen. © dpa
18.09.2012

Unschuldige sterben wegen Mohammed-Video

Bei einem Vergeltungsanschlag wegen des islamfeindlichen Mohammed-Videos hat eine Selbstmordattentäterin am Dienstag in Kabul zwölf Menschen mit in den Tod gerissen, unter ihnen neun Ausländer. Die Angreiferin habe sich am Morgen in einem Wagen neben einem Minibus in die Luft gesprengt, teilte die Polizei in der afghanischen Hauptstadt mit. In dem Kleinbus seien ausländische Mitarbeiter einer Firma auf dem Weg zum Flughafen gewesen.

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Die radikal-islamische Hesb-i-Islami (HIG) des früheren Premierministers Gulbuddin Hekmatjar übernahm die Verantwortung für den Anschlag auf der Flughafenstraße. HIG-Sprecher Subair Seddiki sagte in einem Telefongespräch, es habe sich um einen Vergeltungsanschlag für das islamfeindliche Mohammed-Video gehandelt. Die Attentäterin sei eine 20 Jahre alte Frau namens Fatima aus Kabul gewesen.

Angesichts der Unruhen in der muslimischen Welt wegen des Schmähvideos aus den USA wird in Deutschland weiter über ein Aufführungsverbot gestritten. Muslim-Verbände sind in der Frage uneins: Der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland und der Zentralrat der Muslime sind für ein Verbot, der Liberal-Islamische Bund lehnt es ab.

Das auf Youtube in Ausschnitten veröffentlichte Video hatte in den vergangenen Tagen in vielen muslimischen Ländern antiwestliche Massenproteste entfacht. Politiker fürchten Unruhen auch in Deutschland. Sie wollen deshalb verhindern, dass der Film - wie von der rechtspopulistischen Splitterpartei Pro Deutschland geplant - öffentlich in Berlin gezeigt wird.

Zuletzt sperrte die pakistanische Regierung den Zugang zur Internetplattform YouTube. Wie am Dienstag in Islamabad verlautete, traf Premierminister Raja Pervez Ashraf die Entscheidung am Vorabend, nachdem sich YouTube geweigert hatte, Ausschnitte des Films zu entfernen. Auch andere islamische Länder haben bereits den Zugang zu dem umstrittenen Video gesperrt.

Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt wandte sich gegen ein Aufführungsverbot. «Das Video ist es nicht wert, dass wir das Recht auf freie Meinungsäußerung kaputtmachen», sagte sie der «Thüringer Allgemeinen» (Dienstag). «Ein Verbot würde nur die, die diesen Schwachsinn zu verantworten haben, zu Opfern stilisieren.» Auch die Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes, Lamya Kaddor, sprach sich gegen ein Aufführungsverbot aus.

Von freier Meinungsäußerung könne keine Rede mehr sein, sagte der Sprecher des Koordinationsrats der Muslime in Deutschland, Ali Kizilkaya, der Berliner Tageszeitung «taz» (Dienstag). Das Video sei eine «tiefgreifende Beleidigung». Auch Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, plädierte für ein Verbot.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CDU) hatte am Montag dafür plädiert, eine Aufführung des Films, der den Propheten Mohammed verunglimpft, mit allen rechtlich zulässigen Mitteln zu unterbinden. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) rieten dazu, ein Verbot zu prüfen.

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