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Fußgänger und Autofahrer können aufatmen: Es liegt zwar viel Schnee aber die Glatteisgefahr in Deutschland ist dank mild
Fußgänger und Autofahrer können aufatmen: Es liegt zwar viel Schnee aber die Glatteisgefahr in Deutschland ist dank milderer Temperaturen gesunken. Foto. Tobias Hase Foto: Tobias Hase
08.01.2017

Hunderte Glätteunfälle, bis 31 Grad Minus

Berlin (dpa) - Arktische Kälte mit bis zu minus 31 Grad und viele Hundert Glätteunfälle: Der Winter hat Deutschland am Wochenende richtig in die Mangel genommen, aber jetzt wird es wieder wärmer. Dennoch kann es in der kommenden Woche vielerorts rutschig werden.Das

abziehende Tief «Axel» lässt nicht nur schwere Sturmschäden an der Ostseeküste zurück. Viele Menschen sind auch auf spiegelglatten Bürgersteigen ausgerutscht und haben sich verletzt. Klempner müssen unzählige geplatzte Wasserrohre reparieren. Und manche Skigebiete klagen, weil es zeitweise sogar den Wintersportlern zu kalt für die Piste war. Eine Reihe von deutschen Zoos blieb wegen Eisflächen auf den Gehwegen geschlossen - unter anderem in Hamburg, Duisburg und Krefeld.

Am schlimmsten trafen Glätte, Blitzeis und Schnee allerdings die Autofahrer. In Nordrhein-Westfalen zählte die Polizei rund 1500 Verkehrsunfälle auf spiegelglatten Straßen. In Niedersachsen gab es landesweit 630 Unfälle. Meistens ging es mit Blechschäden oder leichten Blessuren aus, doch es gab auch einen Toten und Schwerverletzte.

In der Nähe von Hannover starb ein Autofahrer am Samstagabend nach einem schweren Glätteunfall. In NRW wurden bei einer Karambolage auf der eisglatten Autobahn 46 nahe Iserlohn mindestens sechs Menschen verletzt, darunter mehrere Kinder. Fünf Autos waren an dem Unfall beteiligt.

Das Wochenende hatte mit der bisher kältesten Nacht dieses Winters begonnen. Eine Station von Jörg Kachelmann im sächsischen Marienberg-Kühnhaide meldete am Samstagmorgen minus 31,4 Grad, während Meteomedia dort auf minus 30,6 Grad kam und der Deutsche Wetterdienst (DWD) an seiner eigenen Messstation in Marienberg nur minus 17 Grad registrierte. Der DWD maß die niedrigsten Temperaturen an zwei seiner Stationen in Bayern: minus 26 Grad in Reit im Winkl und Schorndorf.

Trotz dieser eisigen Kälte ließ

ein Schleuser 19 Asylsuchende an einem Autobahnparkplatz in Bayern zurück. «Nach stundenlanger Fahrt ließ der skrupellose Fahrer den Transporter mit den Personen auf der unbeheizten Ladefläche einfach stehen und verschwand», teilte die Bundespolizei mit. Bei rund minus 20 Grad sprachen die stark unterkühlten Migranten zwei Reisende an, die dann Hilfe holten.

Mit dem Winter dieses arktischen Ausmaßes ist es in den nächsten Tagen vorerst vorbei. Doch bei Werten zwischen minus und plus fünf Grad sei auch in den kommenden Tagen weiter Vorsicht im Straßenverkehr angebracht, teilte der DWD in Offenbach mit. Für die Lausitz und den Südosten sagen die Meteorologen bis Dienstag Dauerfrost zwischen minus fünf und minus 20 Grad vorher - je nach Wolkendichte. Es regne oder schneie je nach Temperatur und Höhenlage. Von Mittwoch an komme wieder Wind auf, die Küste müsse dann mit Sturmböen rechnen.

Die amtlichen Unwetterwarnungen bei Winterwetter

Schleuser lässt 19 Flüchtlinge bei Eiseskälte zurück

Die Kälterekorde auf den Kontinenten:

- AFRIKA: Im marokkanischen Ifrane herrschen am 11. Februar 1935 minus 23,9 Grad. Die Stadt liegt im Mittleren Atlas-Gebirge rund 60 Kilometer südlich der Königsstadt Fès.

- ANTARKTIS: Der weltweit tiefste Temperatur wird am 21. Juli 1983 an der russischen Polarstation «Wostok» gemessen. Auf 3420 Metern Höhe zeigt das Thermometer minus 89,2 Grad.

- ASIEN: Der Kälterekord von minus 67,8 Grad wird gleich dreimal in Sibirien gemessen: am 5. und 7. Februar 1892 in Werchojansk und am 6. Februar 1933 in 600 Kilometer südöstlich gelegenen Oimjakon. Die beiden russischen Orte sind die kältesten außerhalb der Antarktis.

- EUROPA: Zählt man das dänische Außengebiet Grönland mit zum Kontinent, dann ist es dort am 9. Januar 1954 mit minus 66,1 Grad an der Wetterstation North Ice am kältesten. In Kontinentaleuropa zeigt das Thermometer im russischen Ust-Schtschuger im Ural-Vorland am 31. Dezember 1978 minus 58,1 Grad.

- NORDAMERIKA: Im Westen Kanadas an der Grenze zum US-Bundesstaat Alaska liegt Snag - dort müssen die Menschen am 3. Februar 1947 bei minus 63 Grad ausharren.

- OZEANIEN: Minus 25,6 Grad werden am 17. Juli 1903 in Ranfurly auf der Südinsel Neuseelands gemessen.

- SÜDAMERIKA: In Sarmiento auf dem argentinischen Teil der Insel Feuerland herrschen am 1. Juni 1907 minus 32,8 Grad.