nach oben
Die USA, Frankreich und Großbritannien haben in der Nacht zu Samstag mit Militärschlägen gegen Syrien begonnen. Trump sagte am Freitagabend in Washington, sie seien eine Vergeltung gegen den Einsatz chemischer Waffen durch die syrische Regierung gegen das eigene Volk.
Die USA, Frankreich und Großbritannien haben in der Nacht zu Samstag mit Militärschlägen gegen Syrien begonnen. Trump sagte am Freitagabend in Washington, sie seien eine Vergeltung gegen den Einsatz chemischer Waffen durch die syrische Regierung gegen das eigene Volk. © dpa
14.04.2018

Westmächte greifen Syrien wegen mutmaßlichen Giftgas-Einsatzes an

Es war ein Militärschlag mit Ansage: Nach den Berichten über einen Giftgas-Angriff in Syrien drohte US-Präsident Trump immer unverhohlener mit Vergeltung. Sie begann in der Nacht zu Samstag.

Nach dem mutmaßlichen Giftgas-Einsatz in Syrien haben die USA ihre Drohungen wahr gemacht und die Regierung des Landes angegriffen. US-Präsident Donald Trump sagte am Freitagabend (Ortszeit) in einer Rede an die Nation, die USA, Frankreich und Großbritannien hätten in der Nacht zu Samstag mit Militärschlägen gegen Syrien begonnen.

Die Angriffe seien eine Vergeltung für den Einsatz chemischer Waffen durch die syrische Regierung unter Baschar al-Assad gegen das eigene Volk. «Dies sind nicht die Taten eines Menschen», sagte Trump. «Es sind die Verbrechen eines Monsters.»

Aus Damaskus meldeten Medien Explosionen. Wo die Ziele lagen, war zunächst unbekannt.

Trump hatte Syriens Verbündeten Russland unverhohlen mit dem Angriff gedroht. Er sagte im Weißen Haus, es handele sich um Präzisionsschläge. «Wir sind darauf vorbereitet, diese Antwort fortzusetzen, bis die syrische Regierung ihren Einsatz verbotener chemischer Waffen beendet.»

An Russland und den Iran gerichtet, fragte Trump: «Was für eine Art Nation würde im Zusammenhang stehen wollen mit dem Massenmord an unschuldigen Männern, Frauen und Kindern?»

Die syrische Armee ist schon seit Tagen in voller Alarmbereitschaft und hatte sich am Mittwoch von weiteren Stützpunkten zurückgezogen. Am Dienstag verließ die Armee einige Militärbasen, um einer möglicherweise bevorstehenden Attacke der USA und seiner Verbündeten Frankreich und Großbritannien weniger Angriffsfläche zu bieten.

Begonnen hatte die Eskalation mit einem mutmaßlichen Giftgasangriff auf die letzte damals noch von Rebellen kontrollierte Stadt Duma in der Region Ost-Ghuta am 7. April. Dabei sollen der Hilfsorganisation Weißhelme zufolge mindestens 42 Menschen getötet worden sein. Mehr als 500 Personen wurden demnach in Krankenhäusern behandelt.

Die Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) entsandte Experten für eine Untersuchung nach Duma. Sie wollen von Samstag an untersuchen, ob dort tatsächlich Chemiewaffen eingesetzt wurden. Ihr Auftrag lautet jedoch nicht, die Verantwortlichen zu ermitteln.

Russland hatte den Vorfall als inszenierte Provokation Großbritanniens eingestuft. «Wir haben Beweise, dass Großbritannien an der Organisation dieser Provokation in Ost-Ghuta direkt beteiligt ist», sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow.

Die britische UN-Botschafterin Karen Pierce bezeichnete den russischen Vorwurf als «grotesk», «bizarr» und «offenkundige Lüge». «Es ist die schlimmste Fakenews, die wir bisher von der russischen Propagandamaschine gesehen haben.» Moskau ist im Bürgerkrieg ein enger Verbündeter der syrischen Regierung.

Es ist nicht das erste Mal, dass die USA und Präsident Trump die Assad-Regierung direkt angreifen. Das US-Militär hatte vor einem Jahr die syrische Luftwaffenbasis Schairat beschossen - als Reaktion auf den Giftgasangriff mit Dutzenden Toten auf die Stadt Chan Scheichun, für den UN-Experten die Regierung von Assad verantwortlich machten. Das Eingreifen der USA galt aber weitgehend als symbolisch.

Der syrischen Regierung wurde in den vergangenen Jahren immer wieder der Einsatz von Chemiewaffen vorgeworfen. Der schwerste Angriff fand 2013 in Ost-Ghuta statt: Etwa 1400 Menschen wurden getötet, darunter viele Kinder.