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Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse wetterte in einem Zeitungsinterview gegen die zugezogenen Schwaben in seinem Berliner Heimat-Stadtteil Prenzlauer Berg.
Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse wetterte in einem Zeitungsinterview gegen die zugezogenen Schwaben in seinem Berliner Heimat-Stadtteil Prenzlauer Berg. © dpa
31.12.2012

Wolfgang Thierse schimpft über Schwaben in Berlin

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (69) wettert gegen die zugezogenen Schwaben in seinem Berliner Heimat-Stadtteil Prenzlauer Berg. „Ich wünsche mir, dass die Schwaben begreifen, dass sie jetzt in Berlin sind und nicht mehr in ihrer Kleinstadt mit Kehrwoche“, sagte der SPD-Politiker, der seit 40 Jahren in Prenzlauer Berg wohnt, der „Berliner Morgenpost“.

Umfrage

Bundestagsvizepräsident schimpft über Schwaben in Berlin: Braucht Berlin die Schwabenhilfe?

Ja, alleine kriegen die ja nicht mal einen Flughafen gebaut 39%
Ja, die brauchen dringend die Einführung der Kehrwoche 17%
Nein, die Berliner kommen mit ihrem Chaos auch alleine klar 5%
Nein, wer braucht schon Schwaben 7%
Mir egal, ich bin Badener 32%
Stimmen gesamt 253

„Sie kommen hierher, weil alles so bunt und so abenteuerlich und so quirlig ist, aber wenn sie eine gewisse Zeit da waren, dann wollen sie es wieder so haben wie zu Hause - das passt nicht zusammen“, wettert Thierse weiter. Ob er dabei auch an das Fiasko mit dem neuen Berliner Flughafen gedacht hat? Diese Idee des unfinanzierbaren Großprojekts scheinen ja die Schwaben mit Stuttgart 21 kopieren zu wollen. Ob das von der Bundeshauptstadt ausgewanderte Ureinwohner waren, die jetzt im entvölkerten Schwaben ein neues Domizil und ein neues Großprojekt-Betätigungsfeld gefunden haben?

Und was ist mit dem S-Bahn-Chaos in Berlin? In Stuttgart entgleist nur ab und zu einmal ein Intercity auf einem maroden Gleis am Hauptbahnhof, in Berlin passiert das so oder so ähnlich jeden Tag. Wenn denn überhaupt Züge fahren. Die bräuchten ein paar schwäbische Tüftler.

Dass Thierse wohl etwas betriebsblind ist, verdeutlicht seine Aussage zum urschwäbischen Kulturgut der Hausordnung. Was ist denn so schlecht an der Kehrwoche? Da gibt es genügend Ecken in Berlin, die schon lange keinen Straßenbesen mehr gesehen haben. Da sollen die im östlichen Zentrum der Republik doch froh sein, wenn wenigstens ein paar Schwaben ab und zu den Dreck vor der Straße wegkehren. Dann sehen die Berliner auch gleich, was „richtig schaffe“ heißt.

Den vielleicht witzigsten Fehler leistete sich Thierse mit einer Bemerkung zur deutschen Sprache. Er machte sich in dem Interview auch für den Berliner Dialekt stark. «Ich ärgere mich, wenn ich beim Bäcker erfahre, dass es keine Schrippen gibt, sondern Wecken.“ In Berlin sage man Schrippen – „daran könnten sich selbst Schwaben gewöhnen“. Zugegeben: An das Wort könnte man sich gewöhnen, an die simplen, irgendwie neutral aussehenden und so auch schmeckenden Teigprodukte aber nicht. Wer mit Laugenweckle und Laugenbrezeln, Berches, Mohn- und Salzweck aufgewachsen ist, der leidet an den Schrippen.

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