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16.06.2008

"Wir machen Spaß-Rock" - "Puhl" aus Keltern-Ellmendingen im "Emergenza"-Landesfinale

Die schwüle Luft steht in dem Kellerraum in Keltern-Ellmendingen, die Wände sind schallgedämpft und aus den Verstärkern kommt purer Rock. Hier probt „Puhl“. Die seit 1994 zusammen spielende Band macht das mit Eifer, denn sie steht im Baden-Württemberg-Finale des „Emergenza“- Wettbewerbs. Und wer dort gewinnt, kann sich mehr als nur etwas Publicity ausrechnen.

Mit dem "Puhl"-Bus zu "Emergenza" im "LKA"

Zwölf Bands treten am Freitag, 11. Juli, im Stuttgarter "LKA" beim Baden-Württemberg-Finale des "Emergenza"-Wettbewerbs auf. Mit dabei ist "Puhl" aus Keltern-Ellmendingen. Für Fans und solche, die es noch werden wollen, gibt es einen Bus-Transfer, der ab Keltern über die Autobahn-Anschlussstelle Pforzheim-West nach Stuttgart fährt. Die Konzert-Tickets inklusive Busfahrt sind für 15 Euro direkt über die Band oder unter LKAPuhl@yahoo.de erhältlich.

Infos auch unter
www.myspace.com/puhlband

Eigentlich war die Teilnahme bei „Emergenza“ gar nicht geplant: Schlagzeuger Stefan Kappler hatte die Anmeldung heimlich abgegeben. Die anderen Bandmitglieder waren zunächst überrumpelt von der kurzfristigen Aktion, nun sind aber alle mit Elan dabei, nachdem sie ohne Probleme die Vorrunden gewannen. Das Kuriose dabei: Die Mannen von „Puhl“ könnten vom Alter her glatt die Väter der meisten Mitbewerber sein, denn in den anderen Bands rocken eher Jugendliche, die sich erst noch einen Namen machen wollen.

„Rock'n Roll kennt kein Alter“, erklärt Gitarrist Freddy Puhl. Außerdem hätten die Ellmendinger bisher viel Zustimmung, auch von jüngeren Leuten, bekommen, was sie teilweise überrascht habe. „Am Anfang fühlt man sich ein bisschen wie ein Clown, aber dann macht es Spaß, mit den jungen Leuten zu feiern, auch wenn sie die Musik nicht kennen“, sagt Sänger Patrick Gegenheimer. Allgemein sei die Atmosphäre unter den Konkurrenten sehr gut. Man entdecke sogar richtige Talente, so Puhl.

Ursprünglich als Coverband gegründet, schrieb die fünfköpfige Gruppe bald eigene Songs auf deutsch. 2007 stieß Sänger Patrick Gegenheimer zu „Puhl“, und seitdem gibt es fast aussschließlich Texte in Englisch. Sie handeln von Liebe, Schmerz und Tod und entstammen der Feder von Bassistin Clarissa Moritz. Ziel sei nicht, eine konkrete oder etwa eine politische Botschaft zu vermitteln. „Wir wollen Spaß transportieren, mit leicht mitsingbaren Texten, wir machen eben Spaß- Rock“, so Patrick Gegenheimer. Die Musik wird dann während den Proben von allen zusammen entwickelt, denn Puhl sei eine „rein demokratische Band“, wie Freddy Puhl erklärt.

Auch wenn die Band seinen Namen trägt, wurde die Entscheidung einstimmig getroffen, „zwischen Bier und Angel“ sagt Keyboarder Bernd Helmer. Die Verwechslung mit dem englischen Wort „pool“ führt dabei oft zu Gelächter. Durch den Sängerwechsel ergaben sich auch Änderungen im Sound, der heute viel rockiger klingt. Man hört aber auch Balladen im Repertoire.

Und das muss abwechslungsreich sein, wenn sie im Juli das „Emergenza“-Finale in Stuttgart gewinnen wollen. Im Wettbewerb mit elf Bands aus dem Raum Stuttgart und Karlsruhe müssen sie 25 Minuten mit bevorzugt eigenen Stücken gestalten. Das Publikum und eine Fachjury bestimmen den Gewinner, der sich mit einem Sieg im deutschen und internationalen Finale eine Plattenproduktion verdienen kann.

{ImageR}Dafür laufen bei „Puhl“ die Vorbereitungen auf Hochtouren: Einmal in der Woche treffen sie sich, um die sechs Songs einzustudieren und zu verbessern. Um den Sound noch zu verdichten, haben sie sich einen zweiten Gitarrist mit ins Boot geholt, der dann hoffentlich beim Wettbewerb mit am Start sein wird. Außerdem ist intensives Gummibärchen-Essen angesagt. Denn das verbindet alle Bandmitglieder: Die Leidenschaft für Musik, die Ironie und die Liebe zu Gummibärchen und Bier. Jede Band muss sich einen Fankreis aufbauen, der dann den nötigen Erfolg bei der Publikumswahl bringen soll. „Puhl“ hofft auf viel Unterstützung, gerade aus dem Enzkreis. „Man muss eben nicht nur mit Können, sondern auch mit Kontakten überzeugen“, so Stefan Kappler. So wird eigens ein Bustransfer für die Fans organisiert.

Langfristig sind für dieses Jahr noch zwei bis drei Auftritte, wie etwa der Stammauftritt im Schwanner „Zauberberg“, geplant. Patrick Gegenheimer macht außerdem Hoffnung auf ein neues Album, das dann das vierte Album in der Band-Geschichte wäre und für das Clarissa Moritz schon wieder fleißig Ideen sammle.

"Puhl" besteht aus:

  • Freddy Puhl, 44 Jahre alt, spielt seit dem 14. Lebensjahr E-Gitarre, was er sich selbst beigebracht und später durch Unterricht verfeinert hat. Er arbeitet bei "Saturn", ist leidenschaftlicher „Genesis“-Fan und Brillenträger.
  • Bernd Helmer, 38 Jahre alt, hat sich das Tastenspiel mit 14 Jahren selber beigebracht und deshalb spielt Keyboard in der Band. Er ist Beamter bei der Feuerwehr und hört am liebsten „Yellow“.
  • Für den Rhythmus ist Stefan Kappler (42) zuständig. Er hatte zwei Jahre lang Schlagzeug-Unterricht, worauf eine lange Pause folgte, bevor Freddy ihn wieder zur Musik brachte. Heute ist er selbstständig und hört am liebsten „Fury“, „ASP“ und „Coldplay“.
  • Die einzige Frau der Truppe ist Clarissa Moritz, die Bass spielt und ihr Alter nicht verraten will. Sie kam über die Gitarre zu ihrem Instrument und spielt damit in verschiedenen Bands, seit 2000 bei „Puhl“. Sie arbeitet in der Qualitätssicherung und engagiert sich nebenbei im Fanclub der Band „Marillion“. Für die anderen Mitglieder ist sie außerdem die einzige, die „wirklich Musik macht und Noten lesen kann“.
  • Sänger Patrick „Duffy“ Gegenheimer (36) ist erst seit einem Jahr dabei. Er kam über Umwege zum Gesang, da er kein Instrument spielen kann. So verleiht er den Texten lieber einen rauchigen Klang. Der Mechaniker mag keine „Musik aus der Dose“ und steht auf Johnny Cash, aber auch alles andere zwischen Punk und Death Metal.