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Der Wahlkampf war hart, die nächsten vierJahre könnten für den wieder gewählten US-Präsident Barack Obama noch härter werden. Um seine Pläne verwirklichen zu können, muss er sich mit den Republikanern verständigen. © dpa
Barack Obama will sich nach der Wahl schnell mit dem politischen Gegner zusammensetzen, um die Probleme der US-Gesellschaft in den Griff zu bekommen. Er beschwörte in seiner Dankesrede nach der Wahl die Einheit des US-amerikanischen Volkes. © dpa
Grund zur Freude: Barack Obama bleibt Präsident der USA. Er konnte sich gegen den Republikaner Mitt Romney durchsetzen. © dpa
07.11.2012

Wiedergewählter Barack Obama beschwört Einheit

Der wiedergewählte US-Präsident Barack Obama hat in seiner Dankesrede vor Anhängern die Einheit des amerikanischen Volkes beschworen. «Wir sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Wir leben in dem großartigsten Land der Welt», rief der 51-jährige Demokrat Tausenden jubelnden Parteifreunden in seiner Heimatstadt Chicago zu.

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«Egal, woran Du glaubst, wo Du herkommst, ob Du weiß oder schwarz bist, Latino oder Indianer, schwul oder hetero: Du kannst es hier schaffen.» Obama dankte nicht nur den eigenen Unterstützern im Wahlkampf. «Ich möchte jedem US-Bürger danken, der an den Wahlen teilgenommen hat.»

Er gratulierte seinem unterlegenen Kontrahenten Mitt Romney zu dem hart umkämpften Wahlkampf. «Wir haben erbittert gekämpft, aber nur weil wir dieses Land so sehr lieben und weil wir so sehr um seine Zukunft besorgt sind.» Obama kündigte an, mit dem Republikaner Romney sprechen zu wollen, um sich mit ihm über Wege auszutauschen, wie man das Land weiter voranbringen könne.

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Der Präsident hob die Erfolge seiner ersten Amtszeit hervor. «Unsere Wirtschaft hat sich erholt. Das Jahrzehnt des Krieges ist vorbei», rief er. «Ob ich Eure Stimme verdient habe oder nicht, ich habe Euch zugehört. Ich habe von Euch gelernt. Und Ihr habt mich zu einem besseren Präsidenten gemacht.»

Er gehe gestärkt und noch motivierter als bisher in seine zweite Amtszeit. «Heute habt ihr Action gewählt, nicht Politik nach altem Schema.» Obama versprach, sich mit den Parteiführern von Republikanern und Demokraten zusammenzusetzen, um dringende Probleme wie Steuersenkungen, Schuldenbegrenzung und das Einwanderungsgesetz voranzubringen. «Keiner, der für dieses Land kämpft, soll jemals um einen Arbeitsplatz kämpfen müssen», versprach der Demokrat.

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Der politische Alltag sei manchmal ein Kampf, gestand er ein. «Demokratie in einem Land mit über 300 Millionen Menschen kann laut und chaotisch und kompliziert sein.» Er gab aber zu bedenken, dass Menschen in vielen anderen Ländern ihr Leben riskierten, wenn sie ihre Meinung äußern. Sein Land solle Kindern Zugang zu den besten Schulen und Lehrern geben, versprach der erste schwarze Präsident der USA. Und jedem Kind die Chance, den Beruf zu wählen, den es möchte - «und sei es, Präsident zu werden».

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Mit einer Liebeserklärung wandte sich der wiedergewählte Präsident an seine Ehefrau: «Michelle, ich habe Dich niemals mehr geliebt», sagte er im Kongresszentrum von Chicago. Er sei stolz, dass auch der Rest der Nation sie als First Lady so sehr schätze. Auch seine Töchter Sasha und Malia hob Obama hervor: Sie seien junge, intelligente und wunderschöne junge Frauen.

Der demokratische Amtsinhaber siegte bei der Präsidentenwahl gegen seinen republikanischen Herausforderer Mitt Romney. Der amtierende US-Präsident sicherte sich in der Nacht zum Mittwoch eindeutig die notwendige Mehrheit der 538 Wahlmännerstimmen.

Obama hatte Erfolg in den entscheidenden Swing States. In letzten Umfragen vor dem Wahltag hatten die Kandidaten sich noch ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert. Romney schaftte es laut Umfragen bis zuletzt nicht, landesweit eine breite Wechselstimmung zu entfachen. Selbst die eigene Partei stand nicht geschlossen hinter ihm. Konservative Kreise hielten ihn für zu liberal, andere kritisierten ihn als zu wenig prinzipientreu.

Das schwache Wirtschaftswachstum und die weiterhin hohe Arbeitslosigkeit prägten den Wahlkampf in den USA. Romney warf dem Präsidenten vor, keine wirklichen Rezepte für einen Ausweg aus der Krise zu haben. Allerdings musste sich Romney selbst im eigenen Lager den Vorwurf gefallen lassen, er habe im Wahlkampf keine klaren Positionen vertreten, zum Beispiel bei den Steuern, Konjunkturprogrammen oder der Schaffung von Arbeitsplätzen.

Obama hielt seinem Gegnern entgegen, er habe den völligen Absturz der Wirtschaft verhindert und die Konjunktur wieder stabilisiert. Obama hatte nach der Begeisterung 2008 zeitweise Mühe, die eigene Basis zu mobilisieren, weil viele seiner Versprechen unerfüllt blieben. Er verwies darauf, dass er die verpflichtende Krankenversicherung für alle eingeführt habe. «Der Terrorchef Osama bin Laden ist tot und der Autohersteller General Motors lebt», hatte Obamas Vize Joe Biden im Wahlkampf verkündet.

Wie nie zuvor in der US-Geschichte überzogen sich die Kontrahenten gegenseitig mit Beschuldigungen und verunglimpfender Wahlwerbung. Die Demokraten stellten den Herausforderer Romney als unbarmherzigen Multi-Millionär dar, der mit seinen Steuerplänen die Kluft zwischen Reich und Arm weiter vergrößern will. Romney hatte seine Wahlniederlage erst sehr spät eingestanden, dann aber Obama gratuliert. dpa

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