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29.02.2008

Wer rastet, der rostet!

Wie gut, wenn man Freunde hat, die einen zu vermeintlich verrückten Ideen anstiften! Von allein wäre ich nie auf den Gedanken gekommen, einmal mein „reifes“ Sportlerglück ausgerechnet in einem Fitness-Studio zu suchen.

Mein selbsternannter Gesundheitscoach, sprich Ehemann, hat meine Turn- und Tennistermine leider haargenau im Kopf. So heißt es Dienstags und Freitags früh, wenn er sich an der Haustür verabschiedet nicht wie sonst: „ Tschüss, bis heute abend!“, sondern stattdessen kurz und streng: „Na, geht's gleich in die Muckibude?“

Seit ein paar Jahren versuchen meine Freundin und ich es ja auch, möglichst zweimal pro Woche dort hin zu gelangen, aber fatalerweise klappt es meist doch nur einmal. Glücklicherweise hatten wir in weiser Voraussicht den preisgünstigeren, zeitlich eingeschränkten Vertrag abgeschlossen. Das heißt, wir dürfen nur bis zum frühen Nachmittag kommen, was uns sehr recht ist. Morgens fühlt frau sich dort auch jünger und frischer zwischen den teilweise uralten Ehepaaren, die sich liebevoll im Zeitlupentempo gegenseitig die Geräte einstellen und den jungen flotten Müttern, die ihre kleinen Kinder mitbringen und sie eilends der Betreuerin in dem großen, mit Spielzeug gefüllten Glaskastenhort übergeben.

Mir gefiel meine Muckibude schon vom ersten Besuch an. Für mich war es, als tauchte ich in eine vom Alltag völlig getrennte abgeschlossene, fast sciencefiction-artige Welt mit internationalem Flair ein. Diese lichtdurchfluteten Räume mit ihren riesigen Glasfenstern- und türen, der stahlgraue Gerätepark, die vielen an der Wand hängenden und bunt flimmernden Fernsehapparate und die „abgespacte“ Hintergrundmusik!

Wir könnten ja die Kopfhörer aufsetzen und fernsehen, während wir als erstes Fahrradfahren, um uns so richtig in Gang zu bringen. In unserem Fall bleibt aber der Ton aus, weil wir ja unser Aufwärmen mit angeregtem „Maultraining“ kombinieren wollen. Als nächstes kommen dann die Geräte für „Bauch, Beine, Po“ dran, sowie das „Trockenrudern“, das in mir wärmste Erinnerungen an meine juvenilen Ruderjahre auf der Elbe wachruft.

Na ja, wir treiben dann noch so dies und das, bis wir uns zum Schluss in den Ruheraum begeben, damit uns keiner bei unseren Sit-ups auslachen kann. Jede ächzt und stöhnt nun mindestens 20 mal und passt dabei auf, dass die andere nicht plötzlich platt auf der Matte liegen bleibt und einschläft, was durchaus schon vorgekommen ist.

In den großen Nebenraum lassen wir uns meist nicht mehr durch die Glasscheibe zum intensiven Aerobic hineinwinken. Nach eineinhalb Stunden treibt es uns doch wieder heimwärts, anderen Pflichten entgegen.

Aber zunächst müssen wir ja noch einmal den Umkleideraum überleben. Hier ist die Luft dampfgesättigt, die Atmosphäre zwischen dem rotbraunen Holz, den gepflegten Waschbecken und der Spiegelwand wie im Boudoir in einem alten französischen Film. Die Damen föhnen, räkeln, pflegen sich ausgiebig noch duschfeucht und nackt vor den Spiegeln, während ihre Kinder und wir nahezu einen Erstickungskoller bekommen. Kein Wunder, dass sich die Kleinen derweil beim „Frustraufen“ abreagieren!

„Puh, nichts wie raus hier- geduscht wird zu Haus', auch wenn es dann unseren Strom und unser Wasser kostet!“ Dennoch: Die Sache mit der Umkleidekabine ist der einzige Wermutstropfen in unserem Sportvergnügen. Unterm Strich kann ich nur betonen: Der falsche Sport mag Mord sein - aber Fitnesstraining is fun!

Was meint Ihr? Treibt ihr es auch schon oder habe ich euch jetzt dazu angestiftet?