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Eltern aufgepasst: Beim Grillen können sich Kinder schnell verbrennen.
Eltern aufgepasst: Beim Grillen können sich Kinder schnell verbrennen. © Fotolia
02.07.2014

Vorsicht in der Grillsaison!

Jährlich verbrennen oder verbrühen sich in Deutschland rund 6000 Kinder so stark, dass sie in einem Krankenhaus behandelt werden müssen. Das geht aus Erhebungen von Paulinchen e.V., der Initiative für brandverletzte Kinder, hervor. Überdies müssen mehr als 30 000 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren Schätzungen zufolge ärztlich behandelt werden.

Die wirkungsvollste Maßnahme in der Verbrennungsmedizin ist daher die Vorbeugung und Verhinderung. „Verbrühungen und Verbrennungen sind die zweithäufigste Ursache für Unfälle bei Kleinkindern im Alter zwischen einem und vier Jahren, die im Haushalt passieren „Bei Kindern, vor allem bei kleineren, überwiegen die Verbrühungen durch heiße Flüssigkeiten. Betroffen sind hierbei vor allem Gesicht, Hals und Oberkörper durch das Herabziehen von mit heißer Flüssigkeit gefüllten Behältnissen“, erklärt Dr. Thomas Ringle, Chefarzt der Klinik für Kinderchirurgie am Klinikum Pforzheim. Ältere Kinder hingegen verletzen sich eher beim Experimentieren oder Spielen mit Feuer oder Strom. Gerade jetzt im Sommer mit verstärkten Freizeitaktivitäten im Freien und vor allem beim Grillen oder Verweilen am Lagerfeuer bestehen weitere besondere Gefahrenquellen.

Im Gegensatz zu Erwachsenen gibt es bei Kindern einige Besonderheiten, die in der Beurteilung der Ausdehnung und der Tiefe der Verletzung berücksichtigt werden müssen. Bereits etwa 52 Grad heißes Wasser schädigt die Haut so sehr, dass Brandblasen entstehen können. „Der Inhalt einer Tasse heißer Flüssigkeit genügt, um bis zu 30 Prozent der Körperoberfläche eines Säuglings oder Kleinkindes zu verbrühen“, verdeutlicht Ringle die Gefahr für Kinder. Als Sofortmaßnahmen steht neben der umgehenden Beseitigung der Gefahrenquelle vor allem die Entfernung der heißen Kleider vom Körper an erster Stelle. Damit die ersten Hilfsmaßnahmen auch durchgeführt werden können, sollte stets der Selbstschutz beachtet werden.

Ist die Verletzung klein, genügt es in der Regel, mit Leitungswasser zu kühlen. Unter Fachleuten wird die Wirkung der Kühlung von Brandwunden auf das Ausmaß der Hautschäden durchaus umstritten diskutiert. „Ein sicherer Effekt der Kühlung ist die Schmerzstillung. Es besteht jedoch die Gefahr, durch die Kaltwasserbehandlung Durchblutungsstörungen in der Wunde zu verursachen, die zu einer Verschlechterung oder gar Vertiefung der Hautschädigung führen können“, erläutert Chefarzt Ringle. Daher sollten Verbrennungswunden nicht zu kalt und nicht zu lange gekühlt werden. Bewährt hat sich die sogenannte 20er-Regel. Diese besagt, eine Verbrennung oder Verbrühung mit 20 Grad warmem Wasser maximal 20 Minuten zu kühlen. „Nach mehr als 20 Minuten ist eine Kühlung nicht mehr sinnvoll.“

Um eine Unterkühlung des Kindes zu vermeiden, empfiehlt sich, dass nach jeder Kühlung die feuchte Kleidung entfernt sowie das Kind warm und trocken eingepackt wird. „Wegen der Auskühlungsgefahr sollte bei kleinen Kindern mit größeren Verbrennungsflächen auf eine Kühlung sogar verzichtet werden. Die Wunden können dann mit im besten Fall sterilen oder sauberen Abdecktüchern, wie sie beispielsweise im Haushalts- oder Verbandskasten des Autos zu finden sind, zugedeckt werden“, rät Ringle.

Gründe zur stationären Aufnahme in der Kinderchirurgie ergeben sich aus der Größe der betroffenen Körperoberfläche, der Tiefenausdehnung der Verletzung, den betroffenen Körperregionen oder aus dem Alter des Patienten (siehe auch Text „Mehrere Stufen“ auf dieser Seite). Ab einer Verbrennungsfläche von acht Prozent ist zum Beispiel bei Kindern eine Infusionstherapie notwendig. Schwerverletzte Patienten mit großflächigen Wunden werden in Verbrennungszentren verlegt.

Info:
Bei Fragen oder Problemen zu diesem Thema können Sie sich an die Klinik für Kinderchirurgie am Klinikum Pforzheim wenden (Telefon 07231/969-2742) .