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Ein Passant blickt in Seoul auf einen Bildschirm, auf dem von einem Nachrichtensender Bilder Kim Jong Un und Donald Trum
Ein Passant blickt in Seoul auf einen Bildschirm, auf dem von einem Nachrichtensender Bilder Kim Jong Un und Donald Trump gezeigt werden. Foto: Ahn Young-Joon
10.08.2017

Nordkorea fordert USA mit Plänen für Raketenangriff heraus

Seoul/Washington (dpa) - Mit angehaltenem Atem verfolgt die Welt weiter das verbale Aufrüsten zwischen den USA und Nordkorea. Zwar gab es am Donnerstag zunächst keine Anzeichen einer Zuspitzung. Dennoch bleibt die Lage vor dem Hintergrund der atomaren Bewaffnung beider Länder hochbrisant.Südkorea warnte den Norden mit ungewohnt deutlichen Worten vor einer weiteren Eskalation des Konflikts.

Nordkoreas Militärführung reagierte demonstrativ unbeeindruckt auf jüngste Drohungen von US-Präsident Donald Trump und verspottete ihn für seine martialischen Äußerungen. «Sachlicher Dialog ist mit so einem Typen bar jeder Vernunft nicht möglich, nur mit absoluter Stärke ist ihm beizukommen», hieß es in einer Stellungnahme der Streitkräfte nach Angaben der nordkoreanischen Staatsagentur KCNA.

Weiter heißt es dort,

Trump verkenne offensichtlich den Ernst der Lage und der jüngsten Warnungen aus Pjöngjang. Dem nordkoreanischen Militär gehe das «ziemlich auf die Nerven».

Südkoreas Streitkräfte erklärten, sollte das kommunistische Nachbarland seine «Provokationen» nicht unterlassen, werde es «die harte und

resolute Vergeltung der Alliierten» zu spüren bekommen.

Chinas amtliche Nachrichtenagentur Xinhua kritisierte den verbalen Schlagabtausch scharf. In einem Kommentar hieß es, ohne eine Rückkehr zur Vernunft

werde alles noch schlimmer. Nordkorea sollte sein Atom- und Raketenprogramm einstellen, die USA und Südkorea ihre Militärmanöver aussetzen, um an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Auch Japans Regierung rief zur Mäßigung auf, richtete ihren Appell aber ausschließlich an Pjöngjang.

Zuvor hatte Trump Nordkorea offen wie noch kein US-Präsident militärisch gedroht: «Nordkorea sollte besser keine weiteren Drohungen gegen die USA ausstoßen. Ihnen wird mit Feuer und Wut begegnet werden, wie es die Welt niemals zuvor gesehen hat.»

Nordkorea drohte gleichwohl, Mittelstreckenraketen in Richtung auf

Guam abzufeuern. Man werde bis Mitte August Pläne fertigstellen, nach denen vier Raketen über Japan fliegen und etwa 30 bis 40 Kilometer vor Guam ins Meer stürzen sollen. Sobald die Pläne fertig seien, werde Präsident Kim Jong Un über das weitere Vorgehen entscheiden.

Auf der von 160 000 Menschen bewohnten

US-Pazifikinsel befindet sich ein strategisch wichtiger Stützpunkt des amerikanischen Militärs. Gouverneur Eddie Baza Calvo schloss in einer Videobotschaft eine akute Bedrohung aus. Die Insel sei aber auf alles vorbereitet.

Zur atomaren Bewaffnung der USA hatte Trump getwittert: «Mein erster Befehl als Präsident war, das nukleare Arsenal zu erneuern und zu modernisieren. Jetzt ist es weit stärker und kraftvoller als jemals zuvor.» Die «Washington Post» und zahlreiche US-Militärexperten wiesen allerdings darauf hin, dass eine Modernisierung des Arsenals binnen sechs Monaten schlicht unmöglich sei.

Seine weltweit beachteten «Feuer und Wut»-Äußerungen hat Trump nach Informationen der «New York Times» nicht vorher mit seinem Stab oder Alliierten abgesprochen, sondern improvisiert.

Nordkorea hatte trotz Verboten des UN-Sicherheitsrates und Warnungen aus dem Ausland am 28. Juli eine Interkontinentalrakete getestet. Diese hatte nach Berechnungen von Experten eine theoretische Reichweite von rund 10 000 Kilometern. Nordkoreas Staatschef Kim sagte nach dem Test, das Festland der USA sei jetzt in Reichweite. Als Reaktion auf den Raketentest verhängte der UN-Sicherheitsrat die bislang schärfsten Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen warf Nordkorea völkerrechtswidriges Verhalten vor und zeigte Verständnis für Trump.

Internationale Kommentatoren sehen eher taktische Manöver hinter den verbalen Attacken. Eine militärische Eskalation halten viele internationale Medien aber eher für unwahrscheinlich.

An der deutschen Börse ließ die Krise den Leitindex Dax weiter absacken.

Sogenannte THAAD-Raketen sollen feindliche Kurz- und Mittelstreckenraketen abfangen. Sie tragen keinen Sprengkopf, sondern zerstören die Rakete durch direkten Aufprall. Dies kann innerhalb wie oberhalb der Erdatmosphäre bis in 150 Kilometer Höhe geschehen. Den ersten das ganze System umfassenden Testflug gab es 2006. THAAD steht für «Terminal High Altitude Area Defense».

Die 6,17 Meter langen Raketen werden von Lastwagen aus abgefeuert und sind daher sehr mobil. Zu einer THAAD-Batterie gehören neun Raketenwerfer auf Lkw mit jeweils acht Abfangraketen. Dazu kommen ein mobiles Radarsystem und eine mobile Feuerleitstelle. THAAD bietet - zum Beispiel über einer Stadt - einen hohen Schutzschild. Darunter können Raketensysteme wie die auch von der Bundeswehr eingesetzte Patriot einen weiteren Schild legen.