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Wer seine Stimme nicht im Wahllokal abgeben mag - aus welchen Gründen auch immer -, kann auf Antrag bereits vor der Wahl
Wer seine Stimme nicht im Wahllokal abgeben mag - aus welchen Gründen auch immer -, kann auf Antrag bereits vor der Wahl per Brief abstimmen. Foto: Arno Burgi
22.09.2017

Wahl-ABC: Vom aktiven Wahlrecht bis zur Zweitstimme

Berlin (dpa) - Ein Wahl-ABC vor der Bundestagswahl am 24. September.A wie AKTIVES WAHLRECHT: Wer mindestens 18 Jahre alt ist und einen


deutschen Pass hat, darf wählen. Mit ihren beiden Stimmen entscheiden


die Wähler und Wählerinnen über die Zusammensetzung des Bundestages.


Um als Abgeordneter gewählt zu werden, muss man ebenfalls mindestens


18 Jahre alt sein.

B wie BRIEFWAHL: Wer seine Stimme nicht im Wahllokal abgeben mag -


aus welchen Gründen auch immer -, kann auf Antrag bereits vor der


Wahl per Brief abstimmen. Bei der Wahl 2013 machte fast jeder


Vierte davon Gebrauch.

D wie DIÄTEN: Erfolgreichen Kandidaten winkt eine üppige Bezahlung.


Als Abgeordnete erhalten sie derzeit monatlich eine steuerpflichtige


«Aufwandsentschädigung» von 9542 Euro. Hinzu kommt eine steuerfreie


Kostenpauschale von 4318 Euro, die nicht belegt werden muss. Auf


Kosten des Steuerzahlers geht auch eine beitragsfreie


Altersversorgung.

E wie ELEFANTENRUNDE: Am Wahlabend debattieren die Vorsitzenden der


Bundestagsparteien im Fernsehen das Ergebnis. TV-Geschichte schrieb


die turbulente «Berliner Runde» 2005, die von Journalisten von ZDF und ARD moderiert wurde. Kanzler Gerhard Schröder (SPD) wollte seine


Niederlage nicht eingestehen.

F wie FÜNF-PROZENT-HÜRDE: Bei der Sitzverteilung werden nur Parteien


berücksichtigt, die mindestens fünf Prozent der gültigen Zweitstimmen


erreicht haben - es sei denn, sie erobern drei oder mehr


Direktmandate (Grundmandate). Die Stimmen für die an der Hürde


gescheiterten Parteien gehen verloren. So 2013 die der FDP, die mit


4,8 Prozent erstmals nicht in den Bundestag einzog.

G wie GEHEIME WAHL: Niemand soll erkennen oder kontrollieren, wie


jemand wählt. Dazu dient etwa die Wahlkabine. Dort ist das


Fotografieren und Filmen ausdrücklich verboten.

H wie HOCHRECHNUNG: Im Verlauf des Wahlabends liefern amtliche


Teilergebnisse Hinweise auf den Ausgang. Im Unterschied zu


Hochrechnungen beruhen die zuvor um Punkt 18 Uhr verbreiteten


Prognosen auf der Befragung von Wählern.

J wie JUNGWÄHLER: Rund drei Millionen junge Leute dürfen erstmals den


Bundestag wählen. 2013 machten sich nur etwa 60 Prozent


die Mühe. Den größten Rückhalt bei den Jungwählern fand die Union,


gefolgt von der SPD. Auch die Grünen wurden zweistellig.

K wie KOSTEN DER WAHL: Der Bund erstattet den Ländern für deren


Gemeinden Kosten etwa für Porto und «Erfrischungsgeld» für


Hunderttausende Wahlhelfer. In diesem Jahr werden schätzungsweise 92


Millionen Euro fällig.

M wie MEINUNGSMASCHINEN: Die sogenannten Social Bots können in den


sozialen Netzwerken menschliche Nutzer simulieren, etwa zur


politischen Stimmungsmache. Bei den vergangenen Präsidentenwahlen in


den USA sorgten die Meinungsroboter für Irritationen.

N wie NICHTWÄHLER: Bei der Wahl 2013 blieben 17,6 Millionen


Wahlberechtigte zu Hause, zuvor waren es mehr als 18 Millionen.

O wie ONLINE-WAHLKAMPF: Über eigene Webseiten und Angebote in


sozialen Medien verbreiten die Parteien ihre Botschaften. Wie


herkömmlich auf Plakaten und Veranstaltungen setzen sie auch hier auf


ihr Spitzenpersonal.

P wie PARTEIENDEMOKRATIE: Die Parteien bestimmen selbst, wer auf


ihren Listen kandidiert. Die für vier Jahre gewählten Abgeordneten


entscheiden dann stellvertretend für die Bürger über wichtige


Angelegenheiten.

R wie RECHTE VON BEHINDERTEN: Wer nur in einigen Dingen einen


Betreuer braucht, darf wählen. Wer aber «in allen Angelegenheiten»


betreut werden muss, darf das nicht. Das gilt auch für psychisch


kranke Straftäter.

S wie SPITZENKANDIDATEN: Mit ihnen ziehen die meisten Parteien in den


Wahlkampf, um ein persönliches Gesicht zu präsentierten. Beide


Unionsparteien treten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als


Kanzlerkandidatin an, bei der SPD ist Parteichef Martin Schulz der


Frontmann. Linke und Grüne haben jeweils eine Doppelspitze.

T wie TV-DUELL: Hier erlebten die Zuschauer der vier großen


Fernsehsender ARD, ZDF, RTL und Sat.1 Kanzlerin Merkel und


Herausforderer Schulz live im direkten Vergleich. Ein von Schulz gefordertes zweites Duell lehnte Merkel ab. Seit 2002 zählen die


Fernsehduelle zu den Höhepunkten des Wahlkampfs.

Ü wie ÜBERHANGMANDATE: Sie entstehen, wenn eine Partei in einem


Bundesland mehr Erststimmenmandate gewinnt, als ihr nach Zweitstimmen


zustehen. Seit 2013 werden für Überhangmandate sogenannte


Ausgleichsmandate vergeben. So entspricht die Zahl aller Sitze im


Bundestag wieder dem Anteil der Zweitstimmen.

U wie UNGÜLTIGE STIMMEN: Wer etwa mehrere Parteien ankreuzt oder


Bemerkungen auf dem Stimmzettel macht, wählt ungültig. Das gilt auch


für Menschen, die gar nichts ankreuzen. Einfluss auf das Wahlergebnis


hat das alles keinen. Allerdings werden ungültige Stimmen bei der


Wahlbeteiligung mitgezählt.

W wie WAHLBETEILIGUNG: Sie zeigt, wie viele an die Urnen gegangen


sind oder per Brief abgestimmt haben. Zuletzt waren es nur gut 71


Prozent. Weil keine Mindestzahl vorgeschrieben ist, wäre eine Wahl


auch gültig, wenn 99 Prozent der Wahlberechtigten zu Hause blieben.

Z wie ZWEITSTIMME: Sie wird auf der rechten Hälfte des Stimmzettels


für die sogenannte Landesliste einer Partei angekreuzt. Nur die Zahl


dieser Stimmen ist für die Sitzverteilung im Bundestag


ausschlaggebend. Die Erststimme entscheidet über die Direktkandidaten


in den 299 Wahlkreisen.