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Büros der Charterfluggesellschaft wurden durchsucht. Es wird auch gegen Vertreter der Luftsicherheitsbehörde ermittelt.
Büros der Charterfluggesellschaft wurden durchsucht. Es wird auch gegen Vertreter der Luftsicherheitsbehörde ermittelt. Foto: Stringer
07.12.2016

Chef von Unglücks-Fluggesellschaft LaMia festgenommen

Santa Cruz (dpa) - Der Chef der für den Flugzeugabsturz in Kolumbien verantwortlichen Chartergesellschaft LaMia ist festgenommen worden.Gegen ihn werde unter anderem wegen des Verdachts auf Totschlag ermittelt, teilte sein Anwalt unter Verweis auf Angaben der Staatsanwaltschaft im bolivianischen Santa Cruz mit.

Zudem wurden zwei weitere Angestellte festgenommen. LaMia wird vorgeworfen, zu wenig Treibstoff für den Flug von Santa Cruz in die kolumbianische Stadt Medellín an Bord gehabt zu haben. Das brasilianische Fußballteam Chapecoense war am 28. November auf dem Weg zum Finalhinspiel um den Südamerika-Cup gegen Atlético Nacional. 71 Menschen starben.

«Insgesamt wird gegen sechs Personen ermittelt», sagte Staatsanwalt Iván Quintanilla nach Angaben der Nachrichtenagentur ABI. Die Ermittlungen konzentrieren sich darauf, warum es zu dem Absturz kommen konnte, ob zum Beispiel ein notwendiger Tankstopp einfach nicht eingelegt wurde.

Die Flugzeit wurde mit rund 4:20 Stunden berechnet, was in etwa genau der Reichweite der Maschine vom Typ Avro RJ85 bis Medellín entspricht. Vorgeschrieben ist aber, dass Treibstoffmengen deutlich über der berechneten Flugzeit an Bord sein müssen, um zum Beispiel Landungen an anderen Flughäfen zu schaffen.

Boliviens Verteidigungsminister Reymi Ferreira hatte am Montag den gestorbenen Piloten und Miteigentümer verantwortlich gemacht. «Der Pilot hat das Flugprotokoll verletzt. Es gab ein wirtschaftliches Kriterium, um Kosten zu sparen, das die Tragödie verursacht hat.» 

Die Ermittlungen richten sich auch gegen eine Mitarbeiterin der für die Verwaltung der Flughäfen und für Flugsicherheit zuständigen Behörde in Bolivien (Aasana). Sie hatte den Flugplan des Fluges LaMia 2933 genehmigt und ist in das benachbarte Brasilien geflohen und hat dort Asyl beantragt. Boliviens Regierung verlangt die Auslieferung. Das Team von Chapecoense war zunächst aus Brasilien nach Santa Cruz gereist, von hier aus startete dann der LaMia-Charterflug.

Noch am Dienstag hatte die Deutsche Presse-Agentur mit dem Chef von LaMia telefoniert, er hatte aber einen Kommentar zu den Vorwürfen abgelehnt. Die bolivianische Regierung hat LaMia die Lizenz entzogen.

Nach der Tragödie war AF Chapecoense am Montag zum Titelträger des diesjährigen Südamerika-Cups, der Copa Sudamericana, ernannt worden. Das teilte der südamerikanische Fußballverband Conmebol mit. Damit wurde einem Antrag des Finalgegners Atlético Nacional stattgegeben. Dieser erhält für diese Form des Fair Play eine Prämie von einer Million Dollar. Chapecoense bekommt zwei Millionen Dollar Preisgeld.