nach oben
Bundeskanzlerin Angela Merkel steht am Sonntag in der CDU-Zentrale in Berlin zu Beginn der Vorstandssitzung mit CDU-Generalsekretär Peter Tauber (links) und Volker Bouffier, Ministerpräsident von Hessen und Landesvorsitzender der CDU Hessen, zusammen. Die Kanzlerin kündigte ihre erneute Kandidatur für die Bundestagswahl und den Parteivorsitz an.
Bundeskanzlerin Angela Merkel steht am Sonntag in der CDU-Zentrale in Berlin zu Beginn der Vorstandssitzung mit CDU-Generalsekretär Peter Tauber (links) und Volker Bouffier, Ministerpräsident von Hessen und Landesvorsitzender der CDU Hessen, zusammen. Die Kanzlerin kündigte ihre erneute Kandidatur für die Bundestagswahl und den Parteivorsitz an. © dpa
20.11.2016

Angela Merkel tritt wieder an - für CDU-Vorsitz und Kanzleramt

Bundeskanzlerin Angela Merkel will wieder für den CDU-Vorsitz und das Kanzleramt kandidieren. Das teilte die 62-Jährige am Sonntag im CDU-Präsidium mit, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Parteikreisen erfuhr.

Merkel hatte auch schon zuvor erklärt, dass ihrer Ansicht nach der Parteivorsitz und das Kanzleramt in Personalunion zu führen sind. In den vergangenen Tagen waren immer mehr Unionspolitiker davon ausgegangen, dass sie für beide Ämter erneut antreten wird. Auch der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel machte deutlich, dass er damit rechnet.

Die CDU wählt am 6. Dezember beim Bundesparteitag in Essen ihre Spitze neu. Merkel ist seit April 2000 CDU-Vorsitzende und seit November 2005 Kanzlerin. Sollte sie 2017 zum vierten Mal gewinnen, hat sie die Chance, CDU-Mitbegründer Konrad Adenauer und auch Rekordhalter Helmut Kohl einzuholen. Adenauer war 14 Jahre, Kohl 16 Jahre Bundeskanzler.

Merkel gilt trotz der Flüchtlingskrise im vorigen Jahr und trotz der daraufhin einbrechenden Beliebtheitswerte für sie persönlich und die ganze Union als konkurrenzlos in der CDU. International wird sie nach dem Wahlsieg von Donald Trump in den USA als letzte Verteidigerin westlicher Werte gesehen. Der scheidende US-Präsident Barack Obama nannte sie «zäh» und erklärte bei seinem Abschiedsbesuch am Donnerstag, wäre er Deutscher, würde er sie wählen.

Die Christdemokraten berieten am Sonntag über einen Leitantrag für den Parteitag, der auf Merkel zugeschnitten ist. Der Titel lautet: «Orientierung in schwierigen Zeiten – für ein erfolgreiches Deutschland und Europa». Die CDU will enttäuschte Wähler zurückgewinnen. Nötig seien konkrete Lösungen, «auch wenn ihre erfolgreiche Umsetzung manchmal schwierig ist und Zeit braucht».

Die CDU-Politik soll stärker auf Familien und Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen ausgerichtet und das gesetzliche Eintrittsalters nach dem Willen der Partei offenbar an die steigende Lebenserwartung gekoppelt werden. Eine Flüchtlingskrise wie 2015 soll sich nicht wiederholen. Integrationsverweigerer sollen mit Sanktionen bis hin zu Leistungskürzungen und Ausweisung rechnen.

Von der Physik in die Politik: Merkels märchenhafte Karriere

Lange hat sie sich für ihre Entscheidung Zeit gelassen, sie zum «geeigneten Zeitpunkt» zugesagt. Am Sonntagmittag in der CDU-Präsidiumssitzung in Berlin war dieser gekommen: Angela Merkel kündigte ihre neunte Kandidatur zum CDU-Vorsitz und ihre vierte Kanzlerkandidatur an.

Merkel erklomm im April 2000 als erste Frau die Spitze der von Männern dominierten CDU - in den Turbulenzen der Parteispendenaffäre. Vorher war sie Generalsekretärin unter dem damaligen Partei- und Fraktionschef Wolfgang Schäuble. Merkel forderte die CDU 1999 auf, sich vom Übervater Helmut Kohl zu emanzipieren, der die Namen von Spendern nicht nannte und sich so über das Gesetz stellte.

2005 wurde die Pfarrerstochter aus der DDR als erste Frau in Deutschland auch Bundeskanzlerin. Und mit damals 51 Jahren war sie bei der Amtsübernahme jünger als alle ihre Vorgänger. Seither führte sie zunächst eine schwarz-rote, dann eine schwarz-gelbe und seit 2013 wieder eine große Koalition. 2002 hatte sie nach langem Tauziehen noch zugunsten des damaligen CSU-Vorsitzenden Edmund Stoiber auf die Kanzlerkandidatur verzichtet. Rot-Grün gewann erneut die Wahl. Merkel verdrängte dann Friedrich Merz als Bundestagsfraktionschef und führte die CDU- und CSU-Abgeordneten bis 2005.

In die Politik kam die Physikerin überhaupt erst mit der Wende. 1989 trat sie zunächst dem «Demokratischen Aufbruch» bei, 1990 dann der CDU. 1990 war sie auch Vize-Regierungssprecherin der letzten DDR- Regierung unter Lothar de Maizière und wurde schon Mitglied im Bundestag. Von 1991 bis 1998 war sie CDU-Vizevorsitzende unter Kohl und auch als Bundesministerin in seinem Kabinett.

Merkel wurde am 17. Juli 1954 in Hamburg geboren, zog mit der Familie dann nach Ostdeutschland. Sie ist in zweiter Ehe mit Joachim Sauer verheiratet.

Umfrage

Kann die CDU mit Angela Merkel an der Spitze die Bundestagswahl gewinnen?

Ja 34%
Nein 60%
Weiß nicht 6%
Stimmen gesamt 1320

Leserkommentare (0)