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Ein verängstigter Mann, nachdem er aus einer Moschee geflüchtet ist. Während der Freitagsgebete hatten Bewaffnete in Kab
Ein verängstigter Mann, nachdem er aus einer Moschee geflüchtet ist. Während der Freitagsgebete hatten Bewaffnete in Kabul eine schiitische Moschee gestürmt. Foto: Massoud Hossaini
25.08.2017

Viele Tote bei IS-Angriff auf Moschee in Kabul

Kabul (dpa) - Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) haben bei der Erstürmung einer voll besetzten Moschee in der afghanischen Hauptstadt Kabul mindestens 20 Menschen getötet.Mindestens 40 Menschen seien verletzt worden, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums, Ismail Kawusi, am frühen Freitagabend (Ortszeit). Die Zahlen könnten noch steigen. Ambulanzen brächten weiterhin Menschen in die Krankenhäuser.

Der sunnitische IS reklamierte die Tat über sein Sprachrohr Amak für sich. In seiner Mitteilung war von zwei Angreifern die Rede, während Polizisten sagten, drei Kämpfer hätten die Moschee gestürmt. Die wird von Schiiten besucht. Anders als in vielen muslimischen Ländern gibt es in Afghanistan keine Geschichte blutiger Fehden zwischen Sunniten und Schiiten. Aber der IS greift seit seinem Aufkommen in Afghanistan Anfang 2015 vermehrt Versammlungen von Angehörigen der mehrheitlich schiitischen Minderheit der Hasara oder deren Moscheen an.

Mehr als vier Stunden nach den ersten Schüssen zur Mittagszeit (Ortszeit) dauerte der Polizeieinsatz noch an. Es sei eine «Aufräumoffensive» im Gange, sagte der Kabuler Polizeisprecher Basir Mudschahid. «Wir wissen nicht, ob die Angreifer tot sind oder sich irgendwo versteckt haben.»

Seinen Informationen nach sind in der Moschee zwei Sprengsätze explodiert. Beobachter hatten aber auf sozialen Medien von weiteren Detonationen berichtet. Der afghanische Journalist Bilal Sarwary twitterte, die Polizei habe eine Seitenwand des Moscheegeländes gesprengt, um Menschen die Flucht zu ermöglichen.

Die Angreifer waren während des Freitagsgebets in die Moschee im normalerweise friedlichen und zentral gelegenen Wohnviertels Chair Chana eingedrungen. Zuerst hatte sich am Tor ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt.

Ein Reporter der «New York Times» berichtete von weinenenden Menschen, die hinter Absperrungen auf Nachricht von Verwandten warteten. Polizisten versuchten, sich mit einer Mini-Drohne über der Moschee einen Eindruck von der Lage zu verschaffen, Sprengstoffsuchhunde seien im Einsatz.

Zuletzt waren Kämpfer des IS Anfang August in eine Moschee in der westafghanischen Stadt Herat eingedrungen und hatten mindestens 50 Menschen getötet und mindestens 80 verletzt. In Kabul hatte der IS zuletzt Mitte Juni eine Schiitenmoschee an einem hohen schiitischen Feiertag angegriffen und vor dem Tor mindestens vier Menschen getötet. Die Täter wurden abgefangen und erschossen, bevor sie in das voll besetzte Innere vordringen konnten. Im November hatte der IS beim Angriff auf eine schiitische Moschee in Kabul um die 30 Menschen getötet und rund 80 verletzt.

Ein verängstigter Mann, nachdem er aus einer Moschee geflüchtet ist. Während der Freitagsgebete hatten Bewaffnete in Kabul eine schiitische Moschee gestürmt. Foto: Massoud Hossaini

Massoud Hossaini