nach oben
«Yes» zur Homo-Ehe in Kalifornien - Jubel vor dem Ansturm der Paare © dpa
27.06.2013

«Yes» zur Homo-Ehe in Kalifornien - Jubel vor dem Ansturm der Paare

San Francisco (dpa) - Historische Entscheidungen in Washington zur Homo-Ehe, lauter Jubel an der Westküste: Nach einem fünfjährigen Stopp rüstet sich Kalifornien für einen Ansturm der Schwulen-Paare auf die Standesämter.

Bildergalerie: «Yes» zur Homo-Ehe in Kalifornien - Jubel vor dem Ansturm der Paare

Die Kuppel des Rathauses von San Francisco strahlte Mittwochnacht in bunten Regenbogenfarben. Im Castro- Viertel, dem Schwulen-Distrikt der Westküstenstadt, bejubelten Tausende die Entscheidungen des Supreme Court, grünes Licht für die Homo-Ehe in Kalifornien und die Gleichstellung auf Bundesebene zu geben. Manche kamen in Brautkleidern, andere in Regenbogenkostümen. Joe und Frank Capley'Alfano schleppten zwei große Fahnen mit, die US-Flagge und das kalifornische Bären-Banner.

Verheiratet sind sie seit 2008, als für ein paar Monate in Kalifornien die Homo-Ehe erlaubt war, bevor ein Wählerreferendum dies wieder zunichtemachte. «Ab morgen zahle ich keinen Cent mehr an Extra-Steuern», strahlt der 38-jährige Frank. Dank des Urteils des Obersten Gerichts zur Gleichstellung von verheirateten Schwulen und Lesben können diese nun auf dieselben Vergünstigungen wie traditionelle Paare pochen.

«Wir haben nun endlose Möglichkeiten», jubelte die 27-jährige Gretchen Kris, Arm in Arm mit ihrer Freundin Krystal Peak. Einen Hochzeitstermin hätten sie noch nicht ausgemacht, aber «unser Leben hat sich für immer verändert», meint Peak.

Für den gebürtigen Nürnberger Lehrer Harald Fröhlich (48) und seinen langjährigen amerikanischen Partner Thomas Satterwhite steht es schon fest: «Wenn wir in einem Jahr aus Florida zurückkommen, heiraten wir auf jeden Fall», versichert Fröhlich. Aus beruflichen Gründen zieht das Paar in dieser Woche von San Francisco nach Florida, wo noch nicht einmal ihre eingetragene Lebenspartnerschaft zählt. Mit Baby Alexander gibt es weiteren Grund für eine Hochzeit. «Vor drei Monaten haben wir unseren Sohn adoptiert, da wollen wir unsere Rechte als homosexuelle Familie noch mehr verfestigen», sagt Fröhlich.

Auch für die kalifornischen Klägerinnen Sandy Stier (50) und Kris Perry (48), die am Mittwoch erst auf den Stufen des Obersten Gerichts in Washington, dann in West Hollywood ihren historischen Sieg feierten, waren die Kinder ein entscheidender Grund für ihren langen Kampf für die Homo-Ehe. Nun könnten sie endlich heiraten und ihren vier Söhnen sagen, das sie eine «ganz normale Familie» sind, jubelte Perry vor Journalisten.

Frühestens in 25 Tagen ist mit dem Ansturm auf die Standesämter zu rechnen. Die Entscheidung des Obersten Gerichts muss in Kalifornien noch registriert werden. Es ist dann der 13. Staat, der Lesben und Schwule traut. Nach Schätzungen könnten sich in den nächsten drei Jahren 37 000 homosexuelle Paare das Ja-Wort geben. «Wir sind bereit», versicherte eine Standesamts-Sprecherin. Aushilfen werden extra eingearbeitet, neue Vordrucke sind bestellt.

In Sachen Homo-Ehe hat Kalifornien eine Achterbahnfahrt hinter sich. 2004 gab der Bürgermeister von San Francisco Schwulen und Lesben grünes Licht zu heiraten. Mehr als 4000 Paare ließen sich trauen. Dann verhängte ein Richter einen sofortigen Stopp gegen die Regelung. Im Mai 2008 stimmten die obersten Richter des Staates der Homo-Ehe zu, Kalifornien war damals der zweite US-Staat nach Massachusetts, in dem das zugelassen wurde. Bis November 2008 wurden 18 000 Ehen geschlossen, dann stellten sich Kaliforniens Wähler mit 52 Prozent der Stimmen dagegen. Seitdem ging der Streit durch die Instanzen.

Der Sieg am Mittwoch wurde nicht nur gefeiert. Konservative und religiöse Gruppen wetterten gegen die Rückkehr der Homo-Ehe und die Gleichstellung Homosexueller. «Heute ist ein tragischer Tag für die Ehe und für unsere Nation», sagten die Erzbischöfe von New York und San Francisco, Timothy Dolan und Salvatore Cordileone, in einer gemeinsamen Erklärung. In San Franciscos Castro-Viertel dagegen feuerte ein Kirchenprediger mit Rastazöpfen die jubelnde Menge an: «Wir möchten eure Trauungen vornehmen», sagte der Vertreter einer kleinen Kirche.

«Ich kann es immer noch nicht glauben, dass dieser Tag gekommen ist», sagte John Lewis (54) während der Block-Party im Castro-Viertel, mit einem rosa Schild in Herzform mit der Aufschrift «Stolz verheiratet» in der Hand. Für ihn und seinen Partner seit 26 Jahren, Stuart Gaffney, war es eine «unglaubliche Reise». Mit Klagen, zwei Hochzeiten, einer Annullierung seitens des Gesetzgebers. «Unser Sieg wird anderen Staaten einen enormen Anstoß geben», hofft Lewis. «Dabei geht es um viel mehr als nur Heirat, es dreht sich um unsere Bürgerrechte.»