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Der angeblich drohende Weltuntergang lockt mehr Angsthasen aus ihren Schlupflöchern als gedacht. © Koch
18.12.2012

Weltuntergang: Keller sind nicht die einzige Option

Es gibt sie wirklich: Menschen, die so sehr an den angeblich drohenden Weltuntergang am 21. Dezember glauben, dass sie Essen horten, Batterien einkaufen, ihre Keller zum Wohnzimmer umgestalten und permanent für ihr Seelenheil beten. Wer keinen Keller hat, findet im Elsass Unterschlupf. Dort öffnet am Donnerstagabend für alle Ängstlichen extra ein Bunker seine Türen.

Bildergalerie: Vorbereitungen für den Weltuntergang

Dann gibt es für 7 Euro eine fröhliche Führung durch die Bunkeranlagen und leckeren Glühwein. So lässt sich ein Weltuntergang besser ertragen. Blöde nur, wenn die Apokalypse um 3 Uhr nachts noch in vollem Gange ist. Denn um diese Uhrzeit endet die Veranstaltung.

Dann sich doch lieber im eigenen Keller verbarrikadieren. Im sibirischen Tomsk finden extra hierfür «Notfallsets» für 22 Euro mit haltbaren Lebensmitteln, Kerzen und Seife reißenden Absatz. Auch Schnaps ist sehr beliebt, der sorgt für einen guten Schlaf.

In Argentinien denken einige erst gar nicht daran, dass sie die Apokalypse überleben könnten. Deshalb bereiten sie sich auch nicht vor, sondern suchen einen Ort, an dem sie sich kollektiv umbringen können. Aus diesem Grund musste der mystische Berg Cerro Uritorco in der argentinischen Provinz Cordobá gesperrt werden. Laut Mystikern hat der Berg starke energetische Kräfte, weshalb sich dort oft Tausende Menschen versammeln, um an Meditationsgruppen teilzunehmen oder um UFOs zu suchen, die dort landen sollen.

Nun wurde über das Internet zu einem Massenselbstmord in der Nacht zum 21. Dezember aufgerufen. Vermutlich um der Apokalypse zu entfliehen. Wie das durch einen Selbstmord gehen soll, haben diese Verrückten nicht erklärt. Ob die Suche nach einem neuen hoch-energetischen Ort für das kollektive Selbstentleiben weitergeht, ist nicht bekannt.

Ein Geheimtipp für diejenigen, die für einen Selbstmord nicht den Mumm haben, ist ein kleines Dorf in Ghana, das als einziger Ort vor der Apokalypse bewahrt werden soll. Mutter Erde wird also vom Feuer verschlungen, von starken Winden gebeutelt, von Aliens übernommen, die Menschheit quasi ausgelöscht – und das kleine Dorf in Ghana bleibt verschont. Wie bei Asterix und Obelix.

Wem die Reise nach Afrika von hier aus zu weit ist, kann noch schnell nach Frankreich fahren. Nahe der Pyrenäen gibt es den Berg Pic de Bugarach, der Rettung verspricht. Allerdings kann die Reise umsonst sein: Die Startbahn für außerirdische UFO´s, die sich unter dem Berg befinden soll, nimmt nur Auserwählte mit ins All. Ich habe leider noch keine Einladung erhalten. Geschweige denn ein Zeichen vom Himmel.

In China ist letzten Freitag ein verwirrter 36-Jähriger – angeblich aus Angst vor dem Weltuntergang – durchgedreht und hat 23 Schüler einer Grundschule mit einem Messer attackiert. Nur warum verfrüht? Hat er sich etwa im Datum geirrt? Und verpasst er jetzt den Weltuntergang in der Psychiatrie?

Außerdem weiß doch nun inzwischen wirklich jeder, dass die drohende Apokalypse eine wahnhafte Ausgeburt abergläubischer Esoteriker war, durch die sich nun die halbe Welt verrückt macht. Noch einmal für alle, die sich fragen, ob es sich noch lohnt, den Weihnachtsbaum zu schmücken: im Maya-Kalender steht nichts von einem Weltuntergang, es beginnt lediglich eine neue Zeitrechnung. Und das passiert nicht zum ersten Mal.

Das scheinen manche allerdings bewusst zu ignorieren: Sie reißen aus Aberglaube und Spinnerei vorsichtshalber das Kalenderblatt vom 21. Dezember aus dem Kalender. Als würde das eine echte Apokalypse abwenden können. Die kommt früher oder später so oder so. Nur das Jahr ist noch ungewiss.