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Youtuber Lukas Zeidler steht mit seiner Kamera vor einem Löschfahrzeug an der Münchner Feuerwache 1. Der 22-Jährige aus dem Raum München filmt Feuerwehr- und Polizeifahrzeuge auf Einsatzfahrten.
Youtuber Lukas Zeidler steht mit seiner Kamera vor einem Löschfahrzeug an der Münchner Feuerwache 1. Der 22-Jährige aus dem Raum München filmt Feuerwehr- und Polizeifahrzeuge auf Einsatzfahrten. © dpa
12.05.2018

Wenn das Tatütata losgeht - der Kick des Wartens

Manchmal dauert es Stunden, bis der richtige Moment gekommen ist. Und manchmal kommt er gar nicht. Freude und Frust liegen nahe beieinander, wenn Lukas Zeidler wieder einmal mit seiner Kamera unterwegs ist - immer bereit, draufzuhalten und neues Material einzufangen. Neues Material, das sind Aufnahmen von Feuerwehr- und Polizeifahrzeugen im Einsatz.

Der 22-Jährige aus dem Raum München filmt sie beim Ausrücken aus der Wache, wenn sie mit Blaulicht und Martinshorn über die Straße brausen, wann immer er die Gelegenheit hat. Nur nicht dort, wo es tatsächlich brennt. Er sei kein Gaffer, betont er. Und er wolle die Feuerwehrleute auf keinen Fall bei der Arbeit behindern.

Mehr als 40 000 Menschen haben seinen Kanal «Firescue112» auf der Video-Plattform Youtube abonniert. Er hat damit ein vergleichsweise großes Publikum - und verdient mit seinem Hobby deshalb auch Geld. «Die Höhe liegt in etwa bei der eines klassischen Nebenjobs», sagt Zeidler. Doch auch seine Konkurrenz kann sich sehen lassen. Bei Youtube finden sich Videos von Polizei- und Feuerwehrfahrzeugen aus dem gesamten Bundesgebiet.

Der Kanal «EnjoyFirefighting» etwa zählt knapp 30 000 Abonnenten und sammelt Videos aus verschiedenen deutschen Städten, aber auch aus Metropolen wie dem norwegischen Oslo oder der dänischen Hauptstadt Kopenhagen sowie aus den USA. Der Kanal gehört dem 26-jährigen Rettungsassistenten Paul Frenzel, der seinen Job unter anderem in Ostfriesland gelernt hat und nun in Freising bei München lebt.

Daneben gibt es noch zahlreiche kleinere Kanäle. Lukas Zeidler arbeitet zusammen mit seinem Patenonkel aus Lüneburg - und hat vor kurzem noch Verstärkung von einem Gleichgesinnten aus Nordrhein-Westfalen bekommen. «Die Szene ist deutlich gewachsen», ist sein Eindruck. Das sagt auch Paul Frenzel: «Es gibt mittlerweile viele neue Filmer, so dass man schon den Überblick verliert.»

Leute wie die beiden jungen Männer sind Jan Saurer von der Münchner Feuerwehr schon mehrfach aufgefallen. Für problematisch hält er sie aber nicht. «Wir sind deswegen nicht eingeschränkt», sagt er. «Ich sehe das eher als Wertschätzung für unseren Job.» Bilder von den Einsätzen selbst zu machen, das sei eine ganz andere Qualität.

Ähnlich sieht es der Deutsche Feuerwehrverband. «Wenn sich die Leute auf Kreuzungen oder gegenüber von Wachen stellen, sehe ich kein Problem dabei», sagt Sprecherin Silvia Darmstädter. Sie müssten aber darauf achten, dass keine Persönlichkeitsrechte verletzt werden. Und: «Es wäre uns lieber, wenn sich Leute mit Begeisterung für Blaulicht engagieren würden.»

Zeidler tut das. Seit rund zehn Jahren ist er bei der Freiwilligen Feuerwehr. Dort wuchs auch seine Faszination für Einsatzfahrzeuge und deren Technik. Während Mitschüler nachmittags Computer spielten, schaute Zeidler zuhause Youtube-Videos von Feuerwehrwagen.

«Da habe ich mir gedacht: Das würde ich auch ganz gerne mal machen», erzählt er. Vor sechs Jahren stand er erstmals vor einer Wache in München, um selbst zu filmen. «Dann bin ich auf den Geschmack gekommen.» Heute ist er zumeist an Samstagen und nach Feierabend mit seiner Kamera unterwegs. «Manchmal nehme ich mir auch einen Tag frei, weil unter der Woche mehr los ist.»

Allerdings gibt es auch Tage, an denen gar nichts passiert. «Mehr als genug» sogar, sagt Zeidler. Einmal sei er samstags nach Ingolstadt gefahren - er wolle seinem Publikum ja etwas bieten und dazu gehörten nicht nur Videos von ungewöhnlichen Fahrzeugen, sondern auch Aufnahmen aus anderen Städten. Nach acht Stunden vor Ort habe er immer noch nichts im Kasten gehabt. «Man kann auch sagen, das Hobby ist eine Anleitung zum Frustriertwerden.»

Wie er sich dann motiviert weiterzumachen? «Im nächsten Augenblick kann es ja schon losgehen!» Das bedeute aber nicht, dass er ständig darauf hoffe, dass sich irgendwo eine Katastrophe ereignet. «Im Idealfall bekommen wir viel zu filmen, aber nichts passiert.»

Schwarze Schafe gibt es aber auch unter den Blaulichtfilmern. So gebe es Leute, die absichtlich bei der Feuerwehr anrufen und falsche Alarme auslösen - nur um etwas vor die Kamera zu bekommen, erklärt Paul Frenzel. «Davon distanziere ich mich klar.»