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Echte Reue oder Berechnung? Ein brutaler Knastbruder hat einem anderen Gefängnisinsassen wegen eines Streits um eine Gurke mit einer Rasierklinge das Gesicht zerschnitten. Vor Gericht hat er sich jetzt entschuldigt.
Echte Reue oder Berechnung? Ein brutaler Knastbruder hat einem anderen Gefängnisinsassen wegen eines Streits um eine Gurke mit einer Rasierklinge das Gesicht zerschnitten. Vor Gericht hat er sich jetzt entschuldigt. © dpa
11.01.2012

Wegen Gurke Gesicht zerschnitten: Täter entschuldigt sich

Berlin. Nach einem Streit um ein zu kleines Stück Gurke hatte ein Häftling einem Mitgefangenen das Gesicht mit einer Rasierklinge zerschlitzt - eineinhalb Jahre später entschuldigte er sich vor Gericht bei seinem Opfer. Der 22 Jahre alte Angeklagte gab am Mittwoch beim Prozessauftakt am Berliner Landgericht die Körperverletzung zu. Die 20 Zentimeter lange Wunde musste genäht werden. Die Narbe des 25-jährigen Mechanikers ist bis heute sichtbar.

Im Juni 2010 hatte der Mechaniker in der Berliner Jugendstrafanstalt Plötzensee das Essen verteilt. Dabei habe es Streit um die Gurke gegeben - ein lächerlicher Anlass, wie der Angeklagte am Mittwoch selbst einräumte. Die Sache sei vier Wochen später hochgekocht: In einer Haftzelle hätten sich die Kontrahenten angebrüllt, der Mithäftling habe ihn getreten, erklärte der wegen versuchten Mordes zu fünf Jahren Haft verurteilte Angeklagte. «Ich war so unglaublich wütend, ich hatte mich nicht mehr im Griff», erklärte der angelernte Elektriker.

Nach Einschätzung des Verletzten war die Gurke nur der Auslöser. Der Angeklagte habe ihm zeigen wollen, «dass er ein ganz Großer ist», so der 25-jährige Zeuge im Prozess. Der Mithäftling habe sich offenbar in seinem Stolz angegriffen gefühlt. Mitangeklagt ist der Onkel des 22-Jährigen. Er soll versucht haben, einen Zeugen zu beeinflussen, damit dieser vor Gericht zugunsten des Neffen lügt. dpa