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Wenn junge Menschen zwischen 15 und 35 über Rückenschmerzen klagen, kann sich dahinter allerdings eine ebenso ernstzunehmende wie häufig lange unerkannte Erkrankung verbergen: Morbus Bechterew oder Spondylitis ancylosans, wie das Leiden in der Fachsprache heißt.
Wenn junge Menschen zwischen 15 und 35 über Rückenschmerzen klagen, kann sich dahinter allerdings eine ebenso ernstzunehmende wie häufig lange unerkannte Erkrankung verbergen: Morbus Bechterew oder Spondylitis ancylosans, wie das Leiden in der Fachsprache heißt. © Fotolia
Wenn junge Menschen zwischen 15 und 35 über Rückenschmerzen klagen, kann sich dahinter allerdings eine ebenso ernstzunehmende wie häufig lange unerkannte Erkrankung verbergen: Morbus Bechterew oder Spondylitis ancylosans, wie das Leiden in der Fachsprache heißt.
Wenn junge Menschen zwischen 15 und 35 über Rückenschmerzen klagen, kann sich dahinter allerdings eine ebenso ernstzunehmende wie häufig lange unerkannte Erkrankung verbergen: Morbus Bechterew oder Spondylitis ancylosans, wie das Leiden in der Fachsprache heißt. © Fotolia
23.12.2016

Wenn hinter Rückenschmerzen mehr steckt

Rückenschmerzen sind weit verbreitet. Aktuellen Schätzungen zufolge leiden etwa 40 Prozent der Deutschen dauerhaft unter Rückenschmerzen. Verspannungen, Fehlhaltungen, Bewegungsmangel und Übergewicht sind die häufigsten Ursachen. Wenn junge Menschen zwischen 15 und 35 über Rückenschmerzen klagen, kann sich dahinter allerdings eine ebenso ernstzunehmende wie häufig lange unerkannte Erkrankung verbergen: Morbus Bechterew oder Spondylitis ancylosans, wie das Leiden in der Fachsprache heißt.

Erste Anzeichen für eine ernstzunehmende Erkrankung

Morbus Bechterew ist eine chronisch-entzündliche, rheumatische Erkrankung, die ihren Ursprung in einer Fehlsteuerung des Immunsystems hat. Sie verläuft schubweise und verursacht Schmerzen im unteren Rücken und im Gesäß. Typisch sind zu Beginn der Erkrankung Schmerzen, die abwechselnd rechts und links auftreten. In Ruhe verschlimmern sich die Symptome, was dazu führt, dass die Betroffenen häufig morgens unter Schmerzen aufwachen. Nach dem Aufstehen ist die Bewegungsfähigkeit eingeschränkt – erst Bewegung lindert den Schmerz und fördert die Beweglichkeit. Auch Fersenschmerzen, die durch eine Entzündung der Sehnenansätze entstehen, können ein Hinweis auf Morbus Bechterew sein.

Diagnose im Durchschnitt erst nach sieben bis neun Jahren

Unter Morbus Bechterew leiden etwa 350.000 Menschen in Deutschland. Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen – da bei Frauen der Verlauf meist etwas milder ist, dauert es im Durchschnitt neun Jahre bis zur korrekten Diagnose. Bei Männern vergehen im Schnitt immerhin sieben Jahre. Mit Fortschreiten der Erkrankung nehmen die Bewegungseinschränkungen zu. Bei einigen Patienten kommt es zu einer Verformung oder Versteifung der Wirbelsäule, bei anderen stehen die entzündungsbedingten Schmerzen im Vordergrund. Neben den kleinen Gelenken der Wirbelsäule können auch weitere Gelenke in Mitleidenschaft gezogen werden.

Bei Verdacht auf Morbus Bechterew sollten die Betroffenen einen Rheumatologen aufsuchen – er ist Spezialist für chronisch-entzündliche, rheumatische Erkrankungen. Neben den Symptomen kann auch ein MRT Hinweise auf Morbus Bechterew geben: Mit der Magnetresonanztomografie lassen sich die Entzündungen im Kreuzbein-Darmbein-Gelenk schon relativ früh nachweisen. Ein zusätzlicher Hinweis auf Morbus Bechterew kann das Protein HLA-B27 im Blut des Patienten sein.

Bewegung und Medikamente verlangsamen das Fortschreiten

Die Behandlung von Morbus Bechterew hat zwei wichtige Säulen: Krankengymnastik beziehungsweise Bewegungstherapie sowie die medikamentöse Behandlung. Wichtig ist, dass die Betroffenen regelmäßig krankengymnastische Übungen durchführen und kontinuierlich an einer Bewegungstherapie in speziellen Morbus-Bechterew-Therapiegruppen teilnehmen.

Bei der Behandlung mit Medikamenten kommen zuerst kortisonfreie Medikamente wie Diclofenac zum Einsatz, die Schmerzen und Entzündungen lindern. Sind während eines Schubs die Entzündungen sehr ausgeprägt, kann der Arzt auch Kortison direkt in die schmerzenden Gelenke spritzen. Um das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten, wird eine Basistherapie mit sogenannten „Disease-modifying anti-rheumatic drugs“ durchgeführt.

Sollten diese Maßnahmen nicht ausreichend wirken, gibt es die Möglichkeit der Behandlung mit Biologika. Diese biotechnologisch hergestellten Eiweißstoffe greifen direkt in die Immunregulation ein und blockieren die für die Entzündungsreaktion verantwortlichen Moleküle. Der Wirkstoff Secukinumab ist seit November 2015 zur Behandlung von Patienten mit Morbus Bechterew zugelassen, bei denen eine konventionelle Behandlung nicht ausreichend wirkt. Die Erkrankung ist bisher zwar nicht heilbar, kann aber mit diesem neuen Wirkstoff sehr gut behandelt werden. Umfangreiche Informationen zu Morbus Bechterew finden Sie bei der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew e.V.