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Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen besucht die Ortschaft Buchenhöhe, hinter ihr Michaela Kaniber, Ernähr
Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen besucht die Ortschaft Buchenhöhe, hinter ihr Michaela Kaniber, Ernährungs- und Landwirtschaftsministerin von Bayern. Foto: Matthias Balk
13.01.2019

«Volle Pulle im Einsatz»

Berchtesgaden/Bad Tölz (dpa) - Eine Woche lang war die Straße nach Buchenhöhe gesperrt. Bäume drohen unter der Schneelast zu brechen.Das Asthmazentrum in dem auf 1000 Metern Höhe gelegenen Ortsteil von Berchtesgaden läuft im Notbetrieb, Mitarbeiter mussten von der Bundeswehr gebracht und abgeholt werden, wie dessen Leiter Christian Hinterbrandner berichtet. Die Bundesverteidigungsministerin ist gekommen. Ursula von der Leyen (CDU) sagt bei ihrem Besuch weitere Hilfe zu.

Sie ist nicht die einzige aus der Politik, die sich derzeit im Katastrophengebiet ein Bild von der Lage macht. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) war am Samstag in Bad Tölz. Vorbei ist das seit Tagen andauernde Schneechaos noch lange nicht. Von Montag an soll es wieder kälter werden.

Auf dem Weg nach Buchenhöhe war zeitweise selbst das Absägen von gefährdeten Bäumen zu gefährlich. Am Sonntagmittag schnitten Soldaten die Straße frei. «Die Straße ist für uns der Dreh- und Angelpunkt», sagt Hinterbrandner. Wenn die Zufahrt nicht rasch freigegeben werde, müsse das Asthmazentrum mit seinen rund 100 chronisch kranken Kindern und Jugendlichen notfalls evakuiert werden - «zumal wir bis Dienstag weiteren Nassschneezuwachs von bis zu einem halbem Meter erwarten».

Am späten Sonntagnachmittag, kurz nach dem Besuch der Verteidigungsministerin, dann kurzes Aufatmen: Die Straße ist laut Bürgermeister Franz Rasp (CSU) endlich freigegeben. Zuerst hatte der Bayerische Rundfunk darüber berichtet. Wie lange sie offen bleibt, wird sich zeigen - denn es schneit weiter. Die Internatsschüler der CJD-Christophorusschule in Buchenhöhe seien nach Hause geschickt worden, sagt Hinterbrandner, der auch Leiter des Christlichen Jugenddorfwerks Deutschland (CJD) in Bayern ist.

«Das ist eine ausgesprochen schwierige Lage», sagt von der Leyen bei ihrer Stippvisite. Begleitet wird sie von Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU). Die Helfer seien unermüdlich im Einsatz. «Das ist ein schwerer Kampf gegen diese wuchtigen Schneemassen, insbesondere wenn sie jetzt durch den Regen noch zusätzlich belastet sind.» Neben den Gebirgsjägern und Sanitätern sei auch die Luftwaffe im Einsatz. Zudem habe die Bundeswehr kontrollierte Lawinensprengungen vorgenommen. «Die Bundeswehr bleibt so lange, wie sie gebraucht wird», sagt die Verteidigungsministerin.

Ein ähnliches Bild gewinnt am Samstag Ministerpräsident Söder bei seinem Besuch im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen. «Die größte Herausforderung der nächsten Tage wird die Dächerlast sein», betont er. Die Einsatzkräfte seien «sehr, sehr besorgt». Und: «Es gibt keinen Anlass zur Panik, aber schon zu ernster Besorgnis.» 500 zusätzliche Bereitschaftspolizisten sollen helfen, der Lage in den verschneiten Katastrophenregionen Herr zu werden. Insgesamt sind nach Söders Angaben 5000 Kräfte in Südbayern «volle Pulle im Einsatz». Bei Bedarf sollen weitere in Bewegung gesetzt werden.

Als Söder zur Straßenmeister in Wolfratshausen kommt, sind Polizei, Feuerwehr und Bundeswehr auf dem Gebäude im Einsatz - und die Bergwacht, die die Schaufelnden mit Seilen sichert. Mit bis zu 90 Kilogramm pro Quadratmeter drückt der Schnee auf das Dach, 115 Kilo hält es aus. Vor dem Gebäude steht das Rote Kreuz - für den Fall, dass das mit dem Sichern mal nicht klappt.

47 Räumungseinsätze dieser Art laufen zur gleichen Zeit noch anderswo im Landkreis, wie Landrat Josef Niedermaier sagt. Er trägt eine Warnweste mit der Aufschrift «Katastrophenschutz» - in seinem Kreis gilt der Katastrophenfall. Auch vier weitere Landkreise in Bayern haben Katastrophenalarm ausgelöst. Öffentliche Gebäude wie Kindergärten und Turnhallen werden geräumt, letztere vor allem für den Fall, dass Unterkünfte für mehr Einsatzkräfte benötigt werden.

Landrat Niedermaier sagt, eine solche Wetterlage habe es zuletzt 2006 gegeben. Das war das Jahr, in dem die Eishalle in Bad Reichenhall einstürzte. Bis Dienstag werde der Katastrophenfall wohl dauern, sagt Niedermaier. «Und dann hoffe ich, dass irgendwann der Schnee runterkommt von den Dächern und Bäumen und es wieder normal wird.»