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Brennende Autos am Schauplatz der Explosion in Izmir. Foto: str
Brennende Autos am Schauplatz der Explosion in Izmir. Foto: str
05.01.2017

Bericht: Todesopfer bei Anschlag im westtürkischen Izmir

Istanbul (dpa) - Der mutmaßliche Autobombenanschlag vor dem Justizgebäude in der westtürkischen Millionenmetropole Izmir hat nach einem Bericht zwei Todesopfer gefordert. Dabei handele es sich um einen Polizisten und einen Gerichtsmitarbeiter, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.Sieben Menschen seien verletzt worden. Nach der Detonation hätten sich Sicherheitskräfte zudem mit drei «Terroristen» Schusswechsel geliefert. Zwei Angreifer seien dabei getötet worden. Einer sei auf der Flucht.

Der Sender CNN Türk berichtete, mutmaßlich sei eine Autobombe vor dem Eingang für Richter und Staatsanwälte explodiert. Das Gerichtsgebäude sei evakuiert worden. Die Polizei fahnde mit Unterstützung von Hubschraubern nach dem Flüchtigen. Eine Nachrichtensperre sei verhängt worden.

Der Angriff auf einen Club in Istanbul mit Dutzenden Toten wurde nach Angaben des türkischen Vize-Ministerpräsidenten Veysi Kaynak vermutlich von einem Uiguren verübt. «Er ist wahrscheinlich ein Uigure», sagte Kaynak im Sender A Haber über den flüchtigen Tatverdächtigen. «Aber bezüglich seiner Staatsangehörigkeit will ich vorerst nichts sagen.»

Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus - in der Türkei gibt es fünf Vizes - hält einem Medienbericht zufolge auch eine Verwicklung «ausländischer Nachrichtendienste» in den Terrorangriff in Istanbul für möglich.

«Ich bin der Meinung, dass es für einen Täter nicht möglich ist, einen solchen Angriff ohne jede Unterstützung durchzuführen», sagte Kurtulmus der Zeitung «Hürriyet Daily News». «Es wirkt wie eine Geheimdienstsache. All diese Dinge werden untersucht.» Kurtulmus habe keine Angaben dazu machen wollen, welche Geheimdienste er meinen könnte, schrieb die Zeitung in ihrer Online-Ausgabe weiter.

Die Türkei setzt sich seit langem für die Uiguren ein. Die muslimische Minderheit in der Unruheregion Xinjiang in Nordwestchina ist ein Turkvolk und fühlt sich von den Chinesen unterdrückt. China wirft der Türkei vor, geflüchteten Uiguren türkische Reisepässe auszustellen.

2009 nannte der damalige türkische Ministerpräsident und heutige Staatschef Recep Tayyip Erdogan das Vorgehen in Xinjiang gegen Uiguren «eine Art Genozid», was China empört zurückwies. Die chinesischen Behörden erheben uigurischen Gruppen gegenüber Terrorismus- und Separatismusvorwürfe.

Kaynak sagte: «Die Identität des Terroristen wurde von unseren Sicherheitskräften festgestellt. Es wurde auch ausgemacht, wo er sich aufhalten könnte. Unsere Sicherheitskräfte fahnden irgendwo in Silivri.» Silivri liegt westlich von Istanbul. Kaynak schloss allerdings auch nicht aus, dass dem Täter die Flucht ins Ausland gelungen sein könnte.

Bei dem Angriff auf den Club Reina in der Silvesternacht waren 39 Menschen getötet worden. Vom Täter, dem nach dem Angriff die Flucht gelang, fehlt weiterhin jede Spur. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat die Verantwortung für die Tat für sich reklamiert.