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Geringer Aufwand: Bei Gelenkbehandlungen, wie hier an der Schulter, wird die sogenannte SchlüssellochTechnik, im Fachjargon Arthroskopie genannt, angewendet.
Geringer Aufwand: Bei Gelenkbehandlungen, wie hier an der Schulter, wird die sogenannte SchlüssellochTechnik, im Fachjargon Arthroskopie genannt, angewendet. © Fotolia
02.07.2014

Zu viel Belastung

Erkrankungen des Bewegungsapparates sind zum großen Teil auf Überbelastung oder Sportunfälle zurückzuführen. Während Fußballer häufig Sprung- oder Kniegelenksverletzungen erleiden, besteht bei anderen Mannschaftssportarten wie Handball, Basketball oder Volleyball ein hohes Risiko einer Verletzung des Schulter-, Ellenbogen- oder Handgelenks. Vor allem Verletzungen des Schultergelenks treffen häufig Handballer, Basketballer und sogar Schwimmer.

„Ein Sportunfall kann zu Knochenverletzungen im Gelenk, Knorpelschäden oder zum Zerreißen von Bändern und Sehnen führen“, erklärt Alexander Howorka, Oberarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am Helios Klinikum Pforzheim. Während der Knochenbruch häufig mit Platten, Schrauben und Nägeln versorgt wird, können die Verletzungen der Weichteile genäht oder ähnlich rekonstruiert werden.

„Im Gelenkbereich erfolgt die moderne Behandlung minimal-invasiv mit Hilfe der sogenannten Schlüsselloch-Technik, der Arthroskopie. Mit einer Kamera lässt sich das betroffene Gelenk hervorragend untersuchen“, erläutert Howorka das Vorgehen. Schäden können sofort versorgt werden.
Verletzungen des Kniegelenks betreffen hauptsächlich die Kreuzbänder und die Menisken, also die Puffer und Stabilisatoren im Kniegelenk. In der Folge ist das Gelenk nicht mehr stabil und es kommt zu einer frühzeitigen Arthrose.

Vergleichbar im Bereich der Schulter ist die Luxation, die Ausrenkung des Gelenks. „Wichtige stabilisierende Bänder können zerreißen, und das Schultergelenk bleibt chronisch instabil. Wiederholte Luxationen führen auch hier zu einer frühzeitigen Arthrose.

Ähnlich geartete Bänder- oder Knorpelschäden können in allen Gelenken der Arme und Beine entstehen“, sagt Howorka.

Therapeutisch operativ können Schäden im Gelenk mit verschiedenen Verfahren, abgestimmt mit dem Patienten, versorgt werden. Im Rahmen der Arthroskopie erfolgt dies über kleine Hautschnitte. „Zum kosmetischen Aspekt kommt noch die damit verbundene Schonung der umliegenden Muskeln und Bänder. Geringere Schmerzen nach der Operation führen zu einer schnelleren Rehabilitation. Diese sollte langsamen Aufbau der Belastung, unterstützt durch Krankengymnastik, beinhalten“, erklärt Oberarzt Howorka. Unter Anleitung eines entsprechenden Therapeuten wird ein gesunder Bewegungsablauf des Gelenks trainiert. Insbesondere im Bereich des Schultergelenks trägt eine gezielte Krankengymnastik mindestens zur Hälfte des Therapieerfolgs bei.

OP nicht immer notwendig


„Die erste Behandlung aller Sportverletzungen beruht auf dem PECH-Schema (Pause-Eis-Compression-Hochlagern). Die weitere Behandlung sollte eine angepasste Untersuchung und Diagnostik, mit Ultraschall, Röntgen, MRT (Magnetresonanztomographie) und Ähnlichem beinhalten. Nicht jede Verletzung muss operiert werden. Eine genaue Diagnose ist aber die Voraussetzung, um die richtige Nachbehandlung einzuleiten“, erklärt Alexander Howorka. Ziel ist die Vermeidung von chronischer Gelenkschädigung und verfrühter Arthrose.

Disziplin über lange Zeit ist im Rahmen der Nachbehandlung – wie auch beim Training in den verschiedenen Sportarten – gefragt. Auch hier gilt freilich die These von Paracelsus.