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Winzer versteckt Bruderleiche im Weintank © dpa
07.03.2012

Winzer versteckt Bruderleiche im Weintank

Würzburg/Dettelbach (dpa) - Die Nachbarn der Brüder aus dem fränkischen Dettelbach bieten vor Gericht tiefe Einblicke in das zerrüttete Leben des Angeklagten. Sein älterer Bruder machte dem 55 Jahre alten Winzer das Leben schwer: Er spannte ihm die Frauen aus, half kaum im Weinberg, soff mehrmals wöchentlich mit Kumpels aus dem Dorf und hatte oft die Polizei im Haus.

Bildergalerie: Winzer wegen Brudermordes zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt

Jahrzehntelang erträgt das der jüngere Bruder. Bis zu einem Tag im Januar 2011. Alle negativen Gefühle brechen auf einmal heraus. Er erschlägt zornig den verhassten Bruder und versteckt dessen Leiche in einem Weintank auf dem eigenen Grundstück. Das Landgericht Würzburg in Bayern verurteilte ihn am Dienstag wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von zehn Jahren und sechs Monaten.

Sie waren wie «Kain und Abel», beschrieb es ein Zeuge vor Gericht. Während in der biblischen Erzählung jedoch Neid der Antrieb für den Brudermord war, tötete der Winzer im Wutrausch - gesteuert wohl von Vergeltung und Existenzangst. Der ältere Bruder provozierte den Jüngeren oft. Nicht nur mit seiner Faulheit und seiner Sauferei. Der zur Tatzeit 58 Jahre alte Mann soll den fleißigeren Bruder auch als Versager beschimpft haben, der keine Frau glücklich machen kann.

Wenige Tage vor der tödlichen Bluttat eskalierte der Streit. Es ging um den Hof. Den werde er bald verlieren, kündigte der 58-Jährige hämisch an. Der Angeklagte geht daraufhin stocksauer mit einem Knüppel auf seinen Bruder los, schlägt ihm auf die Beine. «Wenn du deswegen zur Polizei gehst, bringe ich dich um», soll er gesagt haben. Der Geprügelte geht zur Polizei, erstattet Anzeige. Wenige Tage später ist er tot.

«Es soll hier keine Schwarz-Weiß-Malerei betrieben werden. Der Angeklagte war vor der Tat weiß Gott kein Unschuldslamm», sagt der Vorsitzende Richter Lothar Schmitt bei der Urteilsverkündung. In der Vergangenheit schlug auch der 55-Jährige, der zweimal verheiratet war, seine Frauen - er gilt als cholerisch. «Aber es liegt auf der Hand, dass die über Jahre andauernden Kränkungen für den Angeklagten schwierig waren und es schwer war, sie zu beherrschen.»

Zu Prozessbeginn verweigerte der 55-Jährige jede Aussage. Er schweigt fast bis zum Schluss. Am Ende jedoch werden die Beweise erdrückend. Mithäftlinge erzählen vor Gericht, dass der psychisch labile Mann ihnen alles gestanden habe. Sie kennen Details, die nur der Täter wissen konnte: Dass er den toten Bruder in einen leeren Weintank gelegt und den Behälter anschließend mit Weißwein und Wasser aufgefüllt habe. Dass er verschiedene Chemikalien dazugab - «um ihn zu konservieren». Dass er die Tatwaffe, eine Eisenstange, irgendwo vergraben habe.

Am Tag vor dem Urteil zeigt der Angeklagte zum ersten Mal Reue: Die Tat tue ihm schrecklich leid und er würde sie gern rückgängig machen, sagt er unter Tränen. Den Richterspruch nimmt er dann ohne sichtbare Regung auf. Als der Angeklagte nach Prozessende abgeführt wird, nickt er einigen Zuschauern im Gerichtssaal freundlich zu. Ein paar Dettelbacher sind gekommen. Sie nicken zurück, heben die Daumen nach oben und rufen ihm aufmunternd zu: «Du machst das.»