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Italienische Polizei auf dem Petersplatz in Rom: Im Vatikan gibt es mal wieder einen Krimi im geheime Dokumente, einen Butler und den Papst.
Italienische Polizei auf dem Petersplatz in Rom: Im Vatikan gibt es mal wieder einen Krimi im geheime Dokumente, einen Butler und den Papst. © dpa
23.07.2012

"Vatileaks": Hatte verräterischer Kammerdiener des Papstes Komplizen?

In der Enthüllungsaffäre «Vatileaks» könnte der verdächtigte Kammerdiener des Papstes einem Bericht der Zeitung «La Repubblica» zufolge drei Komplizen gehabt haben. Sie arbeiteten alle im Umfeld von Papst Benedikt XVI., schreibt das Blatt am Montag, ohne Quellen zu nennen. Von den vatikanischen Ermittlern verdächtigt würden Benedikts Haushälterin und Beraterin Ingrid Stampa, der deutsche Kurienbischof Josef Clemens sowie der für Papst-Reden verantwortliche italienische Kardinal Paolo Sardi. Sie hätten auch einen vertrauten Umgang mit dem Kammerdiener Paolo Gabriele gehabt. Der Vatikan dementierte den Bericht sofort heftig als unsachlich.

Nicht zufällig würden die drei Mitarbeiter jetzt auf Distanz zum Papst gehalten, meint das Blatt. Ingrid Stampa kümmere sich nicht mehr um die Papiere des Papstes, Benedikt habe geplante Treffen mit Clemens abgesagt und Kardinal Sardi (75) seine Aufgaben in Papstnähe aus Altersgründen niedergelegt.

Vatikan-Sprecher Federico Lombardi bestritt, dass die drei von ihren Aufgaben entbunden worden seien. Im übrigen kopiere der Bericht von «La Repubblica» einen Artikel des deutschen Vatikanisten Paul Badde vom 15. Juli («Welt online») - an manchen Stellen sogar wörtlich.

Von einer Untersuchungskommission gehört zu werden wie die drei Mitarbeiter «bedeutet in keiner Weise, verdächtig zu sein», betonte Lombardi. Schon mehrfach habe er die Berichterstattung der römischen Zeitung über die Affäre dementieren müssen, deren Leser verdienten korrektere Informationen.

Im Kern sei es aus Neid und Eifersucht zu den Enthüllungen geheimer Papiere des Vatikans gekommen, spekuliert das Blatt weiter. Gerichtet habe sich dies gegen den Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone und den Privatsekretär von Joseph Ratzinger, Georg Gänswein.

Der Ende Mai festgenommene Kammerdiener steht seit dem Wochenende nur noch unter Hausarrest. Sollte er wegen Diebstahls päpstlicher Geheimdokumente verurteilt werden, droht dem Vater von drei Kindern eine mehrjährige Haftstrafe. Eine von Benedikt eingesetzte Kommission von Kardinälen, die die Hintergründe der Affäre untersucht, hat ihre Befragungen abgeschlossen und dem Papst berichtet. Der zuständige vatikanische Untersuchungsrichter wird jetzt entscheiden müssen, ob Gabriele wegen schweren Raubes vor Gericht kommen soll oder nicht.

Gabriele habe voll mit den Ermittlern kooperiert, es habe kein Netz von Verschwörern hinter ihm gegeben, hatten seine Anwälte erklärt. Er habe zudem den Wunsch geäußert, den Papst um Verzeihung für seine Taten zu bitten.

Der Kammerdiener soll eine Reihe vertraulicher Dokumente entwendet haben, die dann durch Medien publik wurden. Teils brisante Dokumente waren aus dem Vatikan an die Öffentlichkeit gelangt, so zu einem angeblichen Mordkomplott gegen Benedikt oder zu dem umstrittenen Finanzgebaren der Vatikanbank IOR. Gabriele kann nach Medienberichten mit einem milden Urteil rechnen, Benedikt könnte ihn dann auch begnadigen. dpa