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Bernie Sanders, demokratischer US-Senator und Kandidat für die Präsidentschaftswahlen 2020, hat seine Steuererklärungen
Bernie Sanders, demokratischer US-Senator und Kandidat für die Präsidentschaftswahlen 2020, hat seine Steuererklärungen freiwillig offengelegt. Foto: Christopher Dolan/The Times-Tribune
16.04.2019

Linker US-Präsidentschaftsbewerber Sanders jetzt Millionär

Washington (dpa) - Der Anwärter auf die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten, Bernie Sanders (77), ist durch einen Bestseller zum Millionär geworden.Der Senator veröffentlichte Steuererklärungen, wonach er und seine Ehefrau Jane Sanders in den Jahren 2016 und 2017 auf ein gemeinsames Einkommen von jeweils mehr als einer Million Dollar kamen - nach 240.622 Dollar im Jahr 2015. Sanders' Buch «Our Revolution» («Unsere Revolution») war im November 2016 erschienen, kurz nach dem Sieg des Republikaners Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl.

Sanders - der sich als einen demokratischen Sozialisten bezeichnet - setzt sich für eine Reichen- und eine Spekulationssteuer ein. Bei einer Diskussionsveranstaltung von Trumps Haussender Fox News am Montagabend sagte Sanders, sein Buch «war ein Bestseller, der überall auf der Welt verkauft wurde, und wir haben Geld verdient. Wenn irgendwer denkt, dass ich mich dafür entschuldigen sollte, einen Bestseller zu schreiben, dann tut es mir leid, das werde ich nicht tun». Sanders forderte Trump dazu auf, nun ebenfalls seine Steuererklärungen vorzulegen.

Der Präsident weigert sich, seine Steuererklärungen zu veröffentlichen. Die Demokraten im Abgeordnetenhaus wollen Trump dazu zwingen. Sanders sagte den Fox-Moderatoren bei der Veranstaltung in Bethlehem im Bundesstaat Pennsylvania, er zahle seine Steuern. «Warum holen Sie nicht Donald Trump hierher und fragen ihn, wie viele Steuern er bezahlt?» Der Senator aus Vermont wandte sich dann direkt an Trump, der regelmäßig Fox News schaut. «Hey Präsident Trump, meine Frau und ich haben gerade (Steuererklärungen über) zehn Jahre veröffentlicht», sagte Sanders. «Bitte machen Sie dasselbe.»

Aus den Steuererklärungen geht hervor, dass Sanders und seine Ehefrau im vergangenen Jahr noch auf ein zu versteuerndes Einkommen in Höhe von gut 561.000 Dollar kamen. Der unabhängige Senator ist ein scharfer Kritiker Trumps, den er am Montagabend «einen krankhaften Lügner» und «einen gefährlichen Präsidenten» nannte.

Sanders gehört zur wachsenden Zahl von Bewerbern für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten für die Wahl im November 2020. In Umfragen liegt er an zweiter Stelle hinter dem früheren Vizepräsidenten Joe Biden, der seine Bewerbung um die Kandidatur allerdings noch gar nicht offiziell erklärt hat.

Die «New York Times» berichtete, unter den offiziellen Bewerbern um die Kandidatur der Demokraten habe Sanders bislang die meisten Spenden eingesammelt: Sanders konnte demnach 18,2 Millionen US-Dollar verbuchen, an zweiter Stelle liegt Senatorin Kamala Harris mit 12 Millionen Dollar. Sanders kann vor allem auf Kleinspender bauen: Der Zeitung zufolge stammen 84 Prozent seiner Mittel von Spendern, die 200 Dollar oder weniger gaben. Sanders trat bereits 2016 bei den Vorwahlen der US-Demokraten an, unterlag aber Hillary Clinton.

Bei der Kandidatur der Republikaner bekam Trump unterdessen Konkurrenz vom früheren Gouverneur des US-Bundesstaats Massachusetts, Bill Weld. Weld erklärte am Montag im Sender CNN, er werde sich um die Kandidatur seiner Partei bewerben. Der 73-Jährige ist der erste Republikaner, der Trump herausfordert. Welds Chancen dürften allerdings schlecht stehen: Nach Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Gallup genießt Trump unter Anhängern der Republikaner seit Monaten Zustimmungswerte um die 90 Prozent.

Weld sagte, es wäre eine «politische Tragödie», wenn Trump 2020 wiedergewählt und weitere vier Jahre im Amt bleiben würde. «Ich hätte Angst um die Republik.» Weld hatte Trump kürzlich in einem Interview der Zeitschrift «Rolling Stone» «bösartigen Narzissmus» attestiert. Weld hatte sich 2016 an der Seite des Präsidentschaftskandidaten der kleinen Libertären Partei, Gary Johnson, um die Vizepräsidentschaft beworben. Im Februar war Weld zu den Republikanern zurückgekehrt.