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Zsa Zsa Gabor mit ihrem Ehemann Prinz Frederic von Anhalt, aufgenommen im Jahr 1994. Foto: Istvan Bajzat
Zsa Zsa Gabor mit ihrem Ehemann Prinz Frederic von Anhalt, aufgenommen im Jahr 1994. Foto: Istvan Bajzat
19.12.2016

Zsa Zsa Gabor

Los Angeles (dpa) - Die Glamourzeiten von Zsa Zsa Gabor waren passé, doch ganz still ist es um die schlagzeilenträchtige Hollywooddiva nie geworden. Am Sonntag kam nun die letzte, traurige Nachricht: Mit 99 Jahren ist die frühere «Miss Ungarn» in ihrer Villa in Los Angeles an Herzversagen gestorben.Seit längerem war sie bettlägerig und schwer krank. Das langsame Ende hatte im Sommer 2010 mit einem Sturz aus dem Bett in ihrer großen Bel Air Villa seinen Anfang genommen.

Wegen einer gebrochenen Hüfte musste die Schauspielerin damals unters Messer. «Die Operation ist wunderbar gelaufen», jubelte Gabors achter Ehemann, Frederic Prinz von Anhalt, damals kurz nach dem Eingriff. Doch die betagte Patientin erholte sich nur langsam, immer wieder kehrte sie ins Krankenhaus zurück. Im Januar folgte ein weiterer Rückschlag. Ihr rechtes Bein war infiziert, die Ärzte amputierten oberhalb des Knies. Kurz vor ihrem 94. Geburtstag am 6. Februar kam eine Lungenentzündung dazu, doch zu einer kleinen Feier mit einem großen Stück Torte am Jubiläumstag war sie rechtzeitig wieder zu Hause.

Ihre 28-Zimmer-Villa im Nobelviertel Bel Air in Los Angeles, wo einst Elvis Presley wohnte, hatte die frühere Glamourdiva in den letzten Jahren zum Vergnügen kaum noch verlassen. Seit einem Schlaganfall im Sommer 2005 verbrachte sie die meiste Zeit zu Hause.

«Es wird nur eine Zsa Zsa Gabor geben. Und ich mochte sie sehr. Ruhe in Frieden, meine Liebe», schrieb der Moderator Larry King auf Twitter. Burlesque-Tänzerin Dita Von Teese schrieb auf Twitter: «Eine weitere Hollywood-Legende hat uns verlassen, die glamouröse Zsa Zsa Gabor, eine der geistreichsten Schönheiten.» Schauspielerin Barbara Eden («Bezaubernde Jeannie») würdigte ihre verstorbene Kollegin mit den Worten: «Sie und ihre Schwestern waren reizende Damen, es war immer lustig und entzückend, sie um sich zu haben.»

Zsa Zsa Gabor war die Letzte von dem ungarischen Schwestern-Trio, das in Hollywood sein Glück versuchte. Die drei blonden Schwestern - Zsa Zsa, Magda und Eva - hatten es zusammen auf einige Dutzend Filme und auf 18 Scheidungen gebracht, rechnet der Filmdienst «Imdb.com» nach.

Über Jahrzehnte hinweg verschaffte sich Gabor mit ihren Affären, ihrem extravaganten Lebensstil und der Liste von Ehemännern in Hollywoods Klatschspalten einen festen Platz. Glaubt man Zsa Zsa, so ließ sie John F. Kennedy, Elvis Presley und Henry Fonda abblitzen, hatte aber eine Affäre mit Frank Sinatra. Mit ihren Sprüchen traf sie stets ins Schwarze. Auf die Frage von Journalisten wie viele Ehemänner sie nun wirklich hatte, antwortete sie schlagfertig: «Meinen Sie, abgesehen von meinen eigenen?». Und ihr Millionenvermögen erklärte sie so: «Ich bin eine großartige Haushälterin. Jedes Mal, wenn ich einen Mann verlasse, behalte ich sein Haus.»

Zu ihren acht Ehemännern zählten der Schauspieler George Sanders, der Industrielle Herbert Hunter, der Erfinder der Barbie-Puppen, John W. Ryan, und ein texanischer Öl-Erbe. Dem mittlerweile 73-Jährigen und damit mehr als 25 Jahre jüngeren Deutschen Frederic Prinz von Anhalt gab sie 1986 ihr Ja-Wort. Es war mit Abstand ihre längste Ehe.

Ihre einzige Tochter Constance Francesca Hilton stammte aus der Ehe mit dem Hotel-Magnaten Conrad Hilton. Sie waren in den 40er Jahren fünf Jahre liiert. Mutter und Tochter hatten ein angespanntes Verhältnis, es gab Klagen und Geldstreitigkeiten.

Die im Februar 1917 in Budapest geborene Gabor, die 1936 bei einem Schönheitswettbewerb zur «Miss Ungarn» gekürt wurde, verbrachte ihre Jugend in der Schweiz. Nach einer Ausbildung an der Wiener Musikakademie gab Richard Tauber ihr eine Rolle in der Operette «Der Singende Traum». 1941, nach der ersten geplatzten Ehe mit einem türkischen Diplomaten, folgte sie ihrer Schwester Eva nach Hollywood.

In «Moulin Rouge» (1952) durfte sie unter der Regie von John Houston ihren Co-Star José Ferrer verführen, doch in weiteren Hollywoodfilmen, wie «Lili» und dem Science-Fiction-Streifen «In den Krallen der Venus», war Gabor in Nebenrollen meist nur schönes Dekor. Zuletzt trat sie 1996 in «Die Brady Family» vor die Fernsehkamera.

Doch mit Skandalen und Klagen schaffte es Gabor immer wieder ins Rampenlicht. 1989 ohrfeigte sie einen Verkehrspolizisten, der ihr einen Strafzettel geben wollte. Das brachte der Diva drei Tage Gefängnis ein. 1994 fetzte sie sich mit der Schauspielerin Elke Sommer vor Gericht. Sommer gewann den Prozess um eine Millionen- Entschädigung gegen Gabor und von Anhalt, die Beleidigungen gegen sie verbreitet hatten. Im März 2005 flossen dann zwei Millionen in Gabors Taschen als Schmerzensgeld nach einem Autounfall, bei dem sie drei Jahre zuvor schwer verletzt worden war. Als Beifahrerin im Auto ihres Friseurs hatte Gabor Knochenbrüche sowie Verletzungen am Kopf, den Armen und Beinen erlitten.

«Der Unfall war ein verheerender Schlag für die vitale und schöne Frau», lamentierte damals ihr Anwalt. Die gebrechliche Diva musste einen weiteren Geburtstag im Krankenhaus feiern, schlagfertig wie eh und je. «Ich hoffe, es ist etwas sehr, sehr Glitzerndes», tat sie ihre Geschenkwünsche in einem TV-Interview kund.