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Im Konflikt zwischen Hells Angels und Bandidos wurden in den vergangenen Monaten mehrere Mitglieder schwer verletzt. Foto: Bernd Krause
Im Konflikt zwischen Hells Angels und Bandidos wurden in den vergangenen Monaten mehrere Mitglieder schwer verletzt. Foto: Bernd Krause
07.09.2012

Chefermittler bietet Rockern Ausstieg aus der Szene an

Berlin (dpa) - Die Berliner Polizei will kriminellen Rockern offensiver als bisher beim Ausstieg aus der Szene helfen.

«Seit der jüngsten Zuspitzung der Gewalt und dem starken polizeilichen Druck erklären uns zunehmend Rocker: "Ich will raus, ich habe Angst."», sagte der Chef für Organisierte und Bandenkriminalität am Landeskriminalamt, Bernd Finger, der Nachrichtenagentur dpa. «Dabei wollen wir jeden straffällig gewordenen Rocker gerne unterstützen.» Die Rocker würden in Berlin so intensiv wie noch nie in Deutschland angesprochen, betonte Finger.

Erst zu Wochenbeginn hatte der 62-Jährige dafür in Berlin auf einer öffentlichen Podiumsdiskussion zum Thema Rockerkriminalität geworben. Im Publikum saßen etliche einschlägig bekannte Mitglieder verschiedener Clubs. Auch für sie war diese Ansage neu. «Diese Form der öffentlichen Ansprache in die betroffenen Kreise haben wir in Berlin bundesweit zum ersten Mal praktiziert.»

Zuletzt hatten sich im Konflikt zwischen den beiden größten Clubs in der Hauptstadt - Hells Angels und Bandidos - mehrere Rocker schwer verletzt. Auch völlig Unbeteiligte erlitten Verletzungen. Wegen möglicher Racheakte sorgten sich viele Rocker um ihre Familie und die eigene Gesundheit, sagte der Leitende Kriminaldirektor. Die Szene diskutiere das direkte Ausstiegsangebot derzeit rege.

«Ich betone, dass wir keinen Austritt aus der Biker-Szene an sich fordern. Die ist auch nicht im Fokus der Polizei», sagte Finger. «Es geht darum, sich aus der Straftatverstrickung zu lösen.» Seit 2009 existiere die Kronzeugenregelung. Ausstiegswillige Kriminelle müssten dafür mit ihrer Aussage zur Aufklärung und Verhinderung von schweren Straftaten beigetragen. Diese Möglichkeit böten die Ermittler derzeit verstärkt bei Vernehmungen und Polizeieinsätzen an.

«Es geht nicht um Verrat, sondern darum, seine eigenen Ängste und Verstrickungen über die eigene Beteiligung hinaus zu offenbaren.» Jeder, der diesen Schritt wage, könne ein Entgegenkommen der Justiz erwarten - etwa mit einer Milderung des eigenen Strafmaßes. «Auch werden wir für die nötige Sicherheit derjenigen sorgen und die Rückkehr ins straffreie Leben begleiten.»

Erst kürzlich hatte laut Staatsanwaltschaft erstmals ein Rocker ausgepackt und so Anklagen gegen mindestens neun Bandidos ermöglicht. In der Szene gilt eigentlich ein striktes Schweigegebot gegenüber Polizei und Justiz. Konflikte werden untereinander ausgetragen.