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Dieser Unfall bei der TV-Show "Wetten, dass...?" machte den Wettkandidaten zum Gelähmten und verdarb dem ZDF-Team die Showgeburtstags-Laune. © dpa
Thomas Gottschalk ist als Showmoderator ein Fernsehdinosaurier. Die ganz großen Zeiten seiner Show sind vorbei, doch immer noch zieht sie ein Millionenpublikum. © dpa
11.02.2011

"Wetten, dass...?" feiert Geburtstag und der gelähmte Wettkandidat Samuel Koch feiert kleine Fortschritte

«Wetten, dass..?», Deutschlands beliebteste Samstagabendshow, wird 30 Jahre alt - am 14. Februar 1981 ging sie das erste Mal über die Bühne. An diesem Samstag, 20.15 Uhr, sendet das ZDF die Jubiläumsshow aus Halle an der Saale. Es ist die 193. Ausgabe. Doch die Kandidaten-Tragödie, die in der 192. Show im Dezember passierte, überschattet den 30. Geburtstag. Für den schwer verletzten Wettkandidaten Samuel Koch gibt es einem «Stern»-Bericht zufolge kleine Hoffnungsschimmer: Der junge Mann aus Efringen-Kirchen (Kreis Lörrach) sei zehn Wochen nach seinem Unfall bei «Wetten, dass..?» zwar immer noch vom Hals abwärts gelähmt, er lerne in einer Schweizer Spezialklinik derzeit aber, seine Oberarmmuskeln zu steuern.

Bildergalerie: "Wetten, dass...?" feiert 30. Geburtstag

Gelänge dies, könnte er möglicherweise wieder seine Ellenbogen beugen. Im Moment sei er täglich vier Stunden in der Therapie. Vermutlich müsse Samuel Koch noch mehrere Monate in der Klinik behandelt werden, schreibt das Magazin. Ob er je wieder laufen könne, sei ungewiss.

Bildergalerie: Unfall bei "Wetten, dass ..." - Thomas Gottschalk bricht Sendung ab

Samuel und sein Vater Christoph Koch hätten sich lange über den Unfall in der ZDF-Show am 4. Dezember 2010 ausgetauscht. Samuel wollte mit Sprungstelzen über entgegenkommende Autos springen, dabei war er schwer gestürzt - ausgerechnet bei dem Auto, dass sein Vater fuhr. Der 23-Jährige wird nach dem missglückten Salto wahrscheinlich gelähmt bleiben. Die Live-Show wurde erstmals in ihrer Geschichte abgebrochen - Stars wie Cher, Justin Bieber, Christoph Waltz oder Take That flogen ohne Auftritt wieder ab, die Fernsehnation war geschockt.

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Vater Christoph Koch berichtete, er habe seinem Sohn gesagt: «Wir haben es zusammen verbockt. Entweder bist du zu flach abgesprungen oder ich zu schnell gefahren. Oder beides». Und die Mutter habe noch in der Nacht nach dem Unfall zu ihrem Sohn gesagt: «Schenk dem Papa, dass Du wieder läufst» - daraufhin Samuel optimistisch: «Lässt sich einrichten.»

An diesem Samstag läuft die erste «Wetten, dass..?»-Sendung nach dem Unfall. Sie wird live aus Halle (Sachsen-Anhalt) übertragen. Das ZDF hat die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. «Hochsportive Wetten wird es nicht mehr geben, auch in Halle nicht», sagte ZDF-Sprecher Peter Gruhne am Mittwoch bei der Besichtigung der Messehalle der Stadt.

Für Moderator Thomas Gottschalk ist es die 145. Show. Der Erfinder Frank Elstner, luxemburgischer Fernsehmoderator und Produzent, präsentierte 39 Ausgaben zwischen 1981 und 1987, der ostdeutsche Entertainer Wolfgang Lippert neun Shows in den Jahren 1992 und 1993.

Bei 884 Wetten ging alles gut, doch dann wollte Samuel Koch als 885. Wette mit Powerjumpern über fahrende Autos springen.

Die Band Take That holt am Samstag ihren ausgefallenen Auftritt nach. Als Wettpaten sind die Schauspielerin Maria Furtwängler und das Topmodel Naomi Campbell angekündigt. Der Sänger Max Raabe sitzt ebenfalls auf dem Sofa, er soll auch singen («Küssen kann man nicht alleine»). Musik kommt auch vom Pop-Duo Roxette sowie aus dem Udo-Lindenberg-Musical «Hinterm Horizont», das jetzt in Berlin läuft.

Die Feierlaune der Verantwortlichen beim ZDF hält sich in Grenzen. Das liegt vor allem an der Unglückswette. Außerdem kämpft die Show seit Jahren mit Quotenschwund. Die vergangenen Sendungen lagen bei der Zuschauerzahl stets unter der Zehn-Millionen-Grenze.

Natürlich wäre es gemein, die Sendung an ihren Rekordwerten aus den 80er Jahren zu messen, in denen bis zu 23,4 Millionen Menschen allein in Deutschland zuguckten (9. Februar 1985). Damals gab es weniger TV-Sender und keine so harte Konkurrenz wie die RTL-Castingshows «Deutschland sucht den Superstar» oder «Das Supertalent», deren Oberjuror Dieter Bohlen dem ewigen Lockenkopf Gottschalk regelmäßig Kampfansagen macht.

Kritik an Gottschalk ist in vielen Medien seit Jahren angesagt. Doch auch die fiesesten Feuilletonisten sehen ein, dass nur Gottschalk wirkliche Weltstars ins deutsche Fernsehen bekommt. Als Höhepunkte gelten die Auftritte von Michael Jackson. Am häufigsten traten jedoch deutschsprachige Künstler auf: Peter Maffay (16 Mal), Udo Jürgens (14 Mal) und Herbert Grönemeyer (11 Mal). Bei den Wettpaten führt Iris Berben, (9 Auftritte) vor Otto (8) und Boris Becker (7).

Frank Elstner kam die Idee zu «Wetten, dass..?» im Jahr 1980, als er sich schlaflos im Bett wälzte und plötzlich fragte, warum im Fernsehen eigentlich nicht gewettet werde. Elstners Ziel: eine Samstagabend-Show, über die die Leute noch am Montag sprechen. Das ist in den letzten 30 Jahren oft gelungen, auch wenn die Menschen in den Büros oder auf den Schulhöfen nicht immer die Wetten, die vom Brustmuskelzucken bis zum Betrug beim Buntstifteschmecken reichten, diskutierten.

Thema konnte auch sein, dass der Schauspieler Götz George ausflippte, weil sich Gottschalk angeblich so schlecht über dessen neuen Film informiert hatte, sich Schauspieler Mickey Rourke prollig benahm oder sich wieder mal ein ausländischer Gast frühzeitig von der Bühne verabschiedete, um ein Flugzeug zu kriegen.

In seinem Bestseller «Generation Golf» beschrieb der Autor Florian Illies vor elf Jahren nostalgisch die heile Kinderwelt der 80er, in denen er im Kapuzenbademantel «Wetten, dass..?» gucken durfte: «Niemals wieder hatte man in späteren Jahren solch ein sicheres Gefühl, zu einem bestimmten Zeitpunkt genau das Richtige zu tun.» Diese Emotion kennen Kinder des Jahres 2011 wohl eher mit anderen Sendungen - wenn überhaupt. dpa

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