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11.03.2008

Was siehst du?

Wer Geschichte oder Gemeinschaftskunde als Neigungsfach hat, der kennt sich jetzt besonders gut aus und kann ein Lied davon singen: Die obligatorische, über alles geliebte Karikatur!

Heute habe ich meine letzte Klausur in Geschichte geschrieben und da war sie natürlich wieder dabei, ganz oben: Dieses unerkenntlich gekritzelte Comicbildchen, das weitreichende Aussagen über das Geschehen zur Zeit der Wende darstellen soll. Ist ja schön und gut, wenn Leute im Zeichnen der damaligen Zeitgenossen begabter sind als ich, aber muss er damit dann die armen Schüler quälen?! Denn das Problem ist: Man erkennt Striche und Linien und dunkel und hell, aber was das für Personen sind, geschweige denn, was die da machen, das bleibt uns wohl für immer verborgen...

Tja, und dann sitzt man da so in der Klausur und alles scheint von diesem Bildchen auf deinem Blatt abzuhängen. Was also tun? Raten! Man muss nämlich wissen, dass Schüler als Zweitberuf immer Märchenerfinder sind. So wird also munter drauf los geraten, aus unbedeutenden Männchen werden einflussreiche Politiker und über allem schwebt ihr drohendes Schicksal. Ich glaube, da macht es als Lehrer sicher Spaß, die „Interpretationen“ zu lesen...

Noch mehr werden die Lachmuskeln der Lehrkraft sicher in Gemeinschaftskunde gefordert. Da ist seit geraumer Zeit immer eine kleine Prüfung des Allgemeinwissens Bestandteil der Klausur. Wer also fleißig Nachrichten guckt und Zeitung liest, ist da gut dabei. Denkste! Die Fragen sind mitunter so komplex und knifflig, dass wieder einmal die Märchen gefragt sind. Gerade, wenn man dem Bild eines Politikers den richtigen Namen zuordnen soll. Da ziehen dann die Schüler alle Register und aus dem harmlosen Olaf Scholz wurde im Handumdrehen Franz Müntefering oder gar Ban Ki Moon. Wenn man überhaupt wusste, wer denn das noch mal war...

Allgemein hat man eine fifty-fifty Chance. Entweder genau richtig oder absolut daneben. Da hoffe ich doch mal, dass ich in Geschichte das erste getroffen habe...