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Mit einer Handsäge wurden die Beine des Jägerstandes von Manfred Eberhardt umgesägt. Der Hochsitz stand unweit der Langenbrander Grillhütte in einem Maisfeld.
Mit einer Handsäge wurden die Beine des Jägerstandes von Manfred Eberhardt umgesägt. Der Hochsitz stand unweit der Langenbrander Grillhütte in einem Maisfeld. © Krauss
23.09.2010

Vandalen haben Jäger im Visier: Hochsitz-Beine angesägt

SCHÖMBERG-LANGENBRAND. Seit kurzem inspiziert Manfred Eberhardt jeden Jägerstand genau, bevor er seinen Fuß auf die Leiter setzt. Der Grund: Bei einem der Hochsitze des Jägers sind jüngst zwei Beine durchgesägt worden.

Der Jägerstand selbst lag bei der Entdeckung der Tat bereits im Maisfeld auf dem Elektrozaun (PZ berichtete). „Das ist schon kein Dummer-Jungen-Streich mehr. Das ist kriminell“, äußert sich der Jagdpächter verärgert und auch ein wenig schockiert.

In solchen Momenten, fragt sich der 44-Jährige: „Warum mach ich das eigentlich noch?“ Schließlich investiere er jede Menge Zeit und auch Geld, um die Jagd auszuüben. „Das ist doch nicht pures Vergnügen. Das Ganze hat doch auch einen Sinn. Die Wildschweinpopulation in der Region hat in den letzten Jahren derart überhand genommen, dass die Tiere bejagt werden müssen, da sie immer wieder große Schäden bei Landwirten anrichteten“ betont er. Für diese Schäden müssen Jagdpächter persönlich aufkommen. „Da gibt es keine Versicherung dafür“, verdeutlicht er. Zwischen 600 und 2000 Euro zahlen die Langenbrander Jagdpächter jährlich für Schäden wie zertretende Getreidefelder, Schneisen in Maisfeldern, aufgewühlte Wiesen.

Kann Spaziergänger gefährenden

Dass es Menschen gibt, die etwas gegen die Jagd haben, kann der Jäger grundsätzlich verstehen. „Doch man könnte ja auch sachlich miteinander diskutieren, anstatt zu Mitteln wie Beschädigung oder Zerstörung zu greifen, die nicht nur Jäger, sondern auch Spaziergänger gefährden“, argumentiert er. Mehrfach wurden in der Vergangenheit in Langenbrand Hochsitze umgeworfen oder beschädigt. Und immer wieder käme es vor, dass Zaunlitzen an- beziehungsweise durchgeschnitten würden. Auch ein Weidezaungerät wurde schon gestohlen.

Vor sieben Jahren hat der Vater zweier Kinder das 400 Hektar große Langenbrander Revier zusammen mit zwei weiteren Jägern zur Pacht übernommen. Damals waren die Wildschweine und auch die Schäden noch nicht so zahlreich. Das Problem des Langenbrander Reviers sieht Eberhardt nun aber nicht nur darin, dass die Anzahl an Wildschweine gestiegen ist, sondern auch in der Tatsache, dass es aus 180 Hektar Wald und 200 Hektar Ackerland besteht. Und diese Felder müssen die Jäger schützen – zum einen durch Zäune, zum anderen durch die Jagd. Der Erfolg beim Abschuss – vier bis sechs Wildschweine pro Jahr - wiege bei weitem den Aufwand nicht auf. Schon allein zum Aufbau der Elektrozäune um zwei Hektar Ackerland waren in diesem Jahr die drei Jäger sechs Stunden beschäftigt. „Von Mai bis Oktober müssen alle zehn Tage die Zäune ausgemäht werden, jeden Morgen werden die Zäune kontrolliert. Das nimmt eine halbe Stunde in Anspruch“, erläutert er. Und auch bis ein Hochsitz stehe, müssten rund 400 Euro für ie Arbeitszeit zweier Männer und das Material gerechnet werden.

Für den 44-Jährigen ist die Jagd mehr als nur das Schießen von Tieren. „Das ist auch Naturschutz .Wir Jäger veranstalten zum Beispiel Waldtage für Schulen und wollen damit den Kindern das Ökosystem Wald nahebringen“, erzählt er. Das Interesse und die Begeisterung der Kinder ist einer der Gründe, weshalb er trotz des Ärgers vorerst weitermacht. Er hofft, dass Spaziergänger und die Langenbrander Bürger künftig die Augen offenhalten. Deswegen hat er auch für Zeugenhinweise zu den angesägten Hochsitzbeinen eine Belohnung von 150 Euro ausgesetzt.