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Unterricht in einer Grundschule. Der «IQB-Bildungstrend 2016» untersucht das Kompetenzniveau in den Fächern Deutsch und
Unterricht in einer Grundschule. Der «IQB-Bildungstrend 2016» untersucht das Kompetenzniveau in den Fächern Deutsch und Mathematik der 4. Jahrgangsstufe. Foto: Peter Steffen
13.10.2017

Mathe, Zuhören, Rechtschreibung: Grundschüler fallen zurück

Berlin (dpa) - Deutschlands Viertklässler sind innerhalb der vergangenen fünf Jahre in Mathematik, beim Zuhören und in Rechtschreibung zurückgefallen. Beim Lesen sind die Grundschüler dagegen im vergangenen Jahr auf ähnlichem Niveau geblieben wie 2011.Das geht aus der Studie IQB-Bildungstrends hervor, die die Kultusministerkonferenz (KMK) in Berlin veröffentlichte.

«Die Ergebnisse sind ernüchternd», sagte KMK-Präsidentin Susanne Eisenmann (CDU). «Die Ergebnisse der Studie zeigen einen bundesweiten Handlungsbedarf bei der Förderung in den Kernfächern Deutsch und Mathematik.» Untersucht wurde, inwieweit Viertklässler bestimmte Bildungsstandards der KMK in beiden Fächern erreichen.

Verändert hat sich seit der vorherigen Erhebung 2011 aber auch die Zusammensetzung der Schülerschaft. Der Anteil der Viertklässler mit Migrationshintergrund erhöhte sich um mehr als ein Drittel auf 34 Prozent. Zudem besuchen auch mehr Kinder mit Behinderung eine allgemeine Schule. Eisenmann nannte es «erfreulich», dass angesichts dessen die Ergebnisse beim Lesen stabil geblieben sind.

Zwischen den Ländern gibt es große Unterschiede. Beispiel Zuhören: Seit 2011 hat sich der Anteil von Kindern, die Regelstandards mindestens erreichen, in fünf Ländern deutlich verkleinert: In Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. Bei Mathe gab es hier in sechs Ländern Negativtrends: Baden-Württemberg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt.

Beim Lesen erreichte 2016 jeder achte Viertklässler in Deutschland nicht den Mindeststandard (12,5 Prozent). Besonders viele sind es in Bremen (25,5) und Berlin (20 Prozent). Über Bundesschnitt liegen Sachsen (7,2), Bayern (7,9), Schleswig-Holstein (8,8).

Beim Zuhören verfehlten bundesweit 10,8 Prozent den Mindeststandard, aber 20,8 Prozent in Bremen und 15,6 Prozent in Berlin. Bayern (6,5) und Schleswig-Holstein (8,3 Prozent) lagen über dem Bundeswert. Bei der Rechtschreibung lagen 22,1 Prozent der Viertklässler deutschlandweit unter Mindeststandard. Hier bildeten Bremen, Berlin, Niedersachsen und Hamburg Ausreißer nach unten, Bayern und das Saarland lagen deutlich über Bundesschnitt. 

In Mathematik landeten in ganz Deutschland 15,4 Prozent der Viertklässler unter dem Mindeststandard. Schlechter lagen Bremen (35,4), Berlin (27,6), Nordrhein-Westfalen (19,2) und Hamburg (21,2 Prozent). Besser ab schnitten Bayern (8,3), Sachsen (8,8), Sachsen-Anhalt (12,1) und Thüringen (12,6 Prozent). 

Die Studienautorin Petra Stanat erläuterte, der gestiegene Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund sei vor allem auf im Land geborene Kinder zurückzuführen. «Wir haben die Schüler, die 2015 mit Fluchterfahrung ins System gekommen sind, überwiegend noch nicht drin.» Erst nach einem Jahr würden Schüler in die Test einbezogen. Sie erwarte aber dadurch keine starken Änderungen, denn bezogen auf eine Jahrgangsstufe seien es nicht so viele.  

Stanat betonte, der gestiegene Anteil an Zuwandererkindern sei nicht gleichbedeutend mit schlechteren Leistungen. Die Trends gingen bei deutsch- und migrationsstämmigen Kindern in eine ähnliche Richtung. Bei Zuwandererkindern sei oft auch die soziale Schlechterstellung der Hauptgrund für mögliche Probleme. Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) sagte unter Berufung auf Untersuchungen in Hamburg zudem, dass viele migrantenstämmige Kinder nicht dazu führten, dass Mitschüler ohne Migrationshintergrund anders oder schlechter landeten.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft warf den Ländern Vernachlässigung der Grundschulen vor. «Die Länder haben sich zu wenig darum gekümmert, dass ausreichend Lehrkräfte ausgebildet werden, sagte Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann. Konkrete Maßnahmen gegen den Lehrermangel forderte der Verband Bildung und Erziehung.

An der Studie nahmen 29 259 Schüler aus allen 16 Ländern teil.

Realist01
13.10.2017
Mathe, Zuhören, Rechtschreibung: Grundschüler fallen zurück

Das ist traurig. Besonders der Leistungsabfall in Baden-Württemberg. Ich sehe da folgende Ursachen: * zuwenig Lehrer * falsche Lehrpläne / ideologische Ansätze wie "Schreiben nach Hören" * immer wieder Reformen an der Schulbildung. Schüler wie Lehrer können sich doch gar nicht so schnell anpassen. * wenn eine Klasse zuviel Migrantenanteil hat (die gar nicht oder nur wenig deutsch sprechen) wie soll da das Niveau gehalten werden können? mehr...

OB-Kandidat
13.10.2017
Mathe, Zuhören, Rechtschreibung: Grundschüler fallen zurück

Das Konzept "Schreiben nach Hören" halte ich auch für sinnfrei. Die Schüler müssen die richtige Schreibweise später doch noch lernen, und tun sich dann mit der Umgewöhnung schwer. Ausser die Kinder hochbegabter Eltern natürlich.:rolleyes: Einen noch grösseren Einfluss sehe ich im Miss/Ge-brauch von Smartphones und Computern. Nach dem Unterricht wird das Wissen im Kurzzeitgedächtnis durch "andere Inhalte" überschrieben. Hinzu kommen noch ständige Ablenkungen durch Kurznachrichten, die ein ...... mehr...

Faelchle
13.10.2017
Mathe, Zuhören, Rechtschreibung: Grundschüler fallen zurück

Ergänzend darf ich hinzufügen: eine Bekannte von mir ist Grundschullehrerin, nach ihrer Aussage haben "einige" einfach keinen Bock zu lernen, egal wie der Lehrplan aussieht. Auch der Hinweis von Ihr, wie sie sich ihre Zukunft denken, ist ihnen vollkommen egal. Außerdem, hatte nicht die Merkel die Bildung 2008 zur Chef-Sache gemacht? mehr...

BadnerBube
13.10.2017
Mathe, Zuhören, Rechtschreibung: Grundschüler fallen zurück

Das sehe ich in der Tat als totaler Schwachsinn an. Für ein Kind ist es einfacher etwas gleich richtig zu lernen als sich erst an was falsches zu gewöhnen und dann wieder umlernen. Ich hab erlebt dass die integrierten Kinder eher gute Noten haben, aber die Kinder die kaum deutsch sprechen und deren Eltern auch kein Interesse haben deutsch zu lernen und mit ihren Kindern zu sprechen, die halten den ganzen Unterricht auf und haben deutlich schlechtere Noten wie der Durchschnitt.... mehr...