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IHK-Präsidentin Claudia Gläser kennt die Sorgen und Nöte der regionalen Unternehmen. Fotos: Ketterl
Stammgäste beim IHK-Sommerempfang: Michael und Jola Ketterer mit Renate Thost-Stetzler und IHK-Ehrenpräsident Burkhard Thost (von links).
Junge Unternehmer: Matthias Gindele und Philipp Paschen (von links).
12.07.2018

Verantwortung und Zukunft Themen beim IHK-Sommerempfang

Pforzheim. Warmes Sommerwetter vor der Tür, warme Atmosphäre hinter der Tür. Die rund 400 Gäste unterhalten sich gut im Vorfeld des diesjährigen Sommerempfangs der IHK Nordschwarzwald.

Das Foyer des CongressCentrums Pforzheim ist an diesem Donnerstagabend erfüllt von Stimmengewirr, Gläserklirren und Kameraklicken. Es wird gelacht und sich verabredet zu einem „Gläsle Wein“ oder einem „Tässle Kaffee“ – ganz im Sinne von IHK-Präsidentin Claudie Gläser. Denn die betont bei ihrer Begrüßung: „Nutzen Sie die Chance zum gegenseitigen Kennenlernen.“ Das klappt.

Bildergalerie: Rund 400 Gäste beim Sommerempfang der IHK

Doch es ist nicht alles eitel Sonnenschein in der Wirtschaftsregion Nordschwarzwald. Die Stimmung in der Vollversammlung sei „aufgeheizt, wie schon lange nicht mehr“ gewesen, sagt Gläser. Das habe die Realität in der Wirtschaft widergespiegelt. Wegen der immer schwieriger werdenden Personalsuche schauten viele Unternehmen „mit großer Sorge in die Zukunft“.

Mit einem Seitenhieb auf die neue EU-Datenschutzgrundverordnung erntet Gläser einige Lacher im Publikum – nicht nur die vielen Unternehmer im Saal mussten sich in den vergangenen Monaten mit den neuen Gesetzen herumschlagen.

Gläser, die nun seit einem Jahr an der Spitze der IHK steht, kennt die Sorgen der regionalen Wirtschaft gut: „Was fange ich mit vollen Auftragsbüchern an, wenn ich sie wegen Personalmangel gar nicht abarbeiten kann?“ Und: „Vielerorts wird nicht gesehen, wie wir kämpfen müssen – auch gegen den Mythos, dass sich deutsche Unternehmen dumm und dämlich verdienen.“ Zwar zeigten sich zwei Drittel der Unternehmen im kürzlich veröffentlichten IHK-Konjunkturbericht zufrieden mit der Geschäftslage – doch „das ist nur die halbe Wahrheit“, wie Gläser sagt. Neben einem gravierenden Fachkräftemangel sei auch die zunehmende Bürokratisierung ein großes Problem: „Rund 30 Prozent meiner Arbeitszeit gehen dafür drauf, mich mit bürokratischen Hürden auseinanderzusetzen“, sagt die Unternehmerin aus Horb.

Auch auf dem Weltmarkt geht es turbulent zu. „Wir wissen nicht, was einem Donald Trump morgen noch alles einfällt“, sagt Gläser. Und obwohl im Saal gelacht wird, weiß jeder: Das stimmt.

Es folgt der Satz, der in der heutigen Zeit nicht fehlen darf: „Wir müssen die Digitalisierung als Chance begreifen.“ Es gebe „gute Rahmenbedingungen für einen modernen Schwarzwald 4.0“, sagt Gläser. Dennoch betont sie: „Die über Jahrzehnte gewachsene Stärke der regionalen Industrie, vor allem in den Bereichen Maschinenbau und Metallverarbeitung, wird nicht mehr ausreichen, um diese Zukunftsaufgaben zu lösen.“ Dazu müsse die regionale Wirtschaft von Politik und Gesellschaft gehört werden.

Ihre Anliegen fasst Gläser am Ende wiefolgt zusammen: Der Fachkräftemangel bereitet Probleme, es braucht eine qualifizierte Aus- und Weiterbildung, engere Zusammenarbeit von Unternehmertum, Handel und Tourismus sowie unternehmerische Freiräume. Die Frage, wie digitale Herausforderungen gemeistert werden können – übergibt sie dem Festredner.